Chronik

Seniorenheime sind entscheidend im Kampf gegen das Coronavirus

Primar Richard Greil ist überzeugt, dass in Pflege- und Behindertenheimen mit einer zweiten Erkrankungswelle zu rechnen sein wird.  SN/Robert Ratzer
Primar Richard Greil ist überzeugt, dass in Pflege- und Behindertenheimen mit einer zweiten Erkrankungswelle zu rechnen sein wird.

49 Mitarbeiter und Bewohner von Seniorenheimen sind nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Diese hohe Zahl hat Landesregierung und Einsatzstab alarmiert. Ein neues Meldesystem soll ab Dienstag ein rascheres Reagieren ermöglichen. Bis dahin konnten neue Fälle in einer sensiblen Einrichtung wie einem der 75 Salzburger Seniorenheime nicht automatisch ebendort verortet werden. Unverändert bleibt, dass nur in Ausnahmefällen das gesamte Personal sowie alle Bewohner durchgetestet werden.

Dabei sind Seniorenheime entscheidend für die Erkrankungs- und Todesrate, wie Primar Richard Greil, Leiter des Covid-Krisenstabs der Salzburger Landeskliniken, betont. "In Belgien sind in den vergangenen 24 Stunden 140 Menschen gestorben, ein Großteil davon war zuvor in einem Pflegeheim untergebracht." Greil ist überzeugt, dass in Pflege- und Behindertenheimen mit einer zweiten Erkrankungswelle zu rechnen sein wird. Deshalb sollen zwei temporäre Einrichtungen in Salzburg geschaffen werden: eine für den Norden, eine für den Süden. Dorthin sollen Erkrankte aus Heimen transferiert werden.
Kritik an der Vorgehensweise des Landes kommt von Salzburgs Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ). Sie vermisst einheitliche Vorgaben, wie bei Erkrankungen in Seniorenwohnheimen vorgegangen werden soll. "Das Einzige, was ich von der Sozialabteilung des Landes in der vergangenen Woche bekommen habe, war eine Beschwerde über ein städtisches Seniorenwohnheim, weil dort angeblich ein Handlauf fehlt. Der Aufsichtsbesuch fand vergangenen Sommer statt."

So wie Fritz Kralik und Georg Djundja, SPÖ-Bürgermeister von Bürmoos und Oberndorf, fordert Hagenauer seit Langem flächendeckende Tests von Seniorenheimmitarbeitern. Lobenswert sei immerhin, dass das Schutzmaterial mittlerweile zentral koordiniert werde, sagt sie. "Aber wenn wir darauf gewartet hätten, würden wir immer noch mit leeren Händen dastehen."

Weniger Tests und weniger Infizierte

21 zusätzliche Neuinfektionen seit Sonntagmittag gebracht hat der Montag. Damit stieg die Zahl der im Bundesland Salzburg nachweislich Infizierten auf 1104 Personen. 794 davon befinden sich in Salzburg. Gleichzeitig stieg die Zahl der Genesenen um 63 auf 294 Personen. 95 sind in stationärer Behandlung, 16 davon auf einer Intensivstation. 16 Menschen sind in Salzburg bisher verstorben.

Mit dieser Entwicklung hat sich das tägliche Wachstum der mit dem Coronavirus Infizierten auf 1,3 Prozent eingebremst. Die Verdoppelungsdauer beträgt 46 Tage. Zu bedenken ist dabei, dass auch die Zahl der durchgeführten Tests am Wochenende - am Samstag waren es 68, am Sonntag 89 - deutlich unter den sonst üblichen 500 liegen.

Mit aktuell 331 Infizierten liegt der Pongau im Spitzenfeld. Dahinter folgen der Pinzgau (179), der Flachgau (136), die Landeshauptstadt (83), der Tennengau (48) und der Lungau (17).

Für mehr als 2900 Salzbuger gelten Absonderungsbescheide oder Verkehrsbeschränkungen.

Aufgerufen am 28.11.2020 um 08:34 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/seniorenheime-sind-entscheidend-im-kampf-gegen-das-coronavirus-85904062

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