Chronik

Schwebender Kastanienbaum im Kinderdorf

Zum Firmenjubiläum schenkte Josef Radauer dem SOS-Kinderdorf eine Baumübersiedlung. Die 35 Jahre alte Kastanie schmückt nun das Dorfzentrum.

Michael Schweighofer, Josef Radauer und Kinderdorfleiter Wolfgang Arming vor dem Baum an seinem neuen Standort (v. l.). SN/sw/sos kinderdorf
Michael Schweighofer, Josef Radauer und Kinderdorfleiter Wolfgang Arming vor dem Baum an seinem neuen Standort (v. l.).

Ein 130-Tonnen-Kran musste vergangene Woche ganze Arbeit leisten. Bei der Übersiedlung eines 15 Meter hohen Kastanienbaums im SOS-Kinderdorf Seekirchen waren aber nicht nur Kran und Kranführer gefordert, sondern viele helfende Hände und Maschinen waren nötig, um den rund 35 Jahre alten Baum samt Wurzelballen gut 100 Meter weiter wieder einzupflanzen.

Neue Kinderwohngruppe für sieben Kinder zwischen vier und neun

"Der Baum musste einem Anbau aus Holz an ein Familienhaus weichen. Wir richten eine neue Kinderwohngruppe für sieben Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren ein", berichtet SOS-Kinderdorfleiter Wolfgang Arming. Die Motorsäge sollte aber nicht das Schicksal des Kastanienbaums sein, der ein Wahrzeichen des Kinderdorfs ist. Denn schon bei der Gründung 1964 stand eine große Kastanie am selben Ort. "Baumspezialist Josef Radauer hat die Idee aufgegriffen und uns die Baumübersiedlung zu seinem 50-Jahre-Firmenjubiläum geschenkt", so Arming. Keine leichte Aufgabe, denn die Kastanie wiegt samt Wurzelballen rund 43 Tonnen. "Baumversetzungen dieser Größenordnung kenne ich in Österreich bisher nicht.

So etwas wird in Deutschland und den USA gemacht. Wir wollten es aber trotzdem probieren", so Josef Radauer, dessen Baumpflege-Unternehmen am Gaisberg zu Hause ist und bereits in dritter Generation geführt wird. "Entscheidend ist, dass sich der Baum überhaupt dafür eignet. Die Kastanie im Kinderdorf ist sehr gesund. Ich habe dann noch weitere Enthusiasten gefunden, die bei dem Projekt für einen guten Zweck mithelfen."

"Ein Baum dieser Größe produziert drei Tonnen Sauerstoff pro Jahr"

Die Kosten für die Baumübersiedlung würden sich im Normalfall auf über 40.000 Euro belaufen. Es zahle sich aber aus, den Baum zu übersiedeln. "Ein Baum dieser Größe produziert drei Tonnen reinen Sauerstoff pro Jahr", so Radauer.

Zwei Tage lang wurde der Baum auf seinen Umzug vorbereitet. In Handarbeit wurde der Wurzelballen freigelegt und mit Stahlrohren unterfasst, um den Baum mit dem Kran anheben zu können und auf einen Tieflader zu stellen. Künftig wird die Kastanie die neue Begegnungsstätte im Dorfzentrum beschatten und weiterhin Sauerstoff für mindestens zehn Erwachsene oder 20 Kinder produzieren.

Auch den Kindern und Jugendlichen ist die Umwelt und das Klima wichtig

SOS-Kinderdorfleiter Wolfgang Arming: "Im Zuge der Dorferneuerung wollen wir Asphaltflächen reduzieren. Ein Parkplatz muss auf dem Weg zum autofreien Dorf weichen. Wir wollen Grün statt Asphalt." Auch den Kindern und Jugendlichen seien Umwelt und Klima sehr wichtig. Eine Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung im Auftrag von SOS-Kinderdorf zeigt, dass sich 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen Sorgen um den Planeten machen. 80 Prozent finden, dass Politik und Wirtschaft den Klima- und Umweltschutz nicht ernst genug nehmen. "Die Rettung der Kastanie ist deshalb ein nachhaltiges Geschenk mit ganz besonderem Symbolcharakter", sagt Arming.

Aufgerufen am 02.12.2020 um 11:25 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/schwebender-kastanienbaum-im-kinderdorf-95257885

Kommentare

Schlagzeilen