Chronik

Sein Herz schlägt für Erni & Co.

Sie heißen Erni, Das Tier und Bert: Mit seinen "Kurzschnauzern" muss Karl Vogl jeden Tag raus. Der Neumarkter hat sein ganzes Herzblut in die Restaurierung seiner Traktor-Oldtimer gesteckt.

Ein Hai in einer Garage? Das gibt es in Neumarkt am Wallersee: genauer gesagt in der alten Lkw-Garage des Landmaschinen-Mechanikers Karl Vogl. Der 52-jährige Neumarkter ist sehr kreativ, ein riesiges Stück Schwemmholz wartet nur darauf, von ihm zu einem Tisch gefertigt zu werden. Hingucker freilich ist neben dem ausgestopften Raubfisch der olivgrüne Steyr T 180 mit kurzer Schnauze, somit ein sogenannter "Kurzschnauzer". Eigentlich ist es ja eine Sie, denn sie heißt Erni. Die alte Dame hat "Charly" Vogl vor sechs Jahren aus Bad Radkersburg geholt, total zerlegt, in drei Monaten rundum erneuert. "Auch mit ihr fahre ich fast täglich", sagt Vogl. "Mit dem Traktor kennt mich hier jeder", fügt er hinzu.

"Das Tier" renovierte Karl Vogl für seinen kranken Vater

Nicht immer jedoch sitzt er im Sattel von Erni. Lieber ist ihm "Das Tier", benannt nach dem wuscheligen Schlagzeuger in der Muppet Show. Karl Vogl erstand den Traktor mit der kurzen Schnauze 2016 in Tulln. "Ich habe ihn für meinen kranken Vater restauriert, doch leider ist er ein, zwei Tage vor der Fertigstellung des Gefährts verstorben. Er hat ihn nicht mehr gesehen."

Auch deshalb ist ihm "Das Tier" am meisten ans Herz gewachsen. Dritter Traktor im Bunde ist Bert, den er jedoch aufgrund eines Motorschadens verkaufte. "Binnen zwei Tagen auf ,willhaben' war er weg."

Nicht immer war die Liebe zu den Landmaschinen so groß, denn nach Beendigung der Ausbildung zum Landmaschinen-Mechaniker rief ihn der Tenniscourt. "Ich war fast 25 Jahre Tennislehrer beim UTC Bergheim." Dort hat er über die Jahre ein paar Tausend Kinder gelehrt, wie sie den Schläger in die Hand nehmen und am besten einsetzen. Als sein Vater 2016 verstarb, kam er in den Betrieb, den sein Urgroßvater Alois Vogl gegründet hatte, zurück. Danach arbeitete er in einer Spedition in Neumarkt, ist nun auf der Suche nach einem Teilzeitjob.

Vom Tenniscourt in die Werkstatt

Mit seinem Vater verband ihn auch die Liebe zu den Porsche-Sportwagen. Vier an der Zahl nannten sie ihr Eigen, fuhren auch bei Rennen mit. Ein ganz besonderes Stück steht nun noch in der Vogl'schen Garage - neben dem Steyr-"Tier". Das ist eine "totale Rarität, ein Carrera 993, der letzte luftgekühlte Porsche", sagt Karl Vogl. Natürlich muss auch dieser in Bewegung bleiben wie sein "Kollege", das "Tier", in selbiger Unterkunft. An seiner Schnauze haftet eine Sonnenblume, die so viel bedeutet, dass der altehrwürdige Traktor aus dem Burgenland kommt.

"Der geht gut", lobt ihn sein Besitzer, nicht umsonst möchte er - so die Veranstaltung stattfindet - mit ihm bei der Traktoren-Oldtimer-WM im Herbst auf der Großglockner Hochalpenstraße mitfahren. Mit seinem 50-km/h-Getriebe hätte der "alte Herr" jedenfalls gute Chancen auf einen Platz weit vorne.

Ist der Neumarkter nicht kreativ in Garage oder Werkstatt tätig, dann zieht es den Naturmenschen an den See oder in den Bach. Richtig gehört. Vogl nimmt jeden Tag - egal ob im Sommer oder Winter - in der Früh und am Abend ein Bad im kühlen Starzenbach, der direkt an seinem Garten vorbeifließt. "Zurzeit hat er 16 Grad, im Winter hat er oft nur ein, zwei Grad, und wenn sich Eis gebildet hat, zerschlage ich es mit dem Hammer." Nicht ohne Grund spricht er bereits von einer Sucht, denn "ohne Bach geht's nimma".

Das Wasser lässt den Krebsgeborenen nicht los

Das Wasser lässt den Krebsgeborenen auch hobbymäßig nicht los. Neben dem Sportfischen am Wallersee ist es im Winter das Eissegeln, im Sommer das Segeln. Die Kufen für den Eissegelschlitten fertigt der kreative Tausendsassa selbst, erreichte bei Bewerben - er war 15 Jahre lang vorn mit dabei - 2011 den österreichischen Meistertitel, 2012 den Vizemeister und 2014 wurde er Dritter bei der ÖM.

Auch im Sommer-Segelsport ist er kein Unbekannter, für den Österreichischen Segelverband startet er im Oktober am Wallersee bei den österreichischen Meisterschaften im A-cat. Dann bleibt noch das Fischen, wo er auch für Schlagzeilen sorgte, als er im Mai drei Karpfen mit 18, 22 und 26 kg aus dem Wallersee holte. "Nach dem Foto kriegen alle wieder ihre Freiheit", sagt er. Nicht so der Blauhai eines Freundes, der auf seinen Einsatz wartet. Der ist noch geheim.

Aufgerufen am 01.10.2020 um 10:37 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/sein-herz-schlaegt-fuer-erni-co-92322913

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