Chronik

Sexismusvorwurf gegen Ortschef von St. Gilgen erhoben

Hat der Bürgermeister eine Kellnerin sexistisch angepöbelt? Er bestreitet den Vorfall nicht, aber die Wortwahl.

Mit schweren Vorwürfen sieht sich Otto Kloiber, ÖVP-Bürgermeister von St. Gilgen, konfrontiert: Er soll an einem Septemberabend in einem Gasthaus eine Kellnerin mit einem sexistischen Ausspruch attackiert haben.

In einem Schreiben an Gemeinderatsmitglieder, Parteien und Medien machte am Mittwoch eine St. Gilgenerin auf einen Vorfall am Abend des 4. September in dem Gasthaus im Ortszentrum von St. Gilgen aufmerksam. Demnach soll dort Bürgermeister Otto Kloiber mit einer 23-jährigen Kellnerin aus Strobl in Streit geraten sein, in dem er sie mit der Aussage "Ich picke dir einen Tausender aufs Hirn und dann . . ." attackiert haben soll.

Welche Worte der Bürgermeister dem "dann" folgen ließ, davon gibt es zwei Versionen. Die Kellnerin spricht von einem eindeutig sexuellen, derben Verb. Der Bürgermeister sagt, er habe den Satz mit "dann gehörst mir" fortgesetzt.

Den Vorfall selbst stellt Kloiber nicht in Abrede: "Ja, es stimmt. Ich war an diesem Abend nach dem Patroziniumsfest an dieser Bar. Es hat sich eine heftige Diskussion entwickelt, in der mir unterstellt worden ist, ich hätte noch eine Rechnung in einem anderen Lokal offen. Eine Behauptung, die einfach nicht stimmt. Es gibt noch andere, die Kloiber heißen. Aber mein Fehler war, dass ich mich provozieren und mich zu einer unüberlegten Aussage habe verleiten lassen. Ja, ich habe gesagt, dass ich ihr einen Tausender aufs Hirn picke, und sie mir dann gehöre."

Die Darstellung der betroffenen 23-jährigen Kellnerin Julia Stecher aus Strobl lautet hingegen so: "Der Bürgermeister hat mich an diesem Abend blöd angesprochen. Ich bin mir als Frau richtig billig vorgekommen. Von einer Anzeige habe ich abgesehen, denn so etwas bringt ja nichts. Wenn er sich bei mir entschuldigen will, nehme ich dies gern an. Aber als Bürgermeister gehört es sich nicht, so aufzutreten. Ich kann ihn eigentlich nicht ernst nehmen."

Die Auseinandersetzung an jenem Abend ebbte nach Darstellung des Wirts und anderer Lokalgäste wieder ab, der Bürgermeister verließ das Lokal. "Ich bin eine Stunde später zurück und habe mich beim Wirt entschuldigt. Die betroffene Kellnerin war aber nicht mehr da", sagt Kloiber, der am folgenden Tag mit seiner Familie in den Urlaub gefahren ist.

Für den Bürgermeister kommt ein Rücktritt nicht infrage. Der Vorfall sei im privaten Umfeld passiert. Dass er an diesem Abend alkoholisiert gewesen sei, wolle er gar nicht bestreiten. Die ganze Angelegenheit tue ihm aufrichtig leid. Über diesen Vorfall sei zwar tagelang im Ort gesprochen worden, dass aber nun nach zwei Monaten die Sache auf diese Weise an die Öffentlichkeit gebracht worden sei, verwundere ihn.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Sache am Mittwoch durch einen Brief bekannt, den eine Frau aus St. Gilgen an den Bürgermeister, aber auch an Medien und Persönlichkeiten aus der Politik geschrieben hat. Darin stellt sie dem Bürgermeister mehrere Fragen zu dem Vorfall - unter anderem, ob es der Wahrheit entspreche, dass er eine Frau mit sexuellen Handlungen bedroht habe. Kloiber sieht darin eine Intrige. Die Briefschreiberin habe sich in der Vergangenheit wiederholt unwirsch gegen die Gemeinde geäußert. "Hier will man mir ans Zeug flicken und mich fertigmachen", sagt Otto Kloiber.

In der ÖVP-Landespartei ist man um Beruhigung bemüht. Parteigeschäftsführer Wolfgang Mayer sagt: "Otto Kloiber bedauert, dass es so einen Vorfall gegeben hat. Das gehört sich nicht - das weiß er auch, und das glauben wir ihm. Kloiber wird sich noch persönlich bei der Dame entschuldigen." Damit sei die Sache hoffentlich erledigt.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 04:44 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/sexismusvorwurf-gegen-ortschef-von-st-gilgen-erhoben-922225

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