Chronik

Salzburger Bauern sparen bei den Traktoren

Die Bauerneinkommen sinken seit Jahren. Das zwingt Landwirte zum Sparen. Die Folge: Händler verzeichnen massive Rückgänge beim Traktorenverkauf.

Salzburger Bauern sparen bei den Traktoren SN/chris hofer
Sie setzen auf den alten Steyr: Pächterin Ulrike Grabler und Landwirt Markus Müllegger.

Wenn Markus Müllegger hinaus auf das Feld fährt, sitzt er in einem Steyr 8045, Baujahr 1981, 42 PS. Der Landwirt aus Seeham denkt nicht daran, einen neuen zu kaufen. "Natürlich geht mit einem größeren Traktor alles schneller. Nur: Man muss überlegen, ob es die Investition wirklich wert ist. Mein Traktor hat einen Wert von 10.000 Euro. Der nächste Traktor, der interessant wäre, kostet gebraucht mindestens 25.000 Euro. Das muss man zuerst hereinwirtschaften." Auf einem Hof mit sieben Hektar Wiesenfläche und fünf Hektar Wald lohne sich das nicht. Außerdem: "Die alten Steyr-Traktoren haben einen Vorteil - die wurden noch für die Ewigkeit gebaut."

Verkaufszahlen sanken um 40 Prozent

Nur noch investieren, wenn es unbedingt nötig ist: So denken angesichts sinkender Milchpreise viele Landwirte. Am deutlichsten zeigt sich das beim Traktorenverkauf. Im Vergleich zu den Spitzenjahren sanken die Verkaufszahlen um mehr als 40 Prozent. So wurden in Salzburg laut Zulassungsstatistik vor zehn Jahren 543 Traktoren verkauft. 2012 waren es immerhin noch 458. Im Vorjahr waren es nur mehr 310 Neuzulassungen. Für heuer rechnen Insider mit 270 bis 280 Neuzulassungen.

Beim Lagerhaus seien die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr jetzt einigermaßen stabil, sagt Andreas Klimitsch, der Leiter des Bereichs Landtechnik. Insgesamt sei der Markt aber rückläufig. Das liegt nur zum Teil an der sinkenden Zahl von Bauern. Hauptgrund sind die sinkenden Einkommen. Klimitsch: "Natürlich spürt man das bei der Investitionsfreude der Bauern."

Insbesondere der Milchpreis ist stark gesunken. Das trifft vor allem konventionelle Bauern. Biobauern sind wegen der vergleichsweise guten Biomilchzuschläge in einer besseren wirtschaftlichen Lage.

Großbauern kaufen Traktoren und neue Flächen

Den Trend bestätigt auch Landtechnikhändler Josef Schnitzhofer senior aus Abtenau. "Wir haben heuer sicher auch wieder einen Rückgang bei den Traktorverkäufen." Kleinere Landwirte seien "eher zurückhaltend. Man wartet zurzeit eher ein bisschen ab." Es gibt zwar nach wie vor Bauern, die große und entsprechend teure Traktoren anschaffen. Das sind aber oft Landwirte, die von anderen Bauern Flächen zupachten und deshalb schwere Maschinen einsetzen. Die Bandbreite der Preise für Traktoren bewegt sich im Regelfall zwischen 40.000 und 100.000 Euro.

Für solche Investitionen sehen zahlreiche Landwirte momentan keinen Spielraum. Das Durchschnittseinkommen pro Betrieb ist in Salzburg im Vorjahr laut Grünem Bericht um fünf Prozent gesunken - auf 18.502 Euro. Im Österreich-Schnitt sank das landwirtschaftliche Einkommen sogar um 17 Prozent. Seit 2011 sanken die Einkommen im Schnitt österreichweit um ein Drittel. Das Minus dürfte sich heuer fortsetzen.

"Einkommen sind in vergangenen Jahren zurückgegangen"

Die Maschinen seien ein wesentlicher Kostenfaktor auf den Höfen, sagt Landwirtschaftskammerpräsident Franz Eßl. "Da muss man schauen, dass man die möglichst gering hält. Die Einkommen sind in letzten vier Jahren schon immer zurückgegangen, die Situation ist nicht einfach."

Was können die Bauern tun? "Noch mehr Wert legen auf Produktinnovation", sagt Eßl. "Wenn ein Produkt eine Geschichte mit erzählen kann, ist der Konsument auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen", sagt Eßl und nennt als Beispiel den "Lungauer Eachtling". Man könne auch in Verbindung mit dem Lungauer Biosphärenpark oder dem Nationalpark neue Vermarktungsmöglichkeiten andenken. "Und man muss natürlich schauen, dass man die Kosten niedrig hält."

Einen leichten Hoffnungsschimmer gibt es seit Kurzem: Der Milchmarkt scheint sich langsam zu erholen. Die SalzburgMilch kündigte an, den Erzeugerpreis bis Oktober um zwei Cent anzuheben. Für einen Liter konventioneller Milch sollen die Bauern dann brutto 32,77 Cent bekommen und für Biomilch rund 49 Cent.

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