Chronik

Skifahrer und Snowboarder treiben Wildtiere in den Tod

Sie haben Lust auf unberührten Tiefschnee, fahren in die Wälder, scheuchen das Wild auf und gefährden damit deren Leben. Ein Jäger schreit nun auf.

Verzweifelt versuchte das Tier, das rettende Ufer zu erreichen. Ohne die Hilfe von Jägern hätte es das nicht geschafft.   Christoph Burgstaller
Verzweifelt versuchte das Tier, das rettende Ufer zu erreichen. Ohne die Hilfe von Jägern hätte es das nicht geschafft.  

Max Kamolz ist aufgebracht: "Der eigene Spaß wird über alles gestellt. Es fehlt diesen Leuten an Respekt vor der Natur. Es ist traurig, wenn man ein totes Tier findet, das in einem Graben elendig verendet ist", sagt der Jäger.

Tourengeher, Variantenfahrer und Snowboarder suchen derzeit beinahe flächendeckend den Tiefschnee. Die vielen Spuren beweisen es. "Dabei ignorieren sie eigentlich dem Wild vorbehaltene Gebiete, fahren durch Wälder, kreuzen Futterstellen. Das Wild findet keine Ruhe mehr." Es fahre den Körperhaushalt, der im Winter auf "Sparflamme" laufe, von nahe null auf hundert hoch. "Allein diese Tatsache kann zum Schocktod führen. Jedenfalls haben sie Stress, flüchten. Meistens nach unten, in Gräben, wo Bäche verlaufen. Sie fallen rein und verenden elendig oder sie kommen aus dem vielen Schnee nicht mehr heraus und verhungern. Fünf Stück haben wir vorige Woche im Jetzbachgraben aus dem Bach gezogen. Das Wasser hatte sechs, sieben Grad und die Tiere sind mehrere Stunden drinnen gestanden. Von den Kälbern hat überhaupt nur mehr das Haupt herausgeschaut."

Nachdem Kamolz und Kollegen die Tiere befreit hatten, haben sie die geschwächten Tiere in Richtung Futterstelle gebracht. "Am nächsten Tag kamen wieder Skifahrer vorbei und die Tiere wurden wieder in Unruhe versetzt. Es ist grausam, die Ignoranz und Arroganz dieser Leute zu sehen. Ich wollte einige ansprechen, im Sinne einer Aufklärung. Ich wurde nicht druckreif beschimpft und stehen gelassen."

Unter den Skifahrern seien Leute, die es wissen müssten, sagt Kamolz: "Es sind Skilehrer dabei, auch welche, die geführte Touren machen. Und leider sind auch Jäger darunter, das ist schockierend und tut wirklich weh."

Teilweise sei es allerdings auch Unwissenheit, gesteht der Jäger zu. Er ist deshalb nun aktiv geworden, um auf das Problem aufmerksam zu machen. "Es gehört zu unseren Aufgaben, die Leute aufzuklären. Wir wollen niemanden aussperren, aber wir wollen das nötige Wissen und ein Gefühl für die Natur vermitteln." Snowboarder und Skifahrer seien für die Tiere eine unvorhersehbare Gefahr, weil sie bei den Abfahrten ganz plötzlich auftauchten. "Tourengeher, die ruhig und gleichmäßig nach oben gehen, richten im Vergleich nur einen Bruchteil des Schadens an."

Das Wild habe im Winter nur einen kleinen Einzugsbereich, in diesem sollte es ungestört bleiben, sagt Kamolz. "Dann kann es gut durchkommen. Es hält durchaus eine Woche ohne Fressen aus. Aber jede Unruhe kostet enorm viel Energie."

Derzeit müssten die Jäger viel zufüttern. Die Futterstellen im Revier, das Kamolz mitbetreut, werden regelmäßig befüllt. "Das ist wegen des vielen Schnees nicht ungefährlich." Öfters höre er, dass Jäger nur fütterten, damit sie mehr zu schießen hätten. "Unsinn. Wir haben dafür zu sorgen, dass die Tiere überwintern können." Und zu den Stellen kämen nicht nur Rehe und Hirsche, sondern auch Füchse, Marder, Vögel und andere Tiere. Bitter sei es, wenn Stellen aufgelassen würden. "Die Tiere gehen weiter dorthin, erhalten aber nichts und verhungern. Es wurden im Frühjahr an solchen Stellen schon Skelette gefunden."

Zu allen, die abseits der Pisten unterwegs sein wollen, sagt Kamolz: "Bitte nehmt Rücksicht auf die Natur. Es gibt genügend ausgewiesene Strecken, um seinen Powderspaß zu haben und Wintersport auszuüben, da muss man nicht in gesperrte oder eigentlich den Tieren vorbehaltene Gebiete fahren." Er hofft auf mehr einsichtige Wintersportler.


Aufgerufen am 16.02.2019 um 06:52 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/skifahrer-und-snowboarder-treiben-wildtiere-in-den-tod-64976911

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