Chronik

"Skurrile Freiwilligkeit"

Die Diskussionen um den 12-Stunden-Tag reißen nicht ab. Die Arbeiterkammer (AK) spricht von drei Problemfällen im Pongau.

Wie freiwillig ist die Freiwilligkeit beim 12-Stunden-Tag? Können Beschäftigte die 11. und 12. Arbeitsstunde wirklich ablehnen? Darüber diskutiert man in Österreich seit Tagen. Im Bild Peter Eder, Chef AK Salzburg.   AK/Neumayr
Wie freiwillig ist die Freiwilligkeit beim 12-Stunden-Tag? Können Beschäftigte die 11. und 12. Arbeitsstunde wirklich ablehnen? Darüber diskutiert man in Österreich seit Tagen. Im Bild Peter Eder, Chef AK Salzburg.  

Es seien nur ein paar schwarze Schafe, die man in den Griff bekommen werde, meinte dazu Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), die derzeit keine Notwendigkeit darin sieht, das neue Arbeitszeitgesetz zu verschärfen. Dieses erlaubt seit Anfang September den Zwölf-Stunden-Tag, wenn Arbeitnehmer freiwillig dazu bereit sind.

Nachdem Verstöße gegen die Freiwilligkeit bekannt geworden sind, wird die Sozialministerin die Arbeitsinspektoren per Erlass anweisen, strenger zu kontrollieren. Für die Arbeiterkammer ist das allerdings keine Lösung, um die Einhaltung der Freiwilligkeit für die Dienstnehmer tatsächlich zu prüfen.

Die PN sprachen mit dem Präsidenten der Arbeiterkammer Salzburg, Peter Eder.

Redaktion:
Redaktion:
Redaktion: Gibt es auch im Pongau Fälle, die auf einen Missbrauch des neue Arbeitszeitgesetzes hinweisen?
Peter Eder: Im Pongau gab es bereits drei konkrete Fälle.

Dazu kommen dutzende Beratungsgespräche und Anfragen von besorgten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, bei denen die Dienstgeber bereits angekündigt haben, künftig 12-stündige Arbeitstage zu verlangen. Das betrifft Gastronomie und Tourismus, aber mittlerweile auch andere Branchen.

Haben Sie ein Beispiel?
Ein Pongauer Betrieb beispielsweise legte seinen Mitarbeitern Arbeitsverträge vor, mit denen sie sich verpflichten, 12 Stunden am Tag arbeiten zu wollen (!).

Den Beschäftigten wird also die "Freiwilligkeit" vorgeschrieben. Das ist völlig skurril und noch dazu ist das absolut rechts- und sittenwidrig.

Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer, die vor solchen Problemen stehen?
Ich rate allen Beschäftigten, solche Verträge nicht zu unterschreiben.

Wenn der Vertrag bereits unterzeichnet wurde, sollen sich die Betroffenen sofort an unsere Expertinnen und Experten im Arbeitsrecht wenden, die können helfen.

Wie sieht die weitere Vorgangsweise aus?
Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt. Immer mehr Fälle kommen jetzt ans Tageslicht, wo die neuen gesetzlichen Regelungen missbraucht werden.

Unser Ziel ist es, diese schwarzen Schafe aufzudecken, um zu zeigen, dass die "Freiwilligkeit" das reinste Märchen ist.

Wir werden nicht davor zurückschrecken - wenn jemand gekündigt wird, weil er nicht freiwillig 12 Stunden arbeiten will - zu klagen und dann auch einen Musterprozesse zu führen.

Aufgerufen am 21.10.2019 um 05:52 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/skurrile-freiwilligkeit-61184038

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