Chronik

Selbstfahrender Bus bahnt sich seinen Weg durch Salzburg

Am Mittwoch schütteln Passanten zwischen Domplatz und Franziskanergasse ihre Köpfe und wundern sich: Ein Minibus ohne Fahrer ist unterwegs.

Er bremst abrupt, wenn ein Radfahrer ihn zu knapp überholt. Er sucht sich seinen Weg zwischen Lieferwagen und Lkw, die ihre Waren am Morgen in die Salzburger Altstadt bringen. Mit etwa acht Kilometern pro Stunde befördert er bis zu 15 Passagiere: der selbstfahrende Minibus, der zum ersten Mal in Österreich unterwegs ist.

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Technik an Bord des Busses

Den selbstfahrenden Bus für die Strecke in der Innenstadt zu programmieren hat gut eine Woche gedauert. "Wir müssen oft auf Ampeln oder Poller achten und den Weg genau berechnen", erklärt Frédéric Sartou von der französischen Herstellerfirma des "Minibus Navya Arma". Die Technik ist mit an Bord: Seine Informationen bekommt der Bus etwa durch Sensoren, die Lichtpunkte in mehrere Richtungen schicken. "Der Bus sieht sie Umwelt wie in 3D und erkennt, was sich bewegt", sagt Sartou.

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Vorwärts und rückwärts, der Akku hält

Zwischen dem Salzburger Domplatz und dem Ende der Franziskanergasse war der Bus Mittwoch früh in Schrittgeschwindigkeit unterwegs. 45 km/h schafft er auf seine 1,8 Tonnen Gewicht maximal. In ihm gibt es 15 Plätze, elf zum Sitzen und vier zum Stehen. Das Gefährt kann nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts fahren - ohne umzudrehen. Angetrieben wird der Bus durch einen Elektromotor. Nach sechs Stunden ist der Akku voll geladen. Das reicht für zehn bis dreizehn Stunden Fahrt.

Sollte die Stadt Salzburg sich für die Anschaffung eines solchen Minibusses interessieren: 250.000 Euro würde er kosten. Zum Vergleich: Ein Obus (mit wesentlich mehr Plätzen) schlägt mit rund 800.000 Euro zu Buche.

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Selbstfahrender Bus als Öffi der Zukunft?

Einen genauen Blick auf den selbstfahrenden Bus hat auch der Salzburger Verkehrslandesrat Hans Mayr geworfen. "Er wird nicht alle Probleme lösen", sagte er, als er nach seiner Probefahrt ausstieg. Ein Impuls könne er dennoch sein.

Am Mittwoch starten die 14. Verkehrstage in Salzburg; sie sind ein Mitgrund, warum der Bus durch die Mozartstadt fährt. Grundgedanke: Weil viele Menschen den Weg zwischen Öffi-Haltestelle und Zuhause nur ungern zu Fuß zurücklegen, steigen sie nach wie vor lieber ins Auto um. Der Selbstfahrer könnte diese Lücke schließen und den öffentlichen Verkehr beliebter machen.

Den Minibus samt Testgenehmigung hat Salzburg Research nach Österreich geholt.

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