Chronik

SN-Check: Plastik und eine Ratte am laufenden Band

Die SN machten sich in der Sortierhalle in Siggerwiesen selbst ein Bild: Was passiert mit den Plastikabfällen aus dem "Gelben Sack"?

Mit einem breiten Grinsen blicken sie auf die emsigen Arbeiter am Förderband hinab. Dutzende Gartenzwerge stehen auf den Fensterbänken der Sortierhalle der Umweltschutzanlagen in Siggerwiesen. Die Zwerge landeten einst allesamt im Müll, liefen über das Förderband - wo sie ein Mitarbeiter dann herausfischte. Nicht nur die unzähligen Gartenzwerge grinsen: Auch Anlagenleiter Wolfgang Ramsauer muss beim Anblick des Journalisten ein wenig schmunzeln. Das soll der neue Müllsortierer sein?

Die "Salzburger Nachrichten" durften einen Tag an jenem Fließband mitarbeiten, an dem täglich Tonnen von Abfall händisch sortiert werden. Jährlich landen mehr als 200.000 Tonnen Müll aus dem Salzburger Zentralraum in Siggerwiesen. Rund ein Drittel davon ist Restmüll. Dieser wird nicht mehr getrennt, sondern wird aufbereitet und in Züge verladen. Der Müll landet bei der oberösterreichischen Lenzing AG und wird verbrannt.

Abfall, den die Salzburger trennen, muss in Siggerwiesen erneut getrennt werden. Das übernehmen die neun Männer an den Förderbändern - und an diesem Tag auch ein SN-Redakteur. Ausgestattet mit Arbeitsschuhen, Schutzkleidung und Handschuhen stehen zehn Männer am Förderband. Dieses bewegt sich in durchaus forschem Tempo und liefert allerlei Müll und Unrat an. Alles, was die Salzburger zuvor in den "Gelben Sack" gesteckt haben, landet auf dem Band. PET-Flaschen, Plastikkanister, Schutzfolien und Getränkekartons ziehen vorbei. "Die weißen Flaschen in diese Tonne, die blauen in die daneben, Reinigungsmittelflaschen kommen hier rein", sagt Arbeiter Ersan Useinoski. Während dieser kurzen Instruktion sind bereits unzählige Flaschen an seinem Standplatz vorübergezogen. "Macht nix, aber jetzt geht es los."

Dann heißt es, sortieren. Es erfordert durchaus Konzentration, die verschiedenen Flaschen im gesamten Unrat zu erspähen, zu packen und in die jeweilige Tonne zu werfen. "Die Spülmittelflasche nicht dazugeben, die ist durchsichtig", sagt Useinoski. Und wohin kommt die Verpackungsfolie? Zum Nachfragen und Nachsehen bleibt kaum Zeit, denn das Förderband läuft unverdrossen weiter.

Tonnen von Plastikmüll landen täglich in der Sortieranlage in Siggerwiesen. SN/neumayr/leo
Tonnen von Plastikmüll landen täglich in der Sortieranlage in Siggerwiesen.

Nach ein paar Minuten scheinen die Handgriffe zu sitzen. Weiße und blaue PET-Flaschen landen in den richtigen Behältern. "Die Flaschen von dem Hersteller nicht aussortieren", sagt Arbeiter Ivica Djordjevic und deutet auf die Wand neben ihm. Dort hängen die Flaschen von drei Getränkefabrikanten. Diese gehören offensichtlich in keine der Tonnen. Für weitere Erklärungen bleibt keine Zeit. Das Band läuft weiter. "Diese Flasche ist voll mit Öl, die sortieren wir auch nicht", ruft Djordjevic. Schon wieder ein Fehler. "Bis man das System in allen Einzelheiten verstanden hat, dauert es. Zwei Wochen und man hat es heraus", sagt Anlagenleiter Wolfgang Ramsauer. Die erfahrenen Sortierer korrigieren sämtliche Fehler mit einem Handgriff.

Nach knapp einer Stunde am Förderband beginnt es im Kreuz zu ziehen. Eine Verschnaufpause ist nicht drinnen: Die Arbeiter sortieren stündlich bis zu 1,8 Tonnen Abfall. Das entspricht dem Gewicht einer mittelgroßen Limousine. Die sortierten Werkstoffe werden zu Ballen gepresst, gestapelt und weiterverarbeitet. "Wer eine PET-Flasche in den ,Gelben Sack' wirft, kann sich sicher sein, dass daraus eine neue PET-Flasche wird", sagt Ram sauer. Daher dürfe man die Plastikflasche auch nicht verteufeln. "Sie darf halt bloß nicht im Restmüll landen."

Hunderte Müllautos überqueren täglich die Wiegestelle der Umweltschutzanlagen Siggerwiesen. Restmüll kommt in die Aufbereitungsanlage, Biomüll in die Biokompostierung, Sondermüll ins Labor und zur Weiterverarbeitung. Verpackungen landen auf den Förderbändern der Sortieranlage. Dort sortieren die Männer unverdrossen weiter. "Achtung", tönt es plötzlich durch die Halle. Eine tote Ratte zieht am Band vorüber. Ekel löst dies bei den neun Arbeitern nicht aus. Sie nehmen dies emotionslos zur Kenntnis. Es gibt wohl kaum etwas, was die Männer noch nicht im Abfall herumliegen gesehen haben. Wenngleich die Salzburger mittlerweile im Mülltrennen durchaus gewissenhaft sind. "Die Moral ist nicht schlecht. Wenn das System praktikabel ist, dann machen die Bürger mit", sagt Geschäftsführer Josef Weilhartner.

Kurz vor 11 Uhr stoppt das Förderband: Mittagspause. "Für Sie reicht es wohl vorerst", sagt Ramsauer lachend. "Sie können aber gern wiederkommen, eingelernt sind Sie ja schon." Mal sehen.

Daten & Fakten: Tag der offenen Tür steht bevor

201.691 Tonnen Abfall brachten Müllautos im vergangenen Jahr in die Umweltschutzanlagen Siggerwiesen. Der Großteil davon war Restmüll. 3486 Tonnen entfielen auf Kunststoffverpackungen. In der Sortieranlage herrschte 2016 Hochbetrieb: Die Gesamtsortierzeit lag im abgelaufenen Jahr bei 1910 Stunden, knapp 1,8 Tonnen Müll sortierten die Arbeiter pro Stunde.

Wer sich selbst ein Bild von den Umweltschutzanlagen Siggerwiesen machen möchte, bekommt am 30. September Gelegenheit dazu: Von 9 bis 17 Uhr steigt in Siggerwiesen der Tag der offenen Tür - inklusive Führungen durch das Gelände.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 03:19 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/sn-check-plastik-und-eine-ratte-am-laufenden-band-17237866

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