Chronik

Salzburger Städte auf WHO-Liste: Wo dicke Luft herrscht

Die WHO hat Städte mit hoher Luftverschmutzung aufgelistet. Demnach herrscht auch in zwei Salzburger Städten dicke Luft. Ein Experte relativiert.

Salzburger Städte auf WHO-Liste: Wo dicke Luft herrscht SN/APA (Archiv/dpa)/DPA/ALEXANDER R
Messungen des VCÖ hätten gezeigt, dass an stark befahrenen Straßen in Städten die Ultra-Feinstaubbelastung ähnlich hoch sein könne wie in Raucherlokalen.

Das Ergebnis einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO schockiert: 92 Prozent aller Menschen weltweit leiden unter schlechter Luft. Sie leben an Orten, an denen die von der WHO festgelegten Grenzwerte für saubere Luft überschritten werden. Jedes Jahr würden mehr als sechs Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Besonders schlimm sei die Lage in den Städten, aber auf dem Land sei das Problem größer als allgemein angenommen.

Auf der Liste mit den Werten aus 3000 Orten weltweit finden sich 60 österreichische Städte, zwei davon liegen in Salzburg: Hallein und die Landeshauptstadt. Aufgelistet hat die WHO vor allem die Werte für den besonders gesundheitsgefährdenden Feinstaub PM2,5. Die besonders kleinen Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer können beim Einatmen bis in die Lungenbläschen gelangen und sind für die menschliche Gesundheit sehr schädlich. Die Verschmutzung der Luft mit Feinstaub erhöht die Risiken eines Schlaganfalls, von Herzkrankheiten, Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen wie Asthma. Die WHO macht die Feinstaubbelastung in der Außenluft für mehr als drei Millionen Todesfälle im Jahr verantwortlich. Aber auch verschmutzte Luft in Innenräumen kann den Angaben zufolge gefährlich sein, vor allem in armen Ländern, wo das Kochen mit Kohle üblich sei.

Feinstaubbelastung in Salzburg ist zuletzt gesunken

In Salzburg betrug laut WHO im Jahr 2013 - auf diesen Werten beruht die aktuell veröffentlichte Studie - der Jahresmittelwert für Feinstaub PM2,5 bei 16 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³). In Hallein waren es 18 µg/m³ - diesen Wert erreichen unter anderem auch Wien und Bruck an der Mur. Am höchsten ist der Wert aller österreichischen Städte in Klosterneuburg mit 20 µg/m³. Der Grenzwert, den die Weltgesundheitsorganisation in ihren Richtlinien empfiehlt, beträgt 10 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Entscheidend seien jedoch die gesetzlichen Grenzwerte von 25 µg/m³ nach dem Immissionsschutzgesetz-Luft und der EU-Richtlinie, sagt Alexander Kranabetter vom Referat Immissionsschutz beim Land Salzburg. Salzburg unterschreite die Grenzwerte deutlich. Zudem hätten sich diese in den vergangenen Jahren verbessert. Im Jahr 2015 sei der am Rudolfsplatz in Salzburg gemessene Jahresmittelwert sogar auf 13,3 µg/m³ und in Hallein auf 12,8 µg/m³ gesunken. Im Lehener Park in Salzburg betrug er demnach 11,1 µg/m³ und in Zell am See 9 µg/m³.

Partikelfilter zeigen Wirkung

Die gesunkenen Werte hätten zum einen mit den milden Wintern zu tun, aber auch mit dem Einbau von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen, sagt Kranabetter. Er kritisiert, dass die WHO den Jahresmittelwert für das Jahr 2013 in Hallein nicht direkt gemessen habe. Vielmehr habe sie den Wert auf der Grundlage des Feinstaubs PM10 berechnet. Das sei eigentlich nicht zulässig.

"Autofahrer sind in Abgaswolke unterwegs"

Laut WHO sind allein in Österreich pro Jahr 2890 Todesfälle auf die zu hohe Feinstaubbelastung zurückzuführen. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) weist darauf hin, dass der von der WHO empfohlene Grenzwert für PM2,5 in allen Bundesländern überschritten werde. In Österreich seien Verkehr, Industrie und Heizen die Hauptverursacher. Der vom Verkehr verursachte Feinstaub sei deshalb so schädlich, weil er dort ausgestoßen werde, wo die Menschen unterwegs seien oder wohnten. "Je näher wir uns beim Feinstaub-Emittenten befinden, umso mehr Feinstaubpartikel atmen wir ein. Autofahrer sind in stark befahrenen Straßen regelrecht in einer Abgaswolke unterwegs", sagt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Messungen des VCÖ hätten gezeigt, dass an stark befahrenen Straßen in Städten die Ultra-Feinstaubbelastung ähnlich hoch sein könne wie in Raucherlokalen. Vor allem Dieselfahrzeuge verursachten eine hohe Anzahl an Feinstaubpartikel, aber auch Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung. Der VCÖ fordert eine Senkung der gesetzlichen Grenzwerte.

* Zur WHO-Tabelle der einzelnen Städte

* Zur interaktiven Karte der WHO

Quelle: SN

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