Chronik

Schnalzer ließen es ordentlich krachen

Zum 64. Mal fand am Wochenende das Rupertigauschnalzen statt. Nicht nur gestandene Mannsbilder, auch immer mehr Frauen und Kinder lassen die Peitschen knallen. Der Sieg ging so wie in den vergangenen 13 Jahren auch dieses Mal wieder an eine Passe aus Salzburg.

Elisabeth hängt zusammengerollt an einem Zaunpfosten und wartet auf ihren Einsatz.

Ihr Besitzer wirft einen Blick auf sie, streicht über das Hanfseil, das mit einem Stück Bast abschließt, und wendet sich dann seinen Kollegen zu, um letzte Details vor dem großen Auftritt abzusprechen.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass die Goaßl auch einen Namen bekämen, sagen die Mannen der Schnalzerpasse aus Ainring. Schließlich hege und pflege man das Gerät das ganze Jahr über, um dann beim jährlichen Rupertigauschnalzen eine richtig gute Leistung zu bringen. Ohne gutes Gerät gehe das nicht.

Am Wochenende ging im bayerischen Feldkirchen bei Ainring das 64. Rupertigau-Preisschnalzen über die Bühne. 138 Schnalzerpasse aus dem Flachgau und dem Rupertiwinkel waren am Sonntag in der Allgemeinen Klasse am Start.

Großer Favorit einmal mehr: die Schnalzer aus dem Flachgau. Haben sie doch in den vergangenen 13 Jahren ausnahmslos den Sieg geholt. Favorit im Rupertiwinkel war die Passe Ainring 6.

Als Außenseiter ging die Passe Eham mit "Aufdraherin" Veronika Reiter-Hiebl in den Bewerb. Die Freilassingerin gibt als Erste in der neunköpfigen Gruppe das Tempo vor und startet das Schnalzen mit einem "Aufdrahd. Oane, zwoa, drei, dahin geht's". Jede Passe schnalzt in zwei Durchgängen.

Das Schnalzen ist für Reiter-Hiebl eine große Leidenschaft. Aufgewachsen in einer Schnalzerfamilie betreibt sie diesen Brauch von Kindheit an. "Ich glaube, ich war fünf, als ich meine erste Goaßl bekommen habe." Seither werde in der Schnalzersaison ein Mal pro Woche trainiert.

"Bewertung wie beim Skispringen"

Überhaupt seien Frauen beim Schnalzen auf dem Vormarsch, sagt Gerhard Kern, Festleiter und Obmann der Feldkirchner Schnalzer. "Ich weiß jetzt nicht, wie hoch der Frauenanteil genau ist, aber es werden von Jahr zu Jahr mehr." Auch bei Kindern erfreue sich das Schnalzen immer größerer Beliebtheit. Was in diesem Jahr dazu führte, dass das Rupertigau-Schnalzen zum ersten Mal an zwei Tagen ausgetragen wurde. Da insgesamt 221 Passen gemeldet hatten - 138 in der Allgemeinen Klasse und 83 im Nachwuchsbereich - hätten unmöglich alle an einem Tag antreten können (siehe Kasten).

Am Sonntag wurde bei Prachtwetter auf der Wiese neben der Sporthalle beim Erlebnisbad Ainring rund dreieinhalb Stunden lang geschnalzt. In ihrer hölzernen Kabine saßen die sieben Jurymitglieder, die dem Bewerb nur hörend und auf gar keinen Fall sehend beiwohnen dürfen. Rudi Roider vom der Schnalzervereinigung erklärt, wie die Bewertung vor sich geht: "Die Bewertung funktioniert so wie beim Skispringen. Die beste und die schlechteste Wertung fallen raus." Bewertet werde vor allem der Takt. Jene Gruppe, die den lautesten Knall und den besten Takt halten kann, gewinnt." Insider sprechen dabei von einem "Radl", das die Knallgeräusche der Goaßl erzeugen. "Dieses Radl, also dieses gleichmäßige Schnalzen, darf auf keinen Fall abreißen. Sonst ist das ganz schlecht", erklärt Roider.

Siezenheim vor Ainring

Das Ergebnis im Detail: Siezenheim III setzte sich mit 190 Punkten durch und verwies damit den bayerischen Favoriten, die Passe Ainring VI, auf den zweiten Platz mit 187,5 Punkten. Der dritte Platz ging an Gois IV mit 186,5 Punkten.

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.09.2018 um 03:42 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schnalzer-liessen-es-ordentlich-krachen-358720

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