Chronik

Schneechaos: Schaden in Salzburg noch nicht abschätzbar

Alle hochrangigen Straßen in Salzburg sind wieder frei. Noch sind 80 Personen durch die Schneemassen von der Außenwelt abgeschlossen. Am Donnerstag sollen alle Schulen wieder öffnen. Der Ruf nach einer Entschädigung für den Einsatz der freiwilligen Helfer wird lauter.

„Wir haben die Situation sehr gut bewältigt.“ Das sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz. Er bedankte sich dabei bei allen Einsatzkräften für „den intensiven Einsatz in diesen intensiven 14 Tagen“.  SN/LMZ/Neumayr
„Wir haben die Situation sehr gut bewältigt.“ Das sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz. Er bedankte sich dabei bei allen Einsatzkräften für „den intensiven Einsatz in diesen intensiven 14 Tagen“.


Nach knapp zwei Wochen intensiver Schneefälle hat sich die Lage in Salzburg beruhigt. Markus Kurcz, der Leiter des Einsatzstabes des Landes: "Nach dem Wetter verbessert sich nun auch Stunde für Stunde die Lawinensituation." In den kommenden Tagen sollen Aufräum- und Reparaturarbeiten im Vordergrund stehen.

Eine Lawine traf die Garage eines Bauernhauses im Pinzgau

Eine Lawine hat am Mittwochvormittag im Wildental bei St. Martin bei Lofer die Garage eines Bauernhauses getroffen und beschädigt. Wegen der akuten Gefahr wurden zwei Bewohner des Bauernhauses vom Team eines Polizeihubschraubers evakuiert. Auch die Bergrettung war an dem Einsatz beteiligt. Laut Polizei wurde niemand verletzt. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht bekannt.

Noch immer sind zehn Haushalte in Salzburg ohne Strom

Vor allem die Salzburg AG wird damit beschäftigt sein, beschädigte Stromleitungen wiederherzustellen. Dazu kommen wichtige Arbeiten im Wald, an den Straßen und an Gebäuden. Am Mittwochnachmittag waren im Bundesland noch 126 Personen im Pongau, Pinzgau und im Lungau von der Außenwelt abgeschlossen und zehn Haushalte ohne Strom. Im Bahnverkehr gab es zwar noch Streckensperren, alle hochrangigen Straßen waren jedoch wieder offen. Auch alle Schulen sollen morgen, Donnerstag, wieder in den Normalbetrieb übergehen. Im Laufe des Donnerstags soll dann auch der Einsatzstab des Landes seine Arbeit einstellen.

"Wir hatten die Lage im Land gut im Griff"

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP): "Abgesehen von den drei bedauerlichen Todesfällen im Land konnte die herausfordernde Situation gut bewältigt werden. Wir hatten die Lage im Land gut im Griff." In keiner Phase habe Katastrophenalarm ausgelöst werden müssen. "Das Ereignis hat auch gezeigt, wie wichtig es ist, die Einsatzkräfte zu bündeln sowie professionell zu koordinieren und zu kommunizieren."

Sorgen vor einem Hochwasser im Juni oder Juli

Bis alle Schäden begutachtet und aufgearbeitet sind, dürfte es noch Monate dauern. Denn Schäden an Bauwerken im Hochgebirge - etwa an unbewohnten Hütten - würden sich erst später zeigen. Landeshauptmann Haslauer bereiten auch das späte Frühjahr und der Frühsommer Sorgen. "Im Juni und Juli droht bei Schneeschmelze und Regenfällen Hochwasser. Hier müssen wir uns vorbereiten."

Schutzwälder in Lawinenstrichen in Mitleidenschaft gezogen

Wie hoch der Schaden in der Forstwirtschaft ist, blieb zunächst unklar. Landesforstdirektor Michael Mitter: "Bisher war noch keine flächendeckende Begutachtung möglich." Erste Teilbereiche, die er im Zuge einer Befliegung habe einsehen können, würden aber Optimismus versprechen. "Die ersten beiden Wellen haben zwar vor allem in niedrigen Höhen für Probleme im Wald gesorgt. Während der dritten Welle Schneefall ist Anfang der Woche die Temperatur in der Nacht aber unerwartet gestiegen. Dadurch fror der Schnee nicht an den Bäumen an, sondern rutschte ab und entlastete das Holz." Ganz sicher in Mitleidenschaft gezogen worden sein dürften laut Mitter aber viele Schutzwälder in Lawinenstrichen.

Feuerwehrkommandant Winter fordert Entschädigung für Helfer

Landesfeuerwehrkommandant Leo Winter fordert für jene Tausende Freiwilligen Helfer, die beim Schneechaos fast zwei Wochen lang im Einsatz waren und dafür von ihren jeweiligen Arbeitgebern freibekamen, vom Bund eine Entschädigung. "Mir platzt schön langsam der Kragen, dass wir keine Möglichkeit finden, vom Bund eine Entschädigung zu bekommen, wenn ein Arbeitgeber einen Helfer von der Arbeit freistellt - egal, ob das nun die Feuerwehr ist oder zum Beispiel auch die Bergrettung", sagte Winter zum ORF Salzburg. "Wenn das nicht rasch gelingt, dann gefährdet man für die Zukunft das Freiwilligen-System."

Landeshauptmann Haslauer hat Verständnis für den Vorstoß

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) steht dieser Idee durchaus positiv gegenüber. "Ich denke, dass sie im Zuge der Steuerreform eingebracht werden kann. Da sollten nach genau definierten Kriterien Tagsätze abgeschrieben werden können. Das wäre immerhin eine Geste gegenüber den Unternehmern, die ihre Mitarbeiter für Hilfseinsätze freistellen."

Das Land soll die Kosten für Urlaubstage übernehmen

FSG-Landesvorsitzender LAbg. Gerald Forcher: "Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte opfern Urlaubstage für Aus- und Weiterbildungen und für mehrtägige Einsätze wie es in den letzten Wochen der Fall war. Daher unterstützen wir die Forderung von Landesfeuerwehrkommandant Leo Winter, dass der Bund die Firmen entschädigen soll, welche die ehrenamtlichen Helfer von Einsatzorganisationen für die Dauer des Einsatzes von der Arbeit freistellen." Aber auch das Land Salzburg müsse seine Verantwortung wahrnehmen. "Es soll künftig die Kosten für anfallende Urlaubstage für ehrenamtliche Blaulichtorganisationen übernehmen. Wer sich für die Gesellschaft engagiert, soll in Einsätzen und Fortbildungen keine Urlaube verwenden müssen."

Quelle: SN

Mehr zum Thema

Aufgerufen am 18.02.2019 um 03:05 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schneechaos-schaden-in-salzburg-noch-nicht-abschaetzbar-64174699

Kommentare

Schlagzeilen