Chronik

Sie lehrt die Schnitzer das Fürchten

Lisa Hirschbichler nimmt es mit einer Männerdomäne auf. Aus Angst wurde Leidenschaft - jetzt verdient sie ihr Geld damit.

In ihrer Werkstatt steckt das Grauen in jeder Ecke. Mittendrin steht eine Frohnatur. "Eigentlich teile ich keine Eigenschaften mit den finsteren Gesellen", sagt Lisa Hirschbichler und lacht. Die 26-Jährige nennt sich und ihr Unternehmen "Schwoatnhex". Sie schnitzt, was das Zeug hält.

In Berührung kam sie damit erst vor dreieinhalb Jahren. Ihr Freund Erwin Herzog, mit "Ras Art" selbst Holzschnitz- und Motorsägen-Künstler, stellte die Weichen. "Ich hatte davor hin und wieder gemalt, speziell mit Acryl, aber mit Schnitzen hatte ich nichts am Hut." Herzog glaubte an ihr anatomisches Gespür, sagte, sie solle sich mal an einer Krampusmaske versuchen. Wenig später belegte sie einen einwöchigen Maskenschnitzkurs in Kärnten, das Handwerk ließ sie nicht mehr los.

Vorerst betrieb es die gelernte Masseurin, die zuletzt als Fitnesstrainerin arbeitete, nebenbei. Seit Juli schnitzt sie hauptberuflich. "Die Aufträge sind immer mehr geworden. Da dachte ich mir: Ganz oder gar nicht."

Reichlich Motivation tankte sie beim Holzsymposium in Saalbach. Unter zahlreichen Holzkünstlern aus Österreich, Bayern und Südtirol wurde Hirschbichler mit ihrem vor Ort geschaffenen indianischen "Medizinmann" zur Siegerin erkoren. Das Thema lautete "Gesund mit Holz", die Teilnehmer konnten das nach Lust und Laune interpretieren. "Ich habe mich voll gefreut. Es war ein Antrieb, noch mehr Energie reinzustecken."

Als Künstlerin liebt sie vor allem ausdrucksstarke Masken, weniger die schreienden, zähnezeigenden Motive. Ein böser, grimmiger Blick, den die Gesichtszüge formen, sei wunderbar. Eigentlich habe sie selbst ja immer Angst gehabt vor den Krampussen, sich vor Schlägen gefürchtet. Nun, in der Mischung aus Kunst und Brauchtum, sei es genau ihr Fall. "Man hat einen viereckigen Holzblock. Die Figur steckt schon drin. Es gilt nur zu wissen, was weggehört."

Das Bild eines von ihr ausgedachten Krampusses verfolgt sie oft im Kopf - "es ist nur schade, dass man das nicht ausdrucken kann". So bleibt ihr nichts anderes übrig, als eine Skizze anzufertigen. "Diese liefert Anhaltspunkte, dann bekommt die Maske den individuellen Touch."

Inzwischen hat Hirschbichler über 100 Krampusmasken angefertigt. Aber längst nicht alles, was die Saalfeldenerin macht, schaut finster drein. Sie produziert zum Beispiel Tierköpfe, etwa von Schaf, Hirsch oder Steinbock. In Zusammenarbeit mit ihrem Freund auch individuelle ausgefallen Unikate, Skulpturen aller Art, hölzerne Logos, Geschenktafeln und vieles mehr.

Wenn sie nicht gerade Masken schnitzt? "Ich gehe gerne Bogenschießen und liebe die Akrobatik, Pole Dance und Aerial Hoop." Ein Zirkus-Gen schlummert in ihr. Die Manege bleibt aber die Werkstatt.

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