Chronik

SN-Leser helfen: Die ersten Flutopfer in Hallein erhielten bereits Geld über die Caritas

600 Euro pro Familie zahlt die Caritas an Betroffene der Flut aus. Am Dürrnberg sind noch viele Schäden nicht aufgearbeitet.

Daniela hält ihr Baby im Arm - und bricht vor Rührung in Tränen aus. Denn eine Unbekannte steckt ihr noch schnell 50 Euro zu: "Damit du Windeln für das Kind kaufen kannst", sagt die Frau, die soeben Sachspenden im Halleiner Pfarrheim abgegeben hat. "Danke", stammelt Daniela nur - und ist überwältigt von der Solidarität, die sie an diesem Vormittag erfährt.

Denn die 29-Jährige, ihren Mann und ihre zwei Kinder (sechs Monate, vier Jahre) hat die Flut Sonntagabend voll erwischt: "Wir konnten gerade noch die wichtigsten Dokumente retten. Anfangs stand das Wasser bis in Bauchhöhe. Als es dann zurückging, war es immer noch 30 bis 40 Zentimeter hoch", sagt sie.

"Die letzten drei Nächte haben wir im Auto geschlafen" (Daniela, Flutopfer)

Weil die Wohnung in der Altstadt samt Inventar ein Totalschaden ist ("die Wände beginnen schon zu schimmeln"), zog die Familie zu Danielas Schwester: "Aber da sind wir zu neunt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Also haben wir die letzten drei Nächte im Auto geschlafen." Die Freude der Familie war daher groß, dass sie vor wenigen Tagen eine Gemeindewohnung in Burgfried als Notunterkunft zugesagt bekam. Am Donnerstag war Schlüsselübergabe; bis Samstag will die Familie wieder behelfsmäßig eingerichtet sein: "Wir brauchen noch Sachen für die Küche; Lebensmittel und einen Schrank für unseren großen Sohn."

Stefan Lechner (Caritas) hat Geld an Daniela und ihr Baby ausbezahlt.  SN/stefan veigl
Stefan Lechner (Caritas) hat Geld an Daniela und ihr Baby ausbezahlt.

Die junge Frau mit bosnischen Wurzeln war daher sehr froh, dass sie von der Caritas unbürokratisch 600 Euro ausbezahlt bekam - und auch Kinderkleidung und -schuhe sowie Toiletteartikel geschenkt bekam: "Ich kann jeden Cent brauchen." Stefan Lechner, der den Bereich Sofort- und Katastrophenhilfe der Salzburger Caritas leitet, hat mit seinen Kolleginnen am Donnerstag allein in Hallein binnen eineinhalb Stunden 15 Flutopfer samt ihren rund 25 Angehörigen finanziell und mit Sachspenden unterstützt: "Viele brauchen Geld, um Kleidung nachzukaufen; oder einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder Möbel, die zerstört wurden." Er betont aber, dass auch gegen Missbrauch vorgesorgt werde und die Betroffenen Ausweise, Meldezettel sowie Fotos der Schäden vorweisen müssen. Bei der Caritas geht man landesweit von 100 schwer betroffenen Haushalten aus.

"Und plötzlich kamen wildfremde Leute - um zu helfen"

Roswitha und Harald Brandner hatten das Wasser 1,8 Meter hoch im Tonstudio.  SN/stefan veigl
Roswitha und Harald Brandner hatten das Wasser 1,8 Meter hoch im Tonstudio.

Auch Harald Brandner und seine Frau Roswitha erhielten für sich und ihre zwei Kinder 600 Euro von der Caritas. Denn ihre Musikagentur samt Tonstudio ist im Keller ihres Hauses im Steglandweg untergebracht. Dieser war 1,80 Meter hoch überschwemmt; ebenso wie die danebenliegende Wohnung ihres Sohnes. Harald Brandner: "Ich konnte nur noch einen Laptop und die Festplatte retten. Der Schaden beträgt rund 50.000 Euro." Ein Blick in den Keller zeigt das Ausmaß der Zerstörung: Der Holzboden sowie Türen und Fensterstöcke sind bereits entfernt; der Elektriker ist dabei, die Kabel zu erneuern. Die Trocknungsgeräte sorgen für einen Dauerlärmpegel. Roswitha Brandner sieht aber auch zwei Lichtblicke: "Unsere Hauptinstrumente, zwei Saxofone, waren nicht im Keller. Und es sind plötzlich wildfremde Leute aus Seekirchen und St. Johann zu uns gekommen, einfach, um zu helfen."

Walter Widmann und Markus Mühlbacher, der Sohn seiner Lebensgefährtin, wohnen oben in Bad Dürrnberg und haben selbst die Initiative ergriffen: Weil ihr 200 Jahre altes Haus am Georgenbergsteig durch den Kothbach beinahe unterspült wurde, haben sie seit Montag einen Bagger gemietet. Mühlbacher: "Wir haben damit 200 Kubikmeter Schotter und Erde wieder dorthin gebracht, wo sie vorher waren." Er hofft, dass er zumindest einen Teil des Schadens ersetzt bekommt: "Wir haben 200 Liter Diesel gebraucht; und ich habe jetzt fünf Tage lang 14 Stunden am Tag gewerkt."

"Das ist ein Fall für den Katastrophenfonds"

Anita Streitfeller vor dem abgerutschten Hang. SN/stefan veigl
Anita Streitfeller vor dem abgerutschten Hang.

Gleich zwei Muren sind unweit des Bauernhofs von Anita Streitfeller in der Plaickstraße abgegangen. Die 40-Jährige und ihre Familie hatten aber Glück: "Die Mure ist einen Meter vor dem Haus zum Stehen gekommen." Der Hang oberhalb des Hofs ist aber gleich an zwei Stellen einige Meter abgerutscht. Streitfeller: "Vor drei Jahren hatten wir auch Wasser im Keller." Eine erste Schätzung des Schadens beläuft sich auf 80.000 Euro: "Der Geologe hat gemeint, dass das ein Fall für den Katastrophenfonds ist."

SN-Leser helfen:

Die SN haben gemeinsam mit Caritas und Raiffeisenverband Salzburg ein eigenes Spendenkonto eingerichtet:
Caritas-Spendenkonto beim Raiffeisenverband Salzburg:

IBAN AT18 3500 0000 1608 0939
BIC RVSAAT2S
Verwendungszweck Hochwasser Salzburg 2021
  • Alle Spenden sind selbstverständlich steuerlich absetzbar!

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