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Die Flutopfer in Salzburg schöpfen wieder neue Hoffnung

Die gemeinsame Hilfsaktion der Caritas und der "Salzburger Nachrichten" läuft erfolgreich. 140.000 Euro Spenden wurden schon gesammelt.

"Sonst wäre hier alles abgesoffen"

In der Notsituation nach der Flut hat die Caritas - zur Überbrückung der ersten Zeit - Hilfszahlungen geleistet. Mit diesen kleineren finanziellen Unterstützungen von in der Regel einigen Hundert Euro können erste Ausgaben gedeckt werden. Das hat zum Beispiel der Familie von Georg Brunauer und Margit Eibl in Hallein geholfen. Jetzt geht es darum, die großen Brocken zu stemmen und den Alltag mit vier Kindern, darunter eine neunjährige beeinträchtigte Tochter im Rollstuhl, zu meistern.

Das Wasser schoss knapp einen halben Meter hoch zu den Häusern an der Gamper Straße. Das Geschäft und das Wohnhaus des Paars sind schwer in Mitleidenschaft gezogen. Setzungen verursachen zentimetergroße Risse. Ein früher ebener Boden ist nun abfallend. Der Betrieb für Farben und Bastelwaren, den die beiden allein betreiben, ist aus Sicherheitsgründen geschlossen. Etliche Türen und Fenster im Haus lassen sich nicht mehr öffnen. Im Garten klaffen drei 50 Zentimeter große und ebenso tiefe Erdlöcher. Der Untergrund, in dem sich früher der große Rechen für die Holztrift auf der Salzach befand, gab nach. Der aus Adnet stammende Halleiner zeigt dazu historische Fotos.

Auf 30.000 Euro würden allein die Kosten des Einsatzes einer Spezialfirma aus Wien geschätzt, der am Montag beginnen soll. "Wir sind froh, dass sie jetzt kommen", sagt Brunauer. Mit Druck in Rohren hineinzupressendes Spezialharz, insgesamt etwa eineinhalb Tonnen, bis in eine Tiefe von rund sechs Metern, solle den Untergrund verfestigen. Ein Lokalaugenschein des Katastrophenfonds fand schon statt. Ob und wie viel Geld es auch von der Versicherung geben wird, scheint noch unklar, weil es sich nicht um reine Hochwasserschäden, sondern vor allem Unterspülungen und Setzungen handle.

Die blitzschnelle Reaktion des Hauseigentümers und Glück im Unglück verhinderten wenigstens, dass die große Verkaufsfläche geflutet wurde. "Ich habe geistesgegenwärtig die Eingangstür mit zwei Dosen PU-Schaum abdichten können. Sonst wär' alles abgesoffen." Schwer beeindruckt ist Brunauer vom Zusammenhalt in Hallein allgemein. Verwandte, Kunden, Nachbarn und "fremde Leute zum Beispiel aus St. Johann" haben geholfen. "Alle haben angepackt. Die Unterstützung war unfassbar. Hut ab!" Während er das sagt, regnet es schon wieder stark - und die Hochwasseropfer schauen besorgt auf die Straße.

Für die Opfer war es ein Wettlauf mit der Zeit

Der Schaden im Haus von Rudolf Matza und seiner Frau Maria Exenberger in Mühlbach im Pinzgau ist riesig. Die erste Schätzung lag bei 85.000 Euro, aber da wird wohl noch viel dazukommen. Und oft sind es kleine Dinge ohne materiellen Wert, bei denen der Verlust besonders wehtut. So klagt Maria Exenberger, dass auch ihre selbst eingekochten Marmeladen aus den mühsam gesammelten Preiselbeeren der Flut zum Opfer gefallen sind. Bei anderen waren es Andenken an die verstorbenen Eltern oder im Keller aufbewahrte Sachen der Kinder, als die noch klein waren.

Es war am Samstag, dem 17. Juli, als die Salzach wenige Meter neben dem Haus immer höher stieg. Irgendwann am Nachmittag schwappte das Wasser über die Ufermauer, kam näher und begann, über die Kellerstiege ins Haus zu fließen. "Nach einer Stunde war der Keller voll", sagt Rudolf Matza. Auch im Erdgeschoß stieg es auf 20 bis 30 Zentimeter Höhe. "Zeit, um Sachen in den ersten Stock zu bringen, blieb nicht mehr. Nur ein paar Kleinigkeiten. Alles andere ist hin."

