Chronik

SN-Check: Sportarten,die Körper und Geist stärken

Anstrengend und wohltuend: Ganzkörpertraining. SN-Redakteurin Nicole Schnell testete fünf Tage lang Sportarten, die dem ganzen Körper guttun. Auf manches musste sie sich dabei aber erst bewusst einlassen.

Eine Grundfitness ist vorhanden - so zumindest die eigene Einschätzung. Beim SN-Check spielte aber der Kopf oft eine größere Rolle als der Körper. In fünf Tagen wurden fünf Sportarten getestet. Besonders kurios: Training mit elektrischen Impulsen.

Stand Up Paddling

Die Sonnenstrahlen zaubern ein Glitzern auf das dunkelgrün schimmernde Wasser des Waldbades in Anif. Vor dieser Kulisse zeigt Alex Ebner von Stand Up! wie man das Paddel beim Stand Up Paddling (SUP) richtig hält. Die Länge lässt sich je nach Körpergröße einstellen, auf die richtige Haltung legt der ausgebildete Fitnesstrainer, der sich vor fünf Jahren selbstständig gemacht hat, großen Wert. Nach wenigen Minuten hievt der 38-jährige Salzburger zwei Boards ins Wasser, steigt mit flinken Bewegungen auf. Ganz so einfach fällt das der Anfängerin nicht - auf dem Board zu knien funktioniert aber. Doch Ebner kennt keine Gnade: "Aufstehen", heißt es nach gefühlten Sekunden. "Es heißt schließlich Stand Up Paddling", fügt er lachend hinzu.

Im Stehen fühlt sich alles wacklig an. Zusätzlich sollte das Paddel eingesetzt werden. Ebner zeigt vor, wie es richtig geht. Nach kurzer Zeit nimmt das Gefühl stabil zu stehen zu, umso besser funktioniert auch das Paddeln. Es geht vorwärts auch wenden und stoppen klappt ohne ins kühle Nass zu fallen. Das Gefühl über das ruhige Wasser zu gleiten ist grandios. Die Schönheit der Natur genießen. Ganz nebenbei trainiert man den ganzen Körper. "Mir fällt kein Muskel ein, der nicht in irgendeiner Form beansprucht wird, da man durch das Stehen auf dem Board immer eine Grundspannung im Körper behalten muss", sagt Ebner. Auch könnten durch das schonende Training muskuläre Defizite beseitigt werden - ein Sport, den jeder ausüben kann. Ein weiterer Vorteil von SUP: Man kann auf fast allen Seen fahren, das aufblasbare Board überallhin mitnehmen. Ausgelassen ist es leicht und passt es in einen Rucksack. Auch für Kinder sei der Sport geeignet, vorausgesetzt die Schwimmkenntnisse seien gut. 35 Euro kostet es, sich ein Board für einen Tag auszuborgen. Will man eines kaufen beginnt der Preis bei rund 600 Euro. Mit speziellen Anzügen könne man zudem auch im Winter über das Wasser gleiten.
Neben Kursen auf Seen bietet Ebner ein ganz spezielles Erlebnis an: eine Fahrt auf der Salzach. Für diese sollte man aber unbedingt erst einen Grundkurs absolviert haben, sagt der 38-Jährige. Durch Strömung, Untiefen und Schiffe berge der Fluss mehrere Gefahrenquellen. "Es ist aber nicht schwierig. Und unter der Staatsbrücke durchzufahren ist immer wieder beeindruckend."

