Chronik

Schulstart in Salzburg: Fast die Hälfte geht aufs Gymnasium

Wer gute Noten hat will auf die AHS. Gerade in der Stadt Salzburg geht jeder, der kann aufs Gymnasium. An den Mittelschulen gingen die Schülerzahlen in zehn Jahren um 20 Prozent zurück.

Auch wenn die Schule von Barbara Tassatti ein zusätzliches Stockwerk bekommt: Recht viel mehr Schüler wird das Musische Gymnasium in der Stadt Salzburg auch nach dem Umbau nicht aufnehmen können. Ab dieser Woche werden dort 930 junge Menschen die Schulbank drücken.

Damit ist das "Musische" das größte Gymnasium Salzburgs. Wenn im Jahr 2019 das zusätzliche Stockwerk fertiggestellt ist, werde man vielleicht auf 1000 Schüler aufstocken können. "Aber eine zusätzliche Klasse werden wir nicht haben", sagt Direktorin Tassatti.

128 Schüler werden heuer dort die erste Klasse besuchen. 300 Bewerber gab es. Auch die anderen Gymnasien Salzburgs haben mehr Bewerber, als es Platz in den ersten Klassen gibt: Salzburgs zweitgrößte allgemeinbildende höhere Schule (AHS), das Christian-Doppler-Gymnasium, hatte 146 Bewerber für 96 Plätze in den ersten Klassen.

Das Privatgymnasium Liefering hatte für seine 120 Plätze 240 Bewerber.

Der Zuwachs bei den Gymnasien geht einher mit einem Schwund der Schüler in den Neuen Mittelschulen.

In den vergangenen zehn Jahren ging die Zahl der Schüler dort von 17.800 auf 14.200 zurück: Das sind knapp 20 Prozent weniger. Im Gegensatz dazu werden heuer 13.200 Schüler in Salzburg in eine AHS gehen.

Die Zahl der Schüler an Gymnasien stieg in Salzburg in zehn Jahren um 3,6 Prozent. Und das, obwohl in diesem Zeitraum die Zahl aller Schüler von 80.000 auf knapp 73.000 zurückging. In der Stadt Salzburg gehen mittlerweile 60 Prozent der Schüler ins Gymnasium.

Vor allem in der Stadtbevölkerung sei ein geringeres Ansehen der Mittelschulen vorhanden, sagt Roland Bieber, Leiter der Präsidialabteilung des Landesschulrats Salzburg.

Zu Unrecht. "Die Mittelschulen sind keine Restschulen. Vielmehr gibt es dort einen stärkeren pädagogischen Fokus."

Man dürfe nicht sagen: Die guten Schüler gehören ins Gymnasium, die schlechten in die Mittelschule. "Das ist vielmehr eine Persönlichkeitsfrage. Die AHS fordern mehr Selbstorganisation. In den Mittelschulen wird man durch die zwei Lehrer in den Hauptfächern besser betreut."

Die Mittelschulen würden sich laufend verbessern, es liege aber auch an den Eltern, für die Qualität der Mittelschulen etwas zu tun. "Oft übernehmen die Lehrer Erziehungstätigkeiten. Da leidet natürlich der Unterricht."

Fakt sei, dass der Großteil der Eltern seine Kinder möglichst ins Gymnasium schicken will. Das sagt Thomas Schiendorfer. Er ist Direktor der neuen Mittelschule in Nonntal. Seine Schule hat entgegen dem Trend deutlich mehr Bewerber als Plätze in den ersten Klassen. Rund 130 Bewerbungsgespräche habe er heuer geführt. 50 Schüler nahm er auf.

Als er die Schule vor zehn Jahren übernahm, habe es auch hier weniger Bewerber als Plätze gegeben. Jetzt spielten ihm attraktive Schwerpunkte in die Hände, sagt Schiendorfer.

Seine Schüler lernen bereits ab der zweiten Klasse eine zweite Fremdsprache. Zudem sei der neue Schwerpunkt für Ökologie sehr beliebt. "Dazu kommt, dass man so eine Schule nicht ohne entsprechendes Auftreten und Disziplin führen kann", sagt der Direktor.

Allerdings ist er sich der günstigen Situation bewusst, überhaupt eine Auswahl treffen zu können. Andere Mittelschulen der Stadt Salzburg hätten diese Wahl nicht. "Jedes Jahr treffen sich die elf Direktoren der Mittelschulen der Stadt Salzburg. Dann werden jene Schüler, die nicht in ihren Wunschschulen genommen wurden, auf jene Schulen verteilt, die noch freie Plätze haben." Dadurch ergebe sich automatisch eine ungünstige Mischung in einzelnen Schulen.

Auch wenn die Direktoren betonen, dass die Noten nur einen Teil der Aufnahmekriterien einer Wunschschule ausmachen. Klar ist: Wer in der Volksschule nicht die besten Noten hat, für den wird es schwer, ins Gymnasium zu kommen.

Der Druck auf die Volksschullehrer, lauter Einser zu vergeben, sei deshalb groß, bestätigen Barbara Tassatti und Thomas Schiendorfer. "Ein Einser ist nicht gleich ein Einser. Die Aussagekraft der Noten unterscheidet sich von Lehrer zu Lehrer", sagt Schiendorfer.

Das sei auch für manche Gymnasien ungünstig, in denen dann in der Oberstufe die Schüler wegbrächen, weil sie die Leistung nicht mehr bringen könnten.

Viele Schulen machen deshalb mehr, als nur die Noten zu kontrollieren: Im Musischen Gymnasium gibt es ohnehin seit Jahren ein dreitägiges Aufnahmeverfahren. Im Christian-Doppler-Gymnasium gibt es für die Sportklassen ebenfalls ein solches. Mit den anderen Schülern erstellt die Schule einen Stärkenkompass: So könne der Schüler besser beurteilt werden, im Falle einer Absage bekommen die Bewerber Empfehlungen für andere Schulen.

Auch Thomas Schiendorfer legt in seiner Mittelschule besonderen Wert auf ein Aufnahmegespräch.

Und für jene Eltern, die ihren Sprössling nicht in der Wunschschule untergebracht haben, hat er noch Worte des Trostes: "Eltern machen zu viel Druck. Sie sollen sich überlegen, in welcher Situation ihr Kind mit 25 Jahren sein wird. Wie relevant ist dann noch die Wahl der Schule?"

Quelle: SN

Mehr zum Thema

Aufgerufen am 16.12.2018 um 09:04 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schulstart-in-salzburg-fast-die-haelfte-geht-aufs-gymnasium-17294641

Schlagzeilen