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SN-Leser helfen: Elena will endlich gesund werden

Seit vier Jahren ist das Leben von Elena Neuwirth im Griff einer psychischen Erkrankung. Ein Aufenthalt in einer WG soll das ändern.

Elena Neuwirth mit ihrem Hund Amy: „Irgendwie wollte ich schon immer verschwinden.“ SN/anton kaindl
Elena Neuwirth mit ihrem Hund Amy: „Irgendwie wollte ich schon immer verschwinden.“

Die Spaziergänge mit Hund Amy sind für Elena Neuwirth ein wichtiger Teil des Tagesablaufs. Damit die 18-jährige Saalfeldnerin durchs Leben kommt, muss alles nach Plan verlaufen. Vor allem beim Essen. Sie ernährt sich nach einem Speiseplan. Mit exakter Uhrzeit und aufs Gramm genau kommen bei ihr die Speisen auf den Teller. "Ich esse, weil ich weiß, dass ich muss. Aber ich habe kein Hunger- und kein Sättigungsgefühl." Ohne ihre Mutter, die rund um die Uhr für sie da ist, könnte sie ihren Alltag nicht bewältigen.

Die 18-Jährige leidet seit gut vier Jahren an Magersucht. Anorexie nennen es die Psychiater. Es handelt sich um eine psychische Erkrankung, die das ganze Leben auf den Kopf stellt und schwere gesundheitliche Probleme mit sich bringt: Bis zu 15 Prozent der Betroffenen sterben an körperlichen Folgen oder durch Suizid.

Elena Neuwirth war 14 Jahre alt, als es bei ihr losging. "Ich war immer schon sehr sportlich und auch sehr ehrgeizig." Sie hatte in Wettkämpfen geklettert, voltigierte und ging im Winter langlaufen. "2017 war ich für drei Wochen in England. Das hat bei mir irgendetwas ins Rollen gebracht." Bei dem Aufenthalt hatte sie sich ungesund ernährt. "Meine Haut wurde unrein und ich fühlte mich schlapp. Dann fing ich an, mich über Ernährung zu informieren."

Von da an ging es bei Elena Neuwirth schnell. Die Kalorien wurden zu ihrem größten Feind. Sie kochte viel, aber immer nur für andere. Süßigkeiten und die Schuljause landeten im Müll. "Irgendwann war Essen das Einzige, woran ich gedacht habe."

Die Erkrankung wirkte sich auch auf Elenas Sozialleben aus. "Ich lehnte Einladungen ab, weil ich Angst hatte, dort etwas essen zu müssen." Nach einem halben Jahr hatte Elena 20 Kilo abgenommen. Mit Klassenkolleginnen hatte sie ein Referat über Magersucht vorbereitet. "Mir ist das gruselig vorgekommen, weil ich mich darin wiederfand. Aber ich wollte es noch nicht wahrhaben."

Zum Referat kam es nicht. Noch davor wies sie die Hausärztin ins Klinikum Schwarzach ein, wo sie dreieinhalb Monate behandelt wurde. Einen Monat lang wurde sie mit einer Sonde ernährt. "Zeitweise war mein Zustand kritisch, mein Puls war auf 40 Schläge gesunken."

Seither ist Elena Neuwirths Leben im Griff der Erkrankung. Als sie wieder zu Hause war, entwickelte sie eine Depression und musste Psychopharmaka einnehmen. Da ihr Gewicht wieder sank, wurde sie drei Monate in einer bayerischen Klinik behandelt.

Kurz vor Beginn der Pandemie ging es Elena Neuwirth sehr schlecht. "Ich litt unter Krampfanfällen, Panikattacken und Flashbacks. Ich konnte mich wieder in die Realität zurückholen, indem ich mich selbst verletzte." In der Zeit entwickelte sie auch Suizidgedanken. "Die Magersucht ist ja auch ein Suizid auf Raten. Ich glaube, irgendwie wollte ich schon immer verschwinden."

Nach fünf Wochen im Krankenhaus wurde sie wegen des Lockdowns entlassen. Zu Hause unternahm sie einen Suizidversuch, sie wurde wieder drei Monate im Krankenhaus behandelt.

Jetzt ist Elena Neuwirth 18 Jahre alt. Eigentlich würde sie in diesem Schuljahr vor der Matura stehen. Aber die Erkrankung hat die frühere Vorzugsschülerin aus der Schullaufbahn gerissen. "Ich wurde vier Mal per Sonde ernährt, hatte vier Suizidversuche und kämpfe täglich gegen meine eigenen Gedanken. Ich will mit meiner Geschichte kein Mitleid, ich will endlich gesund werden."

Die Therapien beim Psychiater reichen für Elena Neuwirth nicht aus. Für besonders schwere Fälle von Anorexie gibt es einzelne, spezielle Einrichtungen. Eine davon ist der Weidenhof in Kärnten. Dort will Elena ab dem neuen Jahr in einer Wohngemeinschaft leben. Neben Therapien findet sie dort eine Tagesstruktur vor und soll schrittweise in ein selbstständiges Leben begleitet werden. Auch eine Ausbildung soll ihr so ermöglicht werden.

Die Kosten für diese psychosoziale Rehabilitation muss Elenas Familie selbst tragen. Bis zu 2500 Euro im Monat kostet der dreijährige Aufenthalt: Zu viel für Elena und ihre Mutter.

Die 18-Jährige ist entschlossen, über den Aufenthalt in der Einrichtung zurück in ein geregeltes Leben zu finden. Sie spricht auch so offen über ihre Geschichte, weil sie anderen Betroffenen helfen will. "Ich würde künftig auch gerne im Sozialbereich arbeiten." Dazu braucht sie aber noch Hilfe.

SN-Info: Für Elenas Therapie hat die Familie ein Spendenkonto eröffnet. Das Geld fließt ausschließlich in den Therapieaufenthalt.
IBAN: AT82 3506 5000 0009 6578
Verwendung: "Therapie Elena"

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