Chronik

Schon 100 Taxler haben aufgegeben

Die Taxibranche steckt in einer Krise - und das aus mehrerlei Gründen.

Die Salzburger Taxiunternehmer Sabine Pollhammer und Peter Randorf bangen um ihre Branche.  SN/sw/wenger
Die Salzburger Taxiunternehmer Sabine Pollhammer und Peter Randorf bangen um ihre Branche. 

Salzburgs Taxiunternehmer sind im Aufruhr. Ihre Standesvertretungen kündigen bundesweite Proteste an. Es geht um mehrere unheilvolle Entwicklungen.

Durch Corona ist das Geschäft auf 20 bis 30 Prozent der üblichen Umsätze eingebrochen. In der Stadt Salzburg sind bereits um gut 100 Taxis weniger unterwegs, bestätigt Innungsobmann Erwin Leitner. In Leitners Mietwagenunternehmen sind von ursprünglich 80 Mitarbeitern nur noch 26 beschäftigt.

"Türkische Kollegen mit mehreren Wagen haben Fahrzeuge stillgelegt. Andere sind auf Bus- oder Paketfahrer umgestiegen", weiß die freiheitliche WK-Funktionärin und selbstständige Taxlerin Sabine Pollhammer. Ihr Kollege Peter Randorf von der Freien Wirtschaftsliste berichtet, wie lähmend der Geschäftsgang während des Lockdowns ist. "Ich bin vorige Woche drei Stunden am Makartplatz gestanden und habe keine einzige Fahrt gemacht."

Und es droht weiteres Ungemach. Am 4. Dezember soll im Parlament das Gelegenheitsverkehrsgesetz geändert, dabei das Taxi- und Mietwagengewerbe vereinheitlicht werden. Eine "völlig überraschende" Abänderung durch Verkehrsministerin Leonore Gewessler löste vorige Woche jedoch massive Unruhe aus. Demnach sollen für physisch beauftragte Taxis (Einsteigen am Standplatz, an der Straße) der vom Land festgelegte Taxitarif und das Taxameter gelten; bei allen "über Kommunikationsdienste" (App, Internet, Telefon) bestellten Fahrten legt der Online-Anbieter den Preis fest. Diese Internet-Unternehmen aus den USA, der Ukraine und Kroatien stehen wegen ihrer Geschäftspraktiken in der Kritik. "Die machen Dumpingpreise, bringen Fahrer aus Rumänien, Bulgarien oder Griechenland nach Wien und Salzburg, wo sie 800 Euro verdienen und in Containern schlafen", weiß Leitner. Dies sei der Todesstoß für klassisch arbeitende Taxifahrer. Einziger Lichtblick: Der Fixkostenzuschuss 2 der Regierung (für Leasingraten, Funkgebühren etc.) kann nunmehr beantragt werden.

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