Chronik

So erleben Salzburger die Festspielzeit

Zu teuer, eine willkommene Belebung der Stadt oder einfach nur gut fürs Geschäft? Neun Salzburger erzählen, was sie mit der Festspielzeit verbinden.

"Ist das der Moretti?", fragt Würstelstand-Wirtin Martina Verma mehr sich selbst als ihre Gäste. Sie