Yoga

Mit der Gondel geht es hinauf in rund 2300 Meter Höhe - das Ziel: die Aussichtsplattform des Stubnerkogels in Bad Gastein. Eine Gruppe von sieben Damen und einem Herren hat sich im Rahmen von "Yogafrühling Gastein - Atme die Berge" zu einer Yogastunde in traumhafter Kulisse zusammengefunden. Die Skepsis gegenüber Yoga rückt in den Hintergrund, zu schön ist die Landschaft des Gasteinertals. Klara Michel breitet ihre Yogamatte auf dem Holzboden aus, bittet die Yogis sich zu setzen. Es stehe eine Mischung aus Übungen sowie Meditation an, erklärt die Kielerin. Die Worte "Bitte bloß nichts zu Spirituelles" schießen durch den Kopf. Doch die Anweisungen, die die 28-Jährige mit sanfter Stimme gibt, erweisen sich als angenehm: Die Umgebung bewusst wahrnehmen, dem Wind lauschen. Der Körper entspannt sich. Es folgen Übungen für die Wechselatmung, das Nadi Shodhana. Danach wird der ganze Körper eingesetzt - etwa in der Kriegerhaltung (Virabhadrasana), von der es verschiedene Varianten gibt. Alle drei Yoga-Übungen haben gemeinsam, dass sie im Stehen ausgeführt werden. Die Arme sind immer ausgestreckt. Es geht um Stärke aber auch Konzentration, Stabilität ist wichtig. Einige Übungen funktionieren gleich auf Anhieb, bei anderen muss noch am Gleichgewicht gearbeitet werden. Ein Blick in die Runde verrät, dass die meisten keine Anfänger mehr sind.
Geeignet sei Yoga für jeden, egal welchen Alters. Auch immer mehr Männer würden den Sport praktizieren. "Yoga ist ein Weg um Körper und Geist zu verbinden. Es ist auch für Stressabbau sehr gut geeignet." Zudem fördere es die Beweglichkeit und stärke die Muskulatur mehr als Krafttraining. "Es ist ein Ganzkörpertraining, bei dem die bewusste Körperwahrnehmung zunimmt."

Jogging Akademie

Die Sonne versteckt sich hinter einigen Wolken doch es ist sommerlich warm. So wird das Krafttraining kurzerhand nach draußen verlegt. Am Rasen des Universitäts- und Landessportzentrum Rif bildet sich eine sechsköpfige Gruppe rund um Personal Trainer Karl Matzner. 45 Minuten lang wird intensiv trainiert - eine Mischung aus Kräftigungs- und Straffungsübungen. Es wird richtig warm, das Schwitzen setzt ein. Matzner geht durch die Runde, achtet darauf, dass die Übungen sauber ausgeführt werden.
Mit roten Köpfen geht es auf die Laufbahn. Die Menschenmenge wird größer - Dutzende machen mit, die Jogging Akademie des Teams von Personal Fitness kommt gut an. In den nächsten 45 Minuten geht es um das Laufen. "Wir bieten ein wöchentliches Basistraining an, auf dem man jegliche sportliche Aktivitäten aufbauen kann", erklärt Trainer Michael Mayrhofer. Viele kämen um sich auf Läufe oder einen Marathon vorzubereiten. Dabei spiele die richtige Lauftechnik eine wesentliche Rolle.
Ein Pulsgurt wird umgeschnallt. In angenehmem Tempo geht es zehn Minuten lang Schritt für Schritt voran. Der Kopf wird freier. Es folgt ein Laktattest. "Es geht darum das richtige Tempo aus trainingswissenschaftlicher Sicht herauszufinden. Zusammen mit der richtigen Technik ergibt sich die ideale Stoffwechsellage." Das unerwartete Ergebnis: langsamer laufen. Unter prüfenden Blicken der Trainer folgen weitere Laufrunden und Anweisungen wie sich die Technik optimieren lässt. Zum Schluss folgt ausgiebiges Dehnen und die Erkenntnis, dass sich am eigenen Laufstil wohl noch einiges verbessern lässt.

