Chronik

Sie hauchen alten Geräten neues Leben ein

Anlässlich "5 Jahre Repair Café" erzählen Reparateure, warum sie das ehrenamtlich tun.

Fachsimpeln vorm Uralt-Radio: Aus der Runde, v. l.: Otto Lorenz, Othmar Kohlweg, Margret Haberl und Christoph Oberauer, mit Ursula Sargant-Riener (2. v. r.) sind Freunde geworden.  
Fachsimpeln vorm Uralt-Radio: Aus der Runde, v. l.: Otto Lorenz, Othmar Kohlweg, Margret Haberl und Christoph Oberauer, mit Ursula Sargant-Riener (2. v. r.) sind Freunde geworden.  

Eine Niederländerin hatte 2009 die Idee. Vier Jahre später, 2013, organisierte die Stadt Salzburg als erste Stadt Österreichs ein Repair Café. "Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer legte mir einen Spiegel-Artikel auf den Tisch und erklärte: Das sollten wir auch machen", erinnert sich Ursula Sargant-Riener, Koordinatorin der städtischen Bewohnerservice-Stellen. Auf die Entwicklung dieses "Babys" hat man anlässlich des fünften Geburtstags jeden Grund stolz zu sein: Vier Mal jährlich findet mittlerweile das mobile Repair Café statt - jeweils einen Samstagnachmittag lang in immer einem anderen Stadtteil. 2600 Besucher fanden seit Beginn den Weg, rund 4000 reparaturbedürftige Gegenstände wurden vorgelegt. Am 23. Juni (12 bis 16 Uhr) begeht das Repair Café mit seinem 20. Auftritt im Bewohnerservice Süd (Hans-Webersdorfer-Straße 27) ein kleines Jubiläum. "Unsere Erfolgsquote liegt bei 60 Prozent", sagt der 78-jährige Otto Lorenz. Er gehört zu den rund 40 aktiven Reparateuren und nimmt sich vorwiegend kaputte Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Mixer, Wasserkocher oder Kaffeemaschinen zur Brust. Eine Trefferquote von 100 Prozent habe seine Kollegin, schmunzelt Lorenz und deutet auf Hobbyschneiderin Margret Haberl. Sie bessert gemeinsam mit vier Gleichgesinnten Textilien aus, stopft Löcher, näht Hosenbünde enger, kürzt Röcke - teils auf Nähmaschinen, die sie von zu Hause mitbringen.

Eine Win-win-Situation
für alle Beteiligten

Warum tut man das alles - ehrenamtlich? "Weil wir andere glücklich machen und das auf uns zurückfällt", sagt Lorenz. Haberl nickt. Eine Win-win-Situation. Herauszuhören ist: Es geht auch den meisten Besuchern weniger um das Geld, das sie sich durch die Reparaturen ersparen, als um den menschlichen Faktor, die Kommunikation.

Und auch zwischen ihnen habe sich ein Band entwickelt, sagt Reparateur Othmar Kohlweg: In der Zwischenzeit gehe man sogar ein Mal jährlich gemeinsam wandern. Für den pensionierten Betriebswirt zählt zusätzlich die Nachhaltigkeit. "Wir wollen das Bewusstsein schaffen, dass nicht alles sofort weggeworfen werden muss." Bringen können die Leute, was sie tragen können. Wer mag, gibt eine Spende in eine Büchse. Mit dem Geld wird Werkzeug angekauft und Kuchen für das nächste Mal besorgt. An die 1000 Euro bleiben trotzdem jährlich übrig, mit dem das Team soziale Projekte oder Flüchtlinge in den eigenen Reihen unterstützt.

Rund 100 bis 130 Besucher verzeichnet ein Repair Café im Schnitt. "So viele wie beim ersten Mal sind es nie mehr geworden", sagt Sargant-Riener und erinnert sich: "Wir haben vor der Stadtbibliothek im Freien unter dem Flugdach begonnen. 250 Leute kamen, bei sechs Reparateuren. Wir wurden überrollt." Man habe dann alle Wünsche aufgeschrieben und drei Repair Cafés lang gebraucht, um alles abzuarbeiten.

Wohl bedingt durch den Erfolg hat die Initiative seit nunmehr drei Jahren im Bewohnerservice Lehen (Strubergasse 27) eine fixe Heimat bekommen. Zählt man die zweimonatlichen Treffen in diesen Räumen mit, wurden in Summe bereits über 50 Reparaturnachmittage abgehalten.

Der selbstständige IT-Techniker Christoph Oberauer (40) kümmert sich vor allem um elektronische Geräte wie Bildschirme, Radios, Laptops oder Smartphones. Vom Repair Café erfuhr er über Mundpropaganda: "Ich bin hin gegangen, um es mir anzuschauen. Kurz darauf saß ich schon am Tisch und reparierte."

Aufgerufen am 19.06.2018 um 12:13 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hauchen-alten-geraeten-neues-leben-ein-29143909

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