Chronik

Salzburgs Spitäler vernetzen die Daten der Patienten

Anfang Dezember starten die öffentlichen Spitäler Salzburgs mit der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. Erfahrungen gibt es bereits.

Salzburgs Spitäler vernetzen die Daten der Patienten Kanzleimitarbeiterin Susanne Praszta.
Die Mitarbeiter des UKH Salzburg gaben seit Mitte des Jahres 4498 Dokumente in das ELGA-System ein. Im

Derzeit sei es noch einsam im Salzburger ELGA-System. Das sagt Thomas Mück, Stellvertretender Generaldirektor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Im Juni starteten die AUVA-Spitäler Österreichs mit der Elektronischen Gesundheitsakte. Das AUVA-Unfallkrankenhaus am Äußeren Stein war somit das erste ELGA-Krankenhaus in Salzburg. "Unsere Ärzte sehen derzeit im System fast nur die Daten aus dem eigenen Spital und können deshalb das gesamte Spektrum der ELGA noch nicht nutzen", sagt Mück.

Mit dem 1. 12. 2016 soll sich das ändern. Ab diesem Datum starten die übrigen öffentlichen Krankenhäuser Salzburgs ebenfalls mit dem ELGA-System. Das Ziel der Vernetzung aller Patientendaten rückt somit einen Schritt näher. Den Anfang machen das Krankenhaus Schwarzach und jenes in Hallein. Mit dem 1. Jänner folgen dann schrittweise die übrigen öffentlichen Spitäler Salzburgs. Gleichzeitig startet am 1. 12. auch eine ELGA-Ombudsstelle, die bei der Patientenanwaltschaft angesiedelt ist.

Die Mitarbeiter des Salzburger UKH haben bisher 4498 Dokumente in das ELGA-System eingegeben. Da die AUVA in ganz Österreich Spitäler betreibt, gibt es auch schon Erfahrungswerte über die Möglichkeiten der Vernetzung der Patientendaten.

In Wien starteten die öffentlichen Spitäler schon Ende 2015, dort sind bereits viel mehr vernetzte Daten vorhanden. Bei einem Besuch im UKH Meidling hat Thomas Mück die Vorteile des Systems gesehen. "Der Gesundheitszustand einer älteren Patientin hat sich dort plötzlich verschlechtert. Auf einen Blick konnten die Ärzte ihre gesamte medizinische Vorgeschichte sehen und so sofort die richtigen Maßnahmen setzen."

Bisher haben sich in Österreich 253.000 Personen von ELGA abgemeldet. Der Großteil der Personen machte dies bereits im Jahr 2014, als das System noch nicht umgesetzt war. Patienten können sich aber auch in einzelnen Situationen von ELGA abmelden. Im UKH Salzburg sei dies bisher erst zehn Mal vorgekommen, sagt Mück.

Die niedergelassenen Ärzte werden nach den Spitälern schrittweise an ELGA angeschlossen. Salzburg wird dabei das letzte Bundesland sein, in dem die Patientendaten der niedergelassenen Ärzte vernetzt werden, sagt Christoph Fürthauer, Kuriensprecher der Salzburger Ärztekammer. Das soll im Mai 2018 so weit sein. "Wir wissen derzeit noch gar nicht, was auf uns zukommt", sagt Fürthauer.

Er habe schon aus anderen Bundesländern erste Berichte bekommen, die die Bedenken der Ärzte nicht ausräumen konnten. So sei eine Befürchtung, dass die Vielzahl an vorhandenen Patientendaten für die Ärzte schwer zu bewältigen sei. "Ich habe von einem Spitalsarzt gehört, dass er sich bei einem Routineeingriff durch acht Seiten Patientenakten durchdienen musste. In der Fülle an Daten kann man leicht etwas Relevantes übersehen."

Zudem hätten die Datenleitungen in den Ordinationen dem Vernehmen nach zu geringe Bandbreiten. "Das Herunterladen eines Berichtes dauert bis zu fünf Minuten." So müsste man die Berichte bereits herunterladen, sobald der Patient die E-Card gesteckt hat. "Und wenn ich den Bericht angefordert habe, kann dadurch für mich als Arzt eine Haftung entstehen."

Prinzipiell sei die Vernetzung etwas Positives, so bringe es bei Urlaubsvertretungen viele Vorteile. Auch für den Patienten sei es etwas Gutes, Einsicht in seine Akten zu haben. "Die Erfahrung zeigt aber auch, dass manche Patienten von Befunden grundlos verunsichert werden."

Die vielen Vorbehalte gegen die Vernetzung der Daten kennt auch Thomas Mück. Diese hätten sich in den Gebieten, wo ELGA bereits gestartet ist, aber rasch zerstreut. "Die Mehrarbeit für die Ärzte hält sich in Grenzen. Und das System ist aus heutigem Stand sicher."

Daten & Fakten: Elektronische Gesundheitsakte ELGA

Seit Dezember 2015 ist in den ersten Spitälern Österreichs die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) im Betrieb. Ziel war es, PAtienten und Gesundheitsdienstanbietern einen Zeit- und ortsunabhängigen Zugang zu Gesundheitsdaten zu ermöglichen.

Die Hoheit über die Daten hat prinzipiell der Patient selbst. Er kann sich auch von der ELGA abmelden oder bestimmen, dass einzelne Behandölungen nicht in die Akte aufgenommen werde. Über ein Online-System können die PAtienten auch jederzeit auf die Daten zugreifen. Dabei wird auch angezeigt, wer noch aller Einsicht in die Daten hatte.

Damit Ärzte auf die ELGA zugreifen können, muss der Patient die E-Card stecken oder seine Versicherungsnummer bekannt geben. Keinen ELGA-Zugang haben Gutachter, Betriebs- und Schulärzte sowie Chefärzte der Sozialversicherungen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.11.2018 um 09:24 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/salzburgs-spitaeler-vernetzen-die-daten-der-patienten-872437

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