Chronik

Schneechaos in Salzburg: 41.000 Bewohner in ihren Orten von der Außenwelt abgeschnitten

Vor der für die Wochenmitte prognostizierten Entspannung der Wetterlage spitzte sich die Situation am Montag erneut zu: Seit Montagabend sind auch das Großarltal, das Glemmtal und Tweng von der Außenwelt abgeschnitten. In Faistenau starb ein 47-Jähriger unter einer Dachlawine.

Die Liste der eingeschneiten Orte im Bundesland Salzburg ist am Montagabend länger geworden: 11 sind nicht mehr auf dem Straßenweg erreichbar: Unken, Lofer, St. Martin, Weißbach, Obertauern und Tweng, Großarl und Hüttschlag, Viehhofen, Saalbach-Hinterglemm und Rauris.

Zu den bereits von der Außenwelt abgeschnittenen Orten Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach sowie Rauris und Obertauern kamen am Montagabend um 18 Uhr wegen Lawinengefahr und daraus folgenden Straßensperren die Gemeinde Tweng und das Großarltal dazu. Die Großarler Landesstraße L 109 wurde zwischen Tiefblick und Neuer Wacht gesperrt. Um 19 Uhr folgte die Sperre des Glemmtals (L 111 ab der Abzweigung Maishofen beim Sägewerk Neumayr. Insgesamt sind damit 41.000 Bewohner in ihren Orten nicht mehr auf dem Straßenweg erreichbar. Die Touristen sind in dieser Rechnung nicht miteingezählt.

Hubschrauber-Landeplätze wurden laut Landeskorrespondenz in diesen Gemeinden eingerichtet, um im Notfall Personen ein- oder ausfliegen zu können.

Infos zur aktuellen Verkehrssituation finden Sie hier.

Totalsperre der Tauernautobahn am Montagabend

Wegen Schneeglätte wurde die A 10 am Montagabend um 17 Uhr zwischen der Einhausung Flachau und Zederhaus gesperrt. Wie bereits am Morgen waren Lkw hängen geblieben. Weiters gesperrt ist auch der Katschbergtunnel in Fahrtrichtung Norden bei Rennweg (Kärnten). Die Asfinag rechnet mit einer mehrere Stunden andauernden Straßensperre. Aktuelle Informationen auf der Seite der Asfinag.

Wegen einer Lawinensprengung war die Tauernautobahn bei Flachauwinkl am Montag von 13 bis 14 Uhr bereits in beiden Fahrtrichtungen gesperrt.

Auch Bahnstrecken waren wegen der Lawinengefahr nicht passierbar, zwischen Golling und Werfen sowie zwischen Saalfelden und St. Johann in Tirol und zwischen Stainach-Irdning und Bischofshofen.

Tragisches Unglück beim Dachabschöpfen in Faistenau

In der Flachgauer Gemeinde Faistenau sind am Montagvormittag vier Arbeiter mit einer Dachlawine sechs Meter abgestürzt. Laut Polizei waren die Handwerker damit beschäftigt, Schnee vom Dach eines Einfamilienhauses zu räumen. Ein 47-Jähriger wurde vollkommen verschüttet. Reanimationsversuche waren vergeblich, der Mann starb. Ein 26-Jähriger und ein 28-Jähriger wurden verletzt und ins Unfallkrankenhaus nach Salzburg gebracht. Ein 38-Jähriger überstand den Absturz unverletzt.

Zeugen und Anrainer hatten sofort nach den Verschütteten zu graben begonnen. Das Rote Kreuz war mit einem Notarzthubschrauber und einem Notarztwagen vor Ort. Auch die Freiwillige Feuerwehr Faistenau rückte an. "Wir waren bereits mit zwei Fahrzeugen im Ortsgebiet unterwegs wegen umgestürzter Bäume", sagte Einsatzleiter Helmut Schöpp. 20 Mann waren im Einsatz.

Die Männer dürften während der Arbeiten nicht gesichert gewesen sein. Die Polizei ermittelt derzeit den Unfallhergang.

In Obertauern erreichte Staublawine Seekarhaus

Schrecksekunden für zwei Urlauber aus Graz: Ein Fensterflügel ihres Hotelzimmers im Skigebiet Obertauern wurde durch den Druck einer Staublawine aufgedrückt. Schnee drang in das Zimmer ein. Verletzt wurde bei dem Vorfall lauf Polizei aber niemand.

