Chronik

Skilehrer starb unter Lawine am Ankogel

Im Grenzgebiet von Salzburg und Kärnten in der Ankogelgruppe ging Dienstagmittag eine Lawine ab. Vater und Sohn kamen unter die Schneemassen. Gerettet werden konnte nur der Vater, der Sohn kam ums Leben. Insgesamt beruhigte sich die Wetterlage im Land, allerdings bleibt die Lawinengefahr hoch. Zwölf Salzburger Gemeinden sind nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten.

Am bei Tourengehern beliebten Ankogel (3252 Meter) in Kärnten ist am Dienstag gegen Mittag eine Lawine abgegangen und hat einen Mann verschüttet. Der Vater konnte gerettet werden, der 24-jährige Sohn, ein Skilehrer, starb.

Bei den Betroffenen handelt es sich um Tourengeher aus Tschechien, die auf dem gesperrten "Almweg" unterwegs waren. Dieser erstreckt sich vom Fuße der Talstation des Ankogels auf die Mittelstation. Knapp unter der Mittelstation kam es dann zur Tragödie. Der vorausgehende Sohn wurde von einer Lawine erfasst, verschüttet und rund 100 Meter weit mitgerissen. Der Vater sowie Mitarbeiter der Ankogelbahn leisteten Erste Hilfe und verständigten die Einsatzkräfte. Doch für den jungen Mann kam jede Hilfe zu spät. Er wurde mit dem Polizeihubschrauber mittels Seil geborgen.

Tragisches Detail: Der Vater hatte den Sohn in Mallnitz besucht, der dort in der Wintersaison als Skilehrer arbeitete. Die Seilbahn des Ankogels war am Dienstag wegen des starken Windes erst gegen Mittag freigegeben worden, ansonsten waren die Wetterbedingungen mit Sonnenschein gut.

Lawine zerstörte 220-kV-Leitung in Maria Alm

Die 220-kV-Leitung des Netzbetreibers Austrian Power Grid (APG) zwischen Kaprun und Salzburg ist im Bereich Maria Alm ausgefallen. Eine Lawine hat einen Mast der Leitung beschädigt. Die APG hatte sich wegen des Schneefalls schon auf Ausfälle vorbereitet. Derzeit gebe es keine Auswirkungen für die Endkunden, schreibt APG in einer Aussendung. An der Behebung des Schadens werde mit Hochdruck gearbeitet.

Die Zahl der Haushalte ohne Stromversorgung war jedoch über die Nacht zum Dienstag wieder angestiegen. Am Vormittag waren laut Salzburg AG etwa 700 Kunden im gesamten Bundesland ohne Strom. In Filzmoos brach am Abend die Stromversorgung zusammen, noch in den Nachtstunden wurden aber Notstromaggregate in den Ort gebracht. Auch in St. Martin im Tennengebirge fiel in der Nacht ein Trafo aus - was auch Auswirkungen auf die Mobilfunktelefonie hatte. Bei gerissenen, stark durchhängenden Stromleitungen oder gekippten Strommasten sei es wichtig, Abstand zu halten, da sie immer noch unter Strom stehen können.

Weiterhin Gemeinden abgeschnitten

In der Früh waren im Bundesland 14 Gemeinden nicht auf dem Straßenweg erreichbar, Mittag waren es immer noch 12. Als erste Straßensperre wurde die L 111 (Glemmtaler Landesstraße) wieder geöffnet. Zahlreiche Schulen im Bundesland blieben am Dienstag jedoch geschlossen.

"Die Gefahr einzelner großer bis sehr großer Lawinen bleibt hoch", sagte Michael Butschek vom Salzburger Lawinenwarndienst. "Staublawinen können dabei auch große Reichweiten erreichen." Viele Gräben, Auslaufbereiche und Lawinenschutzbauten seien mittlerweile durch den Neu- und Triebschnee, aber auch durch ältere Lawinen zur Gänze voll und möglicherweise nicht mehr wirksam. Damit bestehe die Gefahr, dass auch aus vermeintlich sicheren Bereichen Lawinen abgehen könnten.

Wegen Straßensperren waren mehrere Salzburger Gemeinden nicht erreichbar und am Höchststand mindestens 41.000 Bewohner eingeschlossen (die Touristen nicht mitgezählt). Betroffen waren Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach im Salzburger Saalachtal, Obertauern und Tweng am Radstädter Tauern, Großarl und Hüttschlag im Großarltal, Viehhofen und Saalbach-Hinterglemm im Glemmtal, Muhr im Lungau, Mühlbach am Hochkönig, Rauris und St. Martin am Tennengebirge. Dienstagmittag wurde die Glemmtaler Landesstraße L 111 wieder für den Verkehr freigegeben. Damit sind Viehhofen und Saalbach-Hinterglemm wieder auf dem Straßenweg erreichbar.

