Chronik

Salzburgs Autofahrern reißt der Geduldsfaden

Eine neue Baustelle dürfte die Situation in den nächsten Tagen weiter verschärfen. Enttäuschte Bürger haben konkrete Ideen gegen den Verkehrskollaps.

Salzburgs Autofahrern reißt der Geduldsfaden SN/robert ratzer
Konzept gegen den Stau? Altstadtbewohner Kurt Hüttmayr fordert ein besseres Park&Ride-Angebot.

Wer dieser Tage mit dem Auto durch die Salzburger Innenstadt fahren muss, braucht Geduld. Auch am Freitag zog es wegen des Dauerregens Tausende Urlauber in die Mozartstadt, die Routen stadteinwärts waren erneut rasch überlastet. Ab kommender Woche dürfte sich die Situation weiter verschärfen: Die Generalsanierung der Schwarzstraße startet am Dienstag - die Baustelle überschneidet sich für mehrere Wochen mit den Bauarbeiten in der Gaswerkgasse.

Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) setzt auf die neuen Pförtnerampeln samt längeren Rotphasen - und hofft, dass die Urlauber die Park-&-Ride-Angebote künftig noch stärker nutzen (die SN berichteten). Schaden nimmt dabei die Hoteliers und Tourismusbüros in die Pflicht. Sie sollen die Urlauber noch stärker auf die Park-&-Ride-Plätze hinweisen.

Heide-Lore Berger, Chefin des Gästehauses Heidi in Wals, will das nicht gelten lassen: "Wir informieren unsere Gäste und erklären ihnen sämtliche Alternativen zum Auto." Das Problem liegt für die Zimmervermieterin im unflexiblen Angebot. "Park & Ride lohnt sich erst ab mehreren Personen, die Obustickets sind für Familien mit älteren Kindern zu teuer", sagt die gebürtige Bayerin. Zudem würden die Busse am Abend und an den Wochenenden zu selten fahren.

Berger selbst nutzt die Obusse nicht und meidet in den Sommermonaten die Altstadt. Bergers Mann ist Tischler und nimmt während der Festspielzeit keine Aufträge in der Stadt an. "Die Anfahrt mit den ganzen Staus kann er den Kunden nicht adäquat verrechnen", sagt Berger.

Kurt Hüttmayr ist die Verzögerung in den Sommermonaten gewöhnt. Der 66-jährige Pensionist wohnt in der Getreidegasse. Einer kompletten Sperre der Innenstadt kann er nichts abgewinnen, aber: "Die Flaniermeile in der Griesgasse sollte man bis zum Neutor ausdehnen - dann hätten die Fußgänger mehr Raum."

Von der Stadtpolitik ist Hüttmayr enttäuscht: "Ist denn kein Politiker in der Lage, ein überdachtes Verkehrskonzept erarbeiten zu lassen?" Die Ideen des 66-Jährigen: Die Park-&-Ride-Plätze sollten im In- und Ausland beworben werden. "Man muss die Urlauber schon vorab informieren, dass es keinen Sinn hat, mit dem Auto bis zur Getreidegasse zu fahren. Und dass es ein gut funktionierendes Park-&-Ride-System gibt", sagt Hüttmayr. Die Preise sollten angepasst werden. Dem Ausbau der Mönchsberggarage blickt der Pensionist mit gemischten Gefühlen entgegen: "Es braucht unbedingt eine zweite Ausfahrt für die Garage neben dem Nadelöhr beim Neutor. Sonst wird das Chaos gleich noch viel größer."

Aus dem benachbarten Ainring zieht es den 64-jährigen Peter Albers immer wieder in die Salzburger Altstadt. Während des Sommers erledigt er seine Besorgungen entweder zeitig am Morgen oder gegen Abend: "Sonst steht man im Stau, egal ob mit dem Bus oder mit dem Auto." Die Pförtnerampeln würden die Probleme nicht lösen. "Die Politik soll den Verkehr nicht abstoppen, sondern anpacken." Albers verweist auf seine Geburtsstadt Oldenburg. Dort wurde bereits 1967 die gesamte Innenstadt zur autofreien Zone. Albers: "Erst haben die Leute protestiert. Jetzt lieben alle die belebte Fußgängerzone."

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