Bouldern

Zwar sind die Wände der Boulderbar in der Richard Kürth-Straße 9 in der Stadt Salzburg "nur" maximal 4,5 Meter hoch, doch kosten selbst diese Maße einiges an Überwindung. Es gilt: sich einlassen und ausprobieren.
Die bunten Bouldersteine in der 1000 Quadratmeter großen Halle ergeben je nach Farbe eine Route. Der Schwierigkeitsgrad ist nach der französischen Fontainebleau-Skala eingeteilt. Diese reicht von 3 bis 8, dazwischen gibt es noch a bis c. Einmal pro Woche werden alle Steine umgesetzt - das ist Christian Wolfesbergers Job. "Dafür ist für jeden etwas dabei, vom Anfänger bis zum Profi-Kletterer", sagt der Salzburger, der seit 15 Jahre bouldert, zuvor jahrelang kletterte. Was der Unterschied zum Klettern ist? "Bouldern ist klettern in Absprunghöhe und vor allem ohne Seil", erklärt der 34-Jährige.
Schnell wird klar: so einfach wie das bei dem Profi aussieht, ist das Ganze wahrlich nicht. Bouldern erfordert Kraft, Koordination und vor allem mitdenken - wohin trete ich als Nächstes, wie erreiche ich mit welcher Hand den nächsten Stein und was mache ich währenddessen mit meinen Füßen? Um besser greifen zu können sollte man die Arme immer ausgetreckt lassen, mit den Füßen nie seitlich auftreten sondern mit der Fußspitze - so gewinne man mehr Bewegungsraum. Bei 4 b lässt die Kraft langsam nach, hinzu kommt der Respekt vor der Höhe. "Es geht darum Kraft und Energie richtig einzuteilen." Wer bis nach oben komme dürfe nicht vergessen, dass er auch wieder herunterkommen müsse. Muskelpartien werden belastet, die man sonst kaum wahrnimmt. So wird etwa viel Kraft in den Fingern benötigt.
Beim ersten Mal rät der Salzburger sich von einem Trainer die richtigen Griffe zeigen zu lassen. "Man benötigt viel Körpergefühl." 2017 wird Bouldern erstmals zur olympischen Disziplin, was den Sport noch populärer machen dürfte. Am 8. Juli feiert die boulderbar ihr einjähriges Bestehen.

EMS-Training

Der erste Gedanke: "Wer lässt sich denn bitte freiwillig Stromschläge verpassen?" Sich einen speziellen Funktionsanzug mit Kabeln anziehen zu müssen, der zuvor mit Wasser besprüht wird, um den Strom besser zu leiten, macht das Ganze nicht unbedingt weniger kurios. Doch Personal Trainer Florian Hofer nimmt sich Zeit, klärt in einem ausführlichen Gespräch Fragen, erkundigt sich detailliert nach der Gesundheit. Das Training habe zahlreiche Vorteile, sagt der Linzer. Es sei etwa gelenkschonend, gut für den Beckenboden, wirke gezielt auf das Unterhautfett und helfe gegen Cellulite. Durch die Sitzungen werde die Muskulatur aufgebaut, Rumpf und Rücken würden gestärkt und daher gezielt Rückenproblemen vorgebeugt. "Es ist eine Kombination aus Kräftigung und Straffung, die ohne Zusatzgewichte auskommt." Nur durch EMS zur Traumfigur zu gelangen, sei aber reine Fantasie. Hingegen eigne es sich als effektive Unterstützung. Bestens geeignet ist es als "Training für Faule", sagt er schmunzelnd. Eine 20-minütige Einheit habe den Effekt eines dreistündigen Ausdauer- oder Krafttrainings.
Das Kabel der Weste wird an das Gerät in Hofers Studio in der Imbergstraße 22 angesteckt. Die nervliche Anspannung steigt, es kann losgehen. Hofer dreht den Strom auf - es beginnt in den Oberschenkeln zu kribbeln, immer kräftiger. Es folgen Po, Rücken, Bauch sowie Oberarme. Schmerzhaft ist es nicht, jedoch ein sehr eigenartiges Gefühl. "Es geht nicht um die Stärke der Stromzufuhr sondern um die Kombination mit den Übungen." So werde der Stoffwechsel aktiviert. Es folgen Übungen wie Kniebeugen. Sich darauf zu konzentrieren während man von den elektrischen Impulsen abgelenkt wird, ist teilweise gar nicht so einfach. Trainiert werde immer zusammen mit einem Personal Trainer. Die 20 Minuten vergehen wie im Flug. Die verkabelte Weste, Hüftgürtel und Manschetten an Armen und Beinen werden wieder abgenommen.
EMS sei völlig unbedenklich, sagt der Experte. Die Übungen sollten aber immer unter Anleitung eines Personal Trainers durchgeführt werden. Neu ist diese Form des Trainings nicht - sie kommt aus der Physiotherapie und wird bereits seit rund 50 Jahren angewandt. Bei Epilepsie, Herzproblemen, Schwangerschaft und Bluthochdruck sei EMS aber nicht geeignet, ebenso wenig für Kinder im Wachstum. Entscheiden müsse aber jeder selbst - Beratungsgespräch sowie die erste Trainingseinheit seien immer gratis. Eine Einheit kostet rund 25 Euro.




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