Chronik

Skifahren in Zeiten von Corona: Tourengehen boomt so stark wie noch nie

In Obertauern nutzten am Wochenende hunderte Tourenskigeher das Wetter aus, um erste Schwünge im Schnee zu ziehen. Der Ansturm soll kein Einzelfall bleiben: Der Bergsporthandel und die Naturfreunde erwarten heuer besonders viele Tourengeher in den Bergen.

Wie und ob die Skisaison in Österreich im Corona-Winter stattfinden wird, ist derzeit noch ungewiss. Viele Österreicher weichen deshalb vom Skifahren auf das Tourengehen aus. Der Bergsporthandel meldet, dass mehr Skitourenausrüstung denn je verkauft wurde.

Die Naturfreunde Österreich gehen davon aus, dass es im heurigen Winter zu einem deutlichen Anstieg an Skitourengehern kommen wird. "Viele Alpinskifahrer sehen im Skitourenbereich gerade in diesem Pandemie-Winter eine ideale Möglichkeit, sich mit dem nötigen Abstand in der freien Natur zu bewegen", heißt es in einer Aussendung.

Sportmediziner betont die gesundheitlichen Vorteile des Skitourengehens

Josef Niebauer, Leiter des Instituts für Sportmedizin am Uniklinikum Salzburg begrüßt aus medizinischer Sicht das Tourengehen. Er könnte gut Nachvollziehen, dass es viele Salzburger am Wochenende in die Berge trieb, um die Sonne oberhalb der Wolkendecke zu genießen. "Es gibt nichts Schöneres", sagt der Sportmediziner.

Josef Niebauer ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin. SN/andreas kolarik
Josef Niebauer ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin.

Der Kalorienverbrauch eines 70 Kilogramm schweren Mannes liege beim Alpinskifahren bei 450 Kilokalorien pro Fahrstunde. "Beim Tourengehen verbrennt der Körper freilich noch mehr Kalorien", sagt Niebauer. Tourengehen wirkt sich zudem positiv auf den Kreislauf, die Muskulatur und die Koordination des Körpers aus. "Freilich sollten sich aber auch Tourengeher an die Regelungen der Regierung halten."

Eine Ansteckungsgefahr sieht der Sportmediziner beim Tourengehen nicht, "solange ausreichend Abstand gehalten wird, sowohl auf dem Skigebiet als auch auf dem Parkplatz."

Nicht alle SN-Leserinnen und Leser zeigen für Tourengeher Verständnis

Bei den SN-Leserinnen und Leser geht die Meinung auseinander. Auf Facebook kommentierten über 100 User unter dem Artikel zum Ansturm der Tourengeher in Obertauern. Eine der Userin schrieb am Montag: "Und dann soll sich noch einer wundern, warum wir österreichweit die höchsten Inzidenzzahlen habe." Ein anderer schreibt am Dienstag: "Auf den Parkplätzen alles voll, die Gastro zu, Polizei fährt uninteressiert vorbei! Wenn sich einer verletzt haben die im Spital wieder Arbeit."

Die meisten User jedoch sehen keine Probleme, wenn Tourengeher derzeit in die Berge ausströmen. "Tourengehen ist eine Möglichkeit, den Skisport in der Natur praktisch gefahrlos auszuüben", schreibt ein Mann. "Ich war gestern dabei. Super war es, in der Stadt Nebel in Obertauern blauer Himmel und Sonne. Die Leute waren alle glücklich fröhlich und freundlich", kommentiert ein anderer.

Sollen die Skigebiete vor Weihnachten geöffnet werden?

Derzeit läuft auf www.sn.at eine Umfrage zur Öffnung der Skilifte vor Weihnachten. SN-Leser können abstimmen, ob sie dafür oder dagegen sind. Bisher halten 72,2 Prozent das Ansteckungsrisiko beim Skifahren für gering und befürworten die Öffnung der Skigebiete. 27,8 Prozent stimmten bis Dienstagnachmittag gegen eine Öffnung, da sie das Risiko auch dort für zu groß halten. Bisher haben 1126 Personen an der Umfrage teilgenommen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.01.2021 um 05:41 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/skifahren-in-zeiten-von-corona-tourengehen-boomt-so-stark-wie-noch-nie-96412360

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