Das Land Salzburg ermahnt, die Straßensperren unbedingt einzuhalten: Die Lawinengefahr ist weiterhin sehr hoch, weshalb die Straßensperren aus derzeitiger Sicht vorerst aufrecht bleiben und unbedingt zu beachten sind. Um die an einigen Orten eingerichteten Fußgänger-Notwege freizuhalten, ersuchen die Einsatzkräfte, keine Fahrzeuge an den Sperrpunkten abzustellen.

Bahnreisende müssen weiter auf Busse umsteigen

Gegen Ende der Woche können die Bahnreisenden in Salzburg allmählich mit einer Normalisierung der Lage rechnen. Aus heutiger Sicht soll nach Informationen das Landes zunächst am Donnerstag der Abschnitt zwischen Hochfilzen und Saalfelden wieder freigegeben werden. Die ÖBB-Strecke war gesperrt worden, nachdem viele Bäume unter der Schneelast knickten und auf Gleise und Oberleitungen stürzten.

Am Freitag soll dann die wegen Lawinengefahr gesperrte Ennstalstrecke zwischen Bischofshofen und Schladming wieder geöffnet werden. Ein weiteres Nadelöhr im Bahnverkehr, der ebenfalls wegen Lawinengefahr gesperrte Pass Lueg zwischen den Bahnhöfen Golling-Abentau und Bischofshofen, wird vermutlich am Samstag wieder freigegeben. Auf allen betroffenen Streckenabschnitten wurde von den Bundesbahnen ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden.

Staublawine donnerte vom Heukareck hinunter

Dienstagmittag ging am Heukareck im Pongau eine Lawine ab. Die Schneemassen erreichten den Taxerbauer in St. Veit, blieben vor dem Hauszaun stehen. Ersten Informationen nach wurde niemand verletzt. Alexander Tischler, Feuerwehrmann in Schwarzach, hat den Lawinenabgang vom Feuerwehrhaus in Schwarzach aus beobachtet. "Dort habe ich noch nie eine Lawine gesehen, ich bin seit 33 Jahren bei der Feuerwehr." Für ihn sei es ein Naturschauspiel gewesen.


Lawine zerstörte 220-kV-Leitung in Maria Alm. SN/apg
Lawine zerstörte 220-kV-Leitung in Maria Alm.

Bergretter bargen verirrten Snowboarder im Pinzgau

Bergretter haben am Dienstag einen verirrten Snowboarder bei Hollersbach im Pinzgau geborgen. Der Jugendliche aus Kanada war bei der Mittelstation der Panoramabahn der Kitzbühler Alpen bei großer Lawinengefahr in freies Gelände abseits der Skipiste eingefahren. Er verlor die Orientierung und suchte schließlich Zuflucht bei einer Hütte.

Der Jugendliche konnte um 13.00 Uhr per Handy seinen Vater erreichen, der die Einsatzkräfte alarmierte. 17 Bergretter der Ortsstelle Mittersill machten sich im unwegsamen, schneereichen Gelände auf die Suche nach dem Vermissten. Zwei Stunden nach der Alarmierung fanden sie den Snowboarder, er war offenbar unverletzt. In diesem Gebiet herrschte Lawinenwarnstufe vier der fünfstufigen Skala.

"Aufgrund der Lawinensituation beschlossen die Bergretter, erst nach Abstimmung mit der Alpinen Einsatzgruppe und der Bezirkshauptmannschaft in den Einsatz zu gehen", verwies Einsatzleiter Rudolf Steger in einer Aussendung der Salzburger Bergrettung auf die aktuelle Situation und die damit verbundenen Gefahren für die Einsatzkräfte. Die Bergretter begleiteten den Jugendlichen bis zur Mittelstation der Bergbahn. Auch die Feuerwehr war an der Suchaktion beteiligt.

Im Schnee stecken geblieben

Wie schnell der viele Schnee zur lebensbedrohlichen Gefahr werden kann, zeigte ein am Montag bekannt gewordener Vorfall vom vergangenen Samstag. Ein 19-jähriger Urlaubsgast aus Dänemark hatte sich in Wagrain (Pongau) spätabends in offensichtlich alkoholisiertem Zustand am Straßenrand auf eine Leitschiene gesetzt. Dabei verlor er den Halt und stürzte über einen Steilhang in einen Graben. Durch den vielen Schnee konnte er nicht mehr aus eigener Kraft zur Straße zurück aufsteigen. Nach rund einer Stunde hörten Passanten seine Hilferufe und alarmierten die Einsatzkräfte. Der Mann wurde stark unterkühlt geborgen, konnte aber am Sonntag wieder das Krankenhaus verlassen.

Der Lawinenlagebericht meldete für Dienstag für Salzburg große Lawinengefahr, also Stufe 4. Allerdings könnte es neben Staublawinen auch zu Gleitschneelawinen mit "furchteinflößenden Anrissen und beachtlicher Größe" kommen. Die Situation für Wintersportler blieb "absolut heikel". Wegen der Gefahr von Schneebrettern wurde vor Unternehmungen im ungesicherten Gelände noch abgeraten.

Informationen zur aktuellen Verkehrslage finden Sie hier.

Ein skurriles Video erreichte uns noch zu den Schneemassen:

Quelle: SN, Apa

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