Chronik

Salzburger Entführungsopfer will in Südamerika bleiben

Eine Woche lang war Johannes Wagenknecht im Regenwald an der Grenze von Ecuador und Kolumbien in der Hand von Entführern. Sie wollten 350.000 Euro erpressen, die der Salzburger nicht hat.

Drei Tage nach seiner Befreiung aus dem Dschungel harrte Johannes Wagenknecht am Dienstag weiter in Lago Agrio aus, der Hauptstadt der Provinz Sucumbíos im Norden Ecuadors. "Die Staatsanwaltschaft hat noch Fragen und wir müssen unser beschlagnahmtes Auto loseisen", sagt er. Da die Täter den Wagen zu seiner Entführung benutzt haben, handelt es sich um ein Beweismittel.

Körperlich hat Wagenknecht die achttägige Entführung recht gut verdaut. Bei der Entführung kam es zu einer Prügelei. Die Täter schlugen dem Salzburger mit einem Revolvergriff auf den Kopf. Dann traten sie auch noch auf ihn ein. Die Kopfwunde ist inzwischen halbwegs verheilt. "Und ich habe fünf Kilogramm abgenommen", sagte Wagenknecht. Er will nun rasch wieder in sein gewohntes Leben zurückkehren.

In der ersten Nacht bei den Entführern habe er sich gedacht, wenn er überlebe, sei es vorbei mit Südamerika. "Wir verkaufen die Finca und planen ein neues Leben. Aber dann kam mir in den Sinn, dass wir uns nicht von Kriminellen etwas aufzwingen lassen dürfen. Und die Wahrscheinlichkeit, ein zweites Mal entführt zu werden, ist sehr gering. Laut der Spezialeinheit UNASE, die mich befreit hat, gab es heuer in Ecuador 18 Entführungen. Das ist wenig." Wagenknecht will die Finca dennoch besser sichern.

Der Salzburger handelt also weiter mit dem Kaffee lokaler Bauern. Über seine Internetseite (www.kanwan.at) kann man den Kaffee auch in Österreich beziehen. Seine Frau Petra ist Unterrichtstrainerin für Lehrer in Me dellín in Kolumbien. Dort leben die beiden derzeit auch. Irgendwann wollen sie aber auf die Finca in Ecuador ziehen, die sie 2009 gekauft haben und wo die Entführung den Ausgang nahm. Dass der gebürtige Brucker und seine Frau 2013 von Hallein nach Südamerika zogen, hat vor allem mit einem Aufenthalt als Entwicklungshelfer in Ecuador in den Jahren 1990 bis 1993 zu tun. Dabei lernten sie das Land lieben. Mit dem Kaffeehandel will Wagenknecht etwas für Ecuador tun.

Wagenknecht sagte am Dienstag zu den SN, er fühle sich jetzt super, aber nicht als "Superhero". "Die Entführer haben mich im Lager menschlich behandelt. Deshalb hatte ich nicht so große Angst um mein Leben. Sie gaben mir das einzige Moskitonetz und versorgten meine Kopfwunde, aus der die Maden krochen. Sie wollten von meiner Frau 350.000 Dollar. Ich habe ihnen erklärt, dass ich die nicht habe. Dass ich dafür die Finca verkaufen müsste. Das haben sie eingesehen."

Die Täter, ein Ecuadorianer und zwei Kolumbianer, gaben sich als FARC-Rebellen aus. "Es waren aber lokale Kleinkriminelle, die mich als reichen Ausländer und leichte Beute angesehen haben. Die Polizei hat einen bei meiner Befreiung festgenommen. Zwei sind auf der Flucht. Es ist bekannt, um wen es sich handelt."

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