Das Wasser hob den frisch mit 1200 Litern gefüllten Öltank im Keller an. Er riss. Das gesamte Öl floss aus und richtete enormen Schaden an. Noch jetzt stinkt es vor allem im Erdgeschoß penetrant nach Öl. Die gesamte Einrichtung der Küche, des Wohnzimmers und des Schlafzimmers ist entsorgt, die Böden herausgerissen. Jetzt wird wegen des Öls noch der Putz von den Wänden gemeißelt und der Estrich muss auch hinaus. Bis man hier wieder wohnen kann, werden Monate vergehen. Die Versicherung zahlt wie bei den meisten privaten Hausbesitzern nur den Standardbetrag von 16.000 Euro. Eine bessere Versicherung sei gar nicht möglich, weil das Haus in der roten Zone stehe, sagt Maria Exenberger. "Aber es war schon immer da. Wir haben es 1989 gekauft. Von der Salzach sind wir noch nie überflutet worden, aber Grundwasser hatten wir schon mehrmals. Erst vor zwei Jahren mussten wir uns deshalb mit einem Kredit eine neue Heizung kaufen. Die ist jetzt wieder kaputt."

Bei Gerhard Kreuzer und seiner Familie ist der Schaden ähnlich. Auch ihr Reihenhaus beim Uttendorfer Badesee stand bis zum Erdgeschoß unter Wasser. Seit fast drei Wochen laufen Tag und Nacht die Bautrockner. Zumindest Öl haben sie nicht im Haus. Sie haben eine Pelletsheizung bzw. hatten eine, denn die Anlage ist ein Totalschaden. "Vor Kurzem haben wir noch geredet, dass wir mal entrümpeln müssen. Dieses Problem zumindest hat sich erledigt", sagt Kreuzer. Im Keller und im Erdgeschoß sei alles hin. "Man hofft zuerst noch, dass man etwas noch verwenden kann. Das Sofa oder den Herd." Aber es habe keinen Sinn.

Als am Sonntag, dem 18. Juli, der Badesee stieg und dann überging, habe man nicht an eine Überflutung gedacht, so der Uttendorfer. Seit die Familie 2004 eingezogen ist, hat es nie ein Problem gegeben. Aber dann sei das Wasser immer näher gekommen und ab dem frühen Abend ins Haus geronnen. Kreuzer, seine Frau und die zwei Töchter versuchten alles, um es zu stoppen. Sie arbeiteten mit Pumpen, Sandsäcken und Brunnenschaum. "Aber das Wasser findet immer einen Weg, und sei es über die Kabelschächte." Was tragbar ist, räumten die vier vom Keller in das Erdgeschoß - und als auch dort das Wasser kam, in den ersten Stock. Bis 3.30 Uhr kämpfte die Familie gegen das Wasser. "Dann haben wir die Feuerwehr gerufen, dass sie uns holen." Ohne Hilfe wäre es schon zu gefährlich gewesen, das Haus zu verlassen. Als nach zwei Tagen das Wasser zurückging, konnte die Feuerwehr das Haus auspumpen. "Dann haben wir angefangen, alles rauszureißen. Jetzt sieht es aus wie in einem Rohbau."

Rund 90.000 Euro Soforthilfe gezahlt

Sofort nach der Flutkatastrophe, die Mitte Juli Hallein und den Oberpinzgau besonders hart traf, starteten die SN, der Raiffeisenverband und die Caritas Salzburg eine Spendenaktion. Jetzt ist Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Bisher kamen laut Caritas schon mehr als 140.000 Euro an Spenden zusammen. 86.400 Euro Soforthilfe wurden bis Freitagvormittag an 203 Haushalte (mit 488 Personen) bereits ausgezahlt. Am Freitag lief eine weitere Auszahlung in Hallein, für die etwa 10.000 Euro veranschlagt waren.

Weitere Soforthilfezahlungen folgen in den nächsten Tagen. Dann werden einzelne Haushalte mit größeren Beträgen unterstützt. Das Spendenkonto lautet: IBAN: AT18 3500 0000 1608 0939, BIC: RVSAAT2S, Verwendungszweck Hochwasser Salzburg 2021.

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