Chronik

Salzburger Ex-Bordellkönig hat Haft wegen Steuerhinterziehung angetreten

Als 50-Jähriger wurde er erstmals wegen Steuerhinterziehung verurteilt, als 70-Jähriger hat er die Haft angetreten. Fast zweieinhalb Jahrzehnte hatte sich der einstige Salzburger Bordellkönig in Brasilien aufgehalten.

Die Justizanstalt Salzburg. SN/robert ratzer
Die Justizanstalt Salzburg.

1,8 Millionen Euro Geldstrafe und sechs Monate Haft wegen Abgabenhinterziehung - so lautete das Ersturteil im Jahr 2002 über den einstigen Chef eines Etablissements in der Stadt Salzburg. Der Oberste Gerichtshof hob dieses Urteil zwar wegen eines Formalfehlers auf, in einem zweiten Rechtsgang im Jahr 2005 wurde das Urteil allerdings rechtskräftig.

Der einst als Bordellkönig bezeichnete Verurteilte selbst war bei keiner Verhandlung anwesend. Bereits 1999 hatte er sich nach Brasilien abgesetzt.

Im Amtsdeutsch des Landesgerichts Salzburg vom Donnerstag (31. März 2022) heißt es: "Nach der am 20. 9. 2005 erfolgten Verurteilung nach dem Finanzstrafgesetz zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe war er in Folge Nichtantritts der Haftstrafe durch das Landesgericht Salzburg zur Verhaftung ausgeschrieben worden, hatte sich aber bislang dem Haftantritt entzogen und im Ausland aufgehalten."

Nun befindet sich der mittlerweile 70-jährige Mann wieder in Salzburg. Vor wenigen Wochen trat er seine Haftstrafe in der Justizanstalt Puch-Urstein an. Der Mann war Anfang Februar über den Flughafen Wien-Schwechat freiwillig nach Österreich eingereist und wurde dort festgenommen.

Flucht bewirkt keine Verjährung

Peter Egger, Mediensprecher des Landesgerichts Salzburg, berichtete am Donnerstag in einer Aussendung über die juristischen Hintergründe: "Der Auslandsaufenthalt des Verurteilten war auch der Grund, weshalb zwischenzeitig keine sogenannte ,Vollstreckungsverjährung' (Paragraf 59 Strafgesetzbuch) eingetreten ist: Zeiten, in denen sich Verurteilte im Ausland aufhalten, werden in die Frist für die Vollstreckungsverjährung nämlich nicht eingerechnet. Vereinfacht gesagt: Kein zu einer Freiheitsstrafe Verurteilter kann sich durch Flucht ins Ausland der Strafverbüßung entziehen und auf ,Verjährung der Strafe' hoffen."

Der Salzburger hatte laut Urteil die Steuerhinterziehungen zwischen Anfang der 1980er-Jahre bis Mitte der 1990er-Jahre begangen. Als Schadenssumme wurden mehr als 82 Millionen Schilling (fast sechs Millionen Euro) genannt.

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