Salzburger des Monats

Bernhard Gruber - der WM-Held ist mehr Genie als Wahnsinn

Leidenschaft heißt das Wort, das Bernhard Gruber am besten beschreibt. Als nordischer Kombinierer, passionierter Musiker oder Familienvater.

Rockt Bühne und Langlaufloipe: Der Salzburger Kombinierer Bernhard Gruber ist auch ein hervorragender Gitarrist. SN/expa pictures/juergen feichter
Rockt Bühne und Langlaufloipe: Der Salzburger Kombinierer Bernhard Gruber ist auch ein hervorragender Gitarrist.

Bernhard Gruber wusste nicht so recht, ob er lachen, weinen oder doch besser lauthals schreien sollte. Völlig ausgepumpt und zugleich total aufgedreht stand der Salzburger Skisportler im WM-Stadion von Seefeld und sagte in seinem Gefühlschaos immer wieder diesen einen Satz: "Es ist so schön, einfach so schön …"

Dass Gruber im März bei den Heim-Weltmeisterschaften drei Medaillen in der nordischen Kombination gewinnen würde, das hätten auch die kühnsten Optimisten nicht für möglich gehalten. Geschweige denn Berni Gruber selbst. Obwohl: "Auch wenn meine Situation vor der WM aussichtslos erschien, ich habe nie aufgehört, an mich zu glauben. Tief in mir drin habe ich immer gespürt, dass ich es noch kann", erzählt der bald 37-Jährige, der in seinem Sport beinahe alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt: Er ist Olympiasieger, Weltmeister, mehrfacher Weltcupsieger - und mit seiner emotionalen, fast kitschigen Geschichte auch WM-Held von Seefeld.

Als solcher wurde Gruber vergangene Woche in seiner Heimat (und seinem Kopfsponsor) Gastein gebührend gefeiert. Mit Pauken und Trompeten, wie es sich für einen "SN-Salzburger des Monats" gehört. Neben den Kapellen der Trachtenmusik und der Kameradschaft, dem Kur- und Tourismusverband, der Alpentherme und dem Landesskiverband bereiteten dem Ehrenbürger der Marktgemeinde Bad Hofgastein auch zahlreiche Fans des Kombinierers einen großen Bahnhof. Und wieder kippte Gruber in diesen emotionalen Ausnahmezustand.

Als Kombinierer bewegt sich der zweifache Familienvater irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Das sagt mit ÖSV-Cheftrainer Christoph Eugen einer, der es wissen muss. Und diese Aussage ist natürlich nicht böse gemeint. Dazu passt Grubers Geschichte, wie er es doch noch zur nordischen Heim-WM nach Seefeld geschafft hat. Nach recht durchwachsenen Leistungen im Weltcup sprang Gruber im letztmöglichen Moment noch auf den WM-Zug auf. Als Ersatzmann nominiert, wuchs der Routinier ab dem ersten Trainingssprung auf den WM-Bakken über sich hinaus. Eineinhalb Wochen später hatte er drei Medaillen, eine silberne und zwei bronzene, um seinen Hals hängen.

Mit etwas Abstand betrachtet, bewertet er die wohl turbulentesten Tage seiner sportlichen Karriere so: "Es war ein Wechselbad der Gefühle. Ich wusste ja, dass meine physischen Werte sehr gut sind, in Teilbereichen bin ich mit meinen 36 Jahren besser beieinander als je zuvor. Nur habe ich die PS einfach nicht auf die Schanze gebracht. Beim Springen, das eigentlich immer meine Paradedisziplin war, hat es mich gefuchst - bis die WM kam."

Wäre er nicht bei der Heim-WM dabei gewesen, Gruber hätte seine Karriere dennoch fortgesetzt. "Weil die nordische Kombination für mich mehr ist als nur Skispringen und Langlaufen. Das ist eine echte Leidenschaft." Das hat Gruber in Seefeld eindrucksvoll unter Beweis gestellt, mit seinem rasanten Aufstieg vom Zero zum Hero, aber auch sich selbst kurzzeitig überfordert: "Ich war nach der Silbermedaille im Einzel völlig baff. Zu verstehen, was da mit mir und rund um mich herum passiert ist, hat einige Zeit gedauert. Jetzt bin ich vor allem dankbar dafür, dass ich das erleben durfte. Dass ich meinen Traum als Profisportler leben darf. Jeden Tag. Das ist echt genial."

Seine Karriere nach dem WM-Coup zu beenden, daran dachte der älteste WM-Medaillengewinner in der nordischen Kombination deshalb nie. "Auch wenn es blöd klingt: Ich will es nicht missen, mich in der Kraftkammer, in der Loipe und auf der Schanze zu quälen, mich beim Langlaufen richtig ,auszukotzen'. Außerdem ist mein Drang nach Bewegung immer noch zu groß, um jetzt aufzuhören", sagt Gruber, der nicht ausschließt, 2022 bei den Olympischen Spielen in Peking noch einmal auf Medaillenjagd für Österreich zu gehen.

Weil ihn ein hartnäckiger Virus zuletzt zu einer mehrwöchigen Trainingspause gezwungen hat, hat der als handwerklich begabter Tüftler bekannte ÖSV-Athlet seinen beiden kleinen Buben (ein und zwei Jahre) im Garten einen Spielturm aus Holz gezimmert. Auch eine Gitarre hat sich der passionierte Musiker gebaut und im hauseigenen Tonstudio wurden einige Filmlieder eingespielt, ehe er seine Langlaufski doch noch einmal aus dem Keller holte. "Bis 1. Mai wird die Loipe in Sportgastein gespurt. Das möchte ich bis zum letzten Tag ausnützen, jetzt kann man am besten die Grundlagen für den nächsten Winter antrainieren", sagt Gruber.

Diesmal klar und besonnen.

Aufgerufen am 25.10.2020 um 03:46 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburger-des-monats-bernhard-gruber-der-wm-held-ist-mehr-genie-als-wahnsinn-69381748

Profit machen ohne Umwelt zu zerstören

Profit machen ohne Umwelt zu zerstören

Als seine Kinder schulpflichtig wurden, bezog Thomas Familie in St. Johann ein Einfamilienhaus. Doch bald bekamen die zwei Söhne schwerste Atembeschwerden, wahrscheinlich ausgelöst durch toxische Gase von …

Kindern mit einem Karton Freude schenken

Kindern mit einem Karton Freude schenken

Sagenhafte 1200 Pakete brachte das ehrenamtliche Team um die Hauptorganisatorin Carina Schlager aus St. Martin vergangenes Jahr nach Osteuropa. Bislang war die Hilfsorganisation unter dem Namen "Weihnachten …

Kommentare

Schlagzeilen