Chronik

Salzburger Klima-Plädoyer für alte, große Bäume

Stadtbäume als Klimabotschafter. Unter diesem Motto untersucht eine Gruppe an der Universität Salzburg, wie sich Bäume auf das Stadtklima auswirken. Eine Botschaft: Kleine, pflegeleichte Bäume erbringen bei weitem nicht die (Klima-) Leistung, die ein alter Baum mit großer Krone liefert.

Bäume sind für das Klima in Städten eminent wichtig. Da sind sich Carola Helletsgruber, Angela Hof, Sandra Stieger und Celina Stanley einig. SN/universität salzburg
Bäume sind für das Klima in Städten eminent wichtig. Da sind sich Carola Helletsgruber, Angela Hof, Sandra Stieger und Celina Stanley einig.

Wie wirken sich Bäume auf das Stadtklima und welche Baumarten sind dem Klimawandel angepasst? Das untersucht ein Team um die Salzburger Geographin Angela Hof von der Universität Salzburg mit Schülerinnen und Schülern aus Österreich, Deutschland und Ungarn in acht Städten und Gemeinden - von Salzburg über Kuchl bis Dresden und Szeged (Ungarn). Das Projekt "Stadtbäume als Klimabotschafter" startete im September 2017 und läuft zwei Jahre. Projektleiterin Angela Hof: "Wir wollen jungen Leuten vermitteln, welche Ökosystemleistungen Stadtbäume erbringen und wie wichtig Stadtbäume für das Stadtklima sind."

"Alte Bäume haben bessere Kühlungseffekte"

Die Schüler untersuchten unter anderem den Beginn und den Verlauf der Blattentfaltung. Zudem wurde die Abkühlungsleistung von Bäumen erhoben - mittels Sensoren in vielen Baumkronen. Diese erfassten Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit. Angela Hof: "Es hat sich gezeigt, wie wichtig alte große Baumkronen sind. Je älter der Baum ist, desto größer ist die Oberflächenabkühlung. Heute werden alte Bäume oft abgeholzt und durch Bäume ersetzt, die kleiner bleiben und leichter in der Handhabung sind. Die nicht so viel Laub und Dreck machen. Alte Bäume haben aber bessere Kühlungseffekte und mehr Ökosystemdienstleistung."

Die Stadtgärtner haben auf den Klimawandel reagiert

"Wenn es durch den Klimawandel wärmer wird, kommen in Zukunft vielleicht ganz neue Arten in Frage, die gut an ein wärmeres Klima angepasst sind", sagt Nachwuchswissenschaftlerin Celina Stanley von der Universität Salzburg. Sie hat ihre Masterarbeit zum Projekt "Stadtbäume als Klimabotschafter" geschrieben und wechselt Anfang 2019 an das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden. Die Salzburger Stadtgärtner reagieren bereits auf die Klimaerwärmung, indem sie vermehrt etwa Baum-Hasel oder Zerr-Eichen pflanzen.

Der Hitzesommer war ein "Geschenk" für die Forscher

Der Sommer 2018 geht laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) als viertwärmster in die österreichische Messgeschichte ein. Dieses Jahr zeichnete sich besonders durch Hitzewellen, überdurchschnittlich viele Sonnenstunden und Dürren aus. Wie aussagekräftig ist bei diesem extremen Sommer, der bis in den Oktober andauerte, ein phänologisches Monitoring der Stadtbäume? Angela Hof: "Für unsere Untersuchung war der untypische Sommer sogar gut, weil wir extremste Abkühlungseffekte durch die Bäume darstellen konnten. Durch die Tatsache, dass der Sommer bis lang in den Herbst hinein anhielt, hatten wir eine verzögerte Blattverfärbung. Erst im November sind die Blätter gefallen. Im Vorjahr konnten wir sehen, was durch den Klimawandel in Zukunft oft der Fall sein wird. Die Winter beginnen später und dauern länger bis ins Frühjahr, die Skisaison verschiebt sich Richtung Ostern. Die Sommer werden heißer, und es kommt vermehrt zu Starkregenereignissen. Auf all das reagieren natürlich die Bäume."

Quelle: SN

Aufgerufen am 15.10.2019 um 11:49 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburger-klima-plaedoyer-fuer-alte-grosse-baeume-67250620

Kommentare

Schlagzeilen