Die Lawine ist laut Alexandra Krings vom Hotel Seekarhaus in der Nacht auf Montag gegen zwei Uhr früh über einen seit mehreren Tagen gesperrten Steilhang auf der Rückseite ihres Hotels abgegangen. Der Schnee blieb auf dem ebenen Pistenbereich hinter dem Gebäude liegen. Durch den Druck der Lawine öffnete sich einer der beiden Fensterflügel. Bei den Fenstern handle es sich um spezielle Fenster, die einen von der Behörde vorgeschriebenen Druck aushalten müssen. Die Polizei wurde am Montagvormittag von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Schneizlreuth: Lawine ging auf B 305 ab

Bei den bayerischen Nachbarn in Schneizlreuth ging am späten Sonntagabend eine Lawine auf die B 305 ab. Zwei Lawinenhunde suchten die Schneemassen ab. Die Bergwacht sondierte mit Sonden. Wenig später stand fest: Beim Lawinenabgang im benachbarten Bayern zwischen Weißbach an der Alpenstraße und Zwing bei Inzell waren keine Menschen zu Schaden gekommen. Die B 305 sollte am Montagnachmittag wieder befahrbar sein.

Video: Am Dienstag Entspannung der Situation

Sturmböen mit bis zu 160 km/h auf der Rudolfshütte, 118 km/h in Obertauern und 80 km/h am Flughafen Salzburg: Die Nacht auf Montag verlief in Salzburg stürmisch. Mehrere Lawinen gingen ab. Wo es anfangs regnete, begann es im Laufe des Tages zu schneien. Am meisten Niederschlag fiel im Pinzgau und Tennengau, also in jenen Regionen, die schon jetzt besonders unter der Schneelast leiden. Die Lawinengefahr bleibt hoch, von Touren in freiem Gelände raten die Experten dringend ab, ebenso von Fahrten neben der gesicherten Piste. Am Dienstagnachmittag soll der Schneefall abklingen.

32 Schulen haben zu Wochenbeginn ganz geschlossen. Vier Salzburger Schulen haben am Montag Notbetrieb, drei haben keinen Unterricht, bieten aber Betreuung an.

Extremwetter fordert Einsatzkräfte

Im Flachgau ist in der Nacht auf Montag etwa in Seekirchen ein Carport eingestürzt; mehrere Keller mussten aufgrund des Starkregens ausgepumpt werden. Zahlreiche Windwürfe sind nun zu befürchten. Mit Schneelast kann ein Baum bereits bei Böen mit 40 oder 50 km/h umstürzen.

In der Stadt Salzburg bleiben alle öffentlichen Grünanlagen, Stadtwälder, Parks und Friedhöfe wegen des Schneedrucks auf den Bäumen aus Sicherheitsgründen bis auf Widerruf gesperrt. Es besteht die Gefahr von herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen. Auf einigen Friedhöfen haben bereits Äste dem Druck nachgegeben und sind herabgefallen.

Spontane Lawinenabgänge jederzeit möglich

Aufgrund der Niederschläge ist die Gefahr von Lawinen nach wie vor sehr groß. Spontane, große Abgänge sind jederzeit möglich. Es herrscht Lawinenwarnstufe 5 in den Hohen Tauern und in den übrigen Gebieten Stufe 4. Das berichtet das Land Salzburg am Montag in einer Aussendung.

Nach wie vor 150 Haushalte in Salzburg ohne Strom

Am Montagfrüh waren in Salzburg 230 Haushalte ohne Stromversorgung. Gegen 16.30 Uhr war es den Technikern der Salzburg Netz GmbH (Salzburg AG) gelungen, diese Zahl auf 150 zu senken. Betroffen waren nach Auskunft der Salzburg AG folgende Gebiete: Im Tennengau (St. Koloman, Adnet-Formau, Bad Vigaun, Rengerberg sowie Teile von Annaberg-Lungötz), im Pinzgau (Leogang mit Schwarzleo, Viehhofen mit Hecherhütte und Raggensteinalm), im Pongau (Mühlbach-Elmau, Schwemmberg Rohrmoos und Rossbrand, Oberzauchensee und Schwarzwandbahn sowie Teile von Eben und Filzmoos) sowie im Flachgau (Hintersee-Anzenberg).

Quelle: SN

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