Chronik

Salzburger Kliniken machen Kapazitäten frei für Corona

Das Universitätsklinikum schafft eine ganze Station für Personen, die an dem neuen Virus erkrankt sind. Sorgen bereiten Lieferengpässe.

In den Spitälern gelten Besuchsverbote, ausgenommen sind palliative Patienten und Jungväter. SN/robert ratzer
In den Spitälern gelten Besuchsverbote, ausgenommen sind palliative Patienten und Jungväter.

Am Freitag wurden in Salzburg vier weitere Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Unter anderem ein eineinhalbjähriges Kind in der Stadt Salzburg, dessen Mutter am Vortag positiv getestet wurde. Somit gibt es in Salzburg bisher 24 bestätigte Fälle. Derzeit ist erst eine dieser Personen in stationärer Behandlung. Das Salzburger Universitätsklinikum stellt sich aber auf die Behandlung einer größeren Zahl von infizierten Personen ein.

So wurde nun eine ganze Station auf der I. Medizin frei gemacht. Damit stehen nun 28 Betten für diese Zwecke zur Verfügung. Das Personal, das diese Station betreut, soll auf keinen anderen Abteilungen eingesetzt werden. Das Land habe zudem einen Stufenplan erstellt, welche Stationen bei steigendem Bedarf zu räumen sind, sagt Landeshauptmann Wilfried Haslauer. "Wir sind zudem dabei, Internate der landwirtschaftlichen Berufsschulen aufzurüsten. Dort könnten wir im Notfall ein paar Hundert Betten schaffen für Personen, die unter Quarantäne sind und Betreuung brauchen."

Das Uniklinikum hat noch andere Umstellungen gemacht, um für die kommenden Wochen gerüstet zu sein. So wurden alle elektiven - also nicht dringend notwendigen - Eingriffe verschoben. Zudem wurden alle Ambulanzen mit Ausnahme der Notfallambulanzen geschlossen.

Die Landeskliniken haben auch zusätzliche personelle Kapazitäten geschaffen. 128 Schüler der Landespflegeschule werden ab Montag verschiedenen Stationen zugeteilt. Die Arbeit dort wird ihnen als sechswöchiges Praktikum angerechnet, das ohnehin zu absolvieren gewesen war. Die Schule wird geschlossen. Die 71 Schülerinnen und Schüler, die in der Vorwoche ihre Ausbildung begonnen haben, werden Teleunterricht bekommen.

Auch im Kardinal-Schwarzenberg-Klinikum in Schwarzach laufen die Vorbereitungen für den Ernstfall. "Es gibt ein mehrstufiges Konzept. Einzelne Teile könnten als Infektionsbereiche geführt werden", sagt Sprecher Florian Emminger. Das vorzeitige Ende der Skisaison - ab Montag stehen die Lifte still, ab Dienstag sind alle Nächtigungsbetriebe geschlossen - begünstigt die Vorbereitungen des Spitals, wo sonst viele verletzte Urlauber versorgt werden müssen. "Das ist natürlich ein Faktor, weil das Akutunfallgeschehen um eine Spur geringer wird."

Der Ambulanzbetrieb ist noch einmal reduziert worden. Nur akute Fälle und dringende Kontrolltermine, zum Beispiel für Dialysepatienten, sollen laut Emminger angenommen werden.

Seit Donnerstag werden nicht notwendige Eingriffe auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. "Bis auf Weiteres sind alle Planoperationen abgesagt. Darunter fallen etwa Hüftoperationen. Oberste Priorität hat, die Akutversorgung aufrechtzuerhalten", sagt Emminger. "Das ist eine notwendige Vorsichtsmaßnahme." Hintergrund ist nicht nur der Bedarf, Personal einzusparen, sondern auch Lieferengpässe bei medizinischen Materialien. Es mangle vor allem an Artikeln für sterile Eingriffe und Operationen und bei der Schutzbekleidung wie Masken und Handschuhe. Das Thema beschäftigt auch das Uniklinikum: Dort sei man bis Mitte April mit medizinischen Materialien gut ausgestattet, heißt es.

Auch im Krankenhaus Zell am See gibt es Umstellungen. Planbare Eingriffe werden zwar verschoben, man versuche aber, nicht dringende Eingriffe dennoch durchzuführen, wenn sie medizinisch notwendig sind, sagt Geschäftsführer Franz Öller. "Wir bewerten die Situation laufend neu. Wenn auch wir stationäre Patienten mit dem Coronavirus haben, wird es weitere Umstellungen geben."

Aufgerufen am 27.01.2021 um 02:00 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburger-kliniken-machen-kapazitaeten-frei-fuer-corona-84812074

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