Chronik

Seine Welt sind die Skisprungschanzen nah und fern

Der Höhenflug von Robert Krautgartner begann als Vorspringer auf der Paul-Außerleitner-Schanze. Nun ist er für die FIS in der Nordischen Kombination für Schanzen und Loipen verantwortlich.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er bei der Schanze in Bischofshofen. Schon mit sieben Jahren ist Robert Krautgartner aber von privaten Schanzen gesprungen. Geschwindigkeit und das Gefühl der Freiheit ließen ihn höher und höher springen, bis er sich mit elf beim Aufsprung den Oberarm gebrochen hat. "Ich springe nie mehr auf selbst gebauten Schanzen", hat er sich damals gesagt.

So bot sich alsbald die 40-Meter-Schanze in Bischofshofen an, die es schon lange nicht mehr gibt. "Das Skispringen ist ein gewaltiges Gefühl", sagt der Bischofshofener. "Je größer die Anlage, umso schöner die Freiheit."

Vorspringer bei Bewerben

Als Vorspringer bei Skisprungbewerben ging es alsbald auf 75- und 140-Meter-Schanzen. Zwischen 1985 und 1991 war er Vorspringer beim Dreikönigsspringen. "Für eine Karriere als aktiver Skispringer habe ich zu spät begonnen", sagt der 53-Jährige. In den 1990er-Jahren ist er auf die Nordische Kombination - also auf Langlauf, Skifahren und Skispringen - "aufgesprungen". 1988 wurde er Bundesmeister in der Nordischen Kombination in Saalfelden.

Ende der 1990er-Jahre hat er als aktiver Teilnehmer der "Nordischen" aufgehört. Auf die ÖSV-Kampfrichterprüfung, die er 1990 abschloss, wurde er neun Jahre später auch ÖSV-Sprungrichter; 2006 folgte die FIS-Sprungrichterprüfung, ein Jahr danach wurde er Technischer Delegierter des internationalen Skiverbandes FIS.

Damit kletterte er die Karriereleiter weiter nach oben, "erst im untersten Cup". Bald aber hat er sich hinaufgearbeitet bis zum Weltcup, zur Zeit ist er auf WM-Level tätig und nominiert für die nächste WM in Planica. Die WM in Oberstdorf 2019/20 war seine erste als Technischer Delegierter. "Das Größte für mich wäre Olympia", sagt er. Sein Ehrenamt, das bei Wind und Wetter über die Bühne geht, erfordert "gute Nerven, kühlen Kopf, mit dem Ziel, dass die Bewerbe unfallfrei verlaufen". Dazu muss er ein "Organisationstalent sein, diplomatisch und mit großem Verantwortungsbewusstsein".

Organisationstalent mit einem Gespür für Wind und Wetter

In seiner Heimat Bischofshofen wurde er im November 2010 Rennleiter vom Skiclub. "Auch da war ich für die Präparierung der Schanze verantwortlich." Die heimatliche Schanze ist "gut vom Wind geschützt". Die meiste Zeit seines Lebens hat er hier verbracht. "Ohne Bischofshofen hätte ich es nie auf Weltcuplevel geschafft", sagt der ÖBB-Zugbegleiter. Kommt er mit dem Zug "nur" bis Deutschland und Italien, so peilt er als Technischer Delegierter der FIS alle Schanzen dieser Welt an, wie in Finnland, Norwegen, Japan oder Amerika. Hier heißt es oft, "nächtelang Schnee zu schupfen, um die Schanzen frei zu bekommen".

Durchgehend ist der Familienvater im Winter nicht zuhause; in der heurigen Saison 2021/22 stehen acht Einsätze von je einer Woche an. Mitte November begann die Saison in Kuusamo/Ruka, es folgen Oslo und Lillehammer. In der Nordischen Kombination der FIS sind etwa 80 Technische Delegierte beschäftigt. Ihr aller größte Herausforderung ist das Wetter. Der Sicherheitsaspekt steht an vorderster Stelle. Erst nachdem Robert Krautgartner, sein Assistent und der Rennleiter die Schanze freigeben, wird gesprungen. Davor steht eine Menge Arbeit, um Schanzen und Loipen "vorne bis hinten" durchzumessen, zu präparieren. "Wenn die Schanze sicher ist und der erste Athlet gut unten landet, dann ist das eine Wohltat für uns alle."

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