Chronik

Schulterschluss: Touristiker und Bauern warnen vor dem Wolf

Gerissene Schafe und eine versprengte Mutterkuhherde versetzen sie in Aufregung. Sie sind sich sicher, dass der Wolf dafür die Ursache ist, auch wenn endgültige Beweise (noch) fehlen.

Das erste der neuen Warnschilder wurde in Hinterthal beim Pirchlgut montiert. V. l.: Christine Scharfetter (Hochkönig Tourismus), die Landwirte Hermann Marchner und Christian Rainer sowie BBK-Obmann Klaus Vitzthum.  SN/sw/Andreas Rachersberger
Das erste der neuen Warnschilder wurde in Hinterthal beim Pirchlgut montiert. V. l.: Christine Scharfetter (Hochkönig Tourismus), die Landwirte Hermann Marchner und Christian Rainer sowie BBK-Obmann Klaus Vitzthum.

"Wir befürchten, dass der Wolf die Mutterkühe auf den Weiden in Panik versetzt und dass es dadurch vermehrt zu Kuhattacken gegenüber Wanderern kommt", sagt Franz Bauer, Leiter des Tourismusverbandes Maria Alm. Vor einigen Wochen sei eine Kuhherde in wilder Aufregung über die Weiden gehetzt. Für Bauer ein Alarmzeichen: "Für den Tourismus ist es nicht ideal, wenn der Wolf durchzieht oder sich sogar hier niederlässt." Touristiker, Bauern und die Gemeinde seien sich einig, dass etwas getan werden müsse. Als erste Maßnahme werden jetzt Tafeln aufgestellt, die auf den Wolf und von ihm ausgehende mögliche Gefahren hinweisen. "Es wird erklärt, dass es sich um ein Wolfsgebiet handelt, und Wanderer werden gewarnt, dass sich Weidetiere eventuell aggressiv verhalten."

Melchambauer Christian Rainer bewirtschaftet unter anderem Flächen in Hinterthal, am Aberg und auf der Sonnseite des Steinernen Meeres. Er spricht von drei Wolfssichtungen in den letzten zwei Jahren, zuletzt habe er aus verlässlichen Quellen auch von einer beim Saalfeldener Trebesinerweg gehört. "Der Wolf ist bei uns. Wenn nicht sogar mehrere." Deshalb sei die Idee bzw. "Notwendigkeit" entstanden, die Öffentlichkeit zu informieren: "Es geht nicht darum, Furcht zu erregen, sondern aufmerksam zu machen. Eine ehrliche Information über ein Problem, dessen sich viele noch nicht bewusst sind."

Klaus Vitzthum, Obmann der Bezirksbauernkammer, freut sich über den "Schulterschluss von Bauern, Tourismusverband und Gemeinde. Wir wollen das Problem aufzeigen, das weit über gerissene Schafe hinausgeht. Es geht um unsere Kulturlandschaft und die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Kein Bauer, viele sind das nur im Nebenerwerb, tut sich diese Arbeit ewig an. Und es wird durch den Wolf vermehrt zu Kuhattacken kommen. Wir hatten erst vor zwei, drei Wochen eine Herde Mutterkühe, die auf sieben Kilometern versprengt wurde. Die Tiere waren völlig verstört. Das war zur selben Zeit, als in Maria Alm ein Schaf gerissen wurde, und jetzt wurde wieder ein Lamperl gerissen." Mit Anschuldigungen müsse man vorsichtig sein - " aber wir gehen davon aus, dass es der Wolf war. Ich verstehe die Almbauern, die nicht mehr auftreiben wollen."

Mit den Tafeln wird darauf hingewiesen, dass es für Wanderer gefährlich werden kann, wenn sie sich Kuhherden nähern. Besonders, wenn sie einen Hund dabei haben. Vitzthum: "Verschreckte Mutterkühe können nicht zwischen Hund und Wolf unterscheiden." Vorerst wurden 50 Schilder bestellt. "In unserem Ort kann sich jeder interessierte Grundbesitzer melden", sagt Rainer. Vitzthum kann sich gut vorstellen, die Aktion auf den gesamten Pinzgau auszudehnen, "wenn nicht sogar landesweit".

Rainer betont, dass der Wolf schlicht keinen Platz in der Region habe. "Das kann niemand verantworten, auch kein Tierschützer. Der Preis, der aufs Spiel gesetzt wird, ist zu hoch." Christine Scharfetter, Geschäftsführerin von Hochkönig Tourismus, hebt den Aspekt der Sicherheit hervor: "Für den Gast ist der natürliche Lebensraum entscheidend, der möchte auf die Almen, das soll dementsprechend sicher sein." Sie empfiehlt, auf den Wegen zu bleiben und nicht quer durchs Gelände zu rennen.

Gemeinsam wurde auch ein Brief an die Behörden und das Land Salzburg verfasst, der die Sorgen schildert.

Aufgerufen am 15.08.2018 um 02:27 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schulterschluss-touristiker-und-bauern-warnen-vor-dem-wolf-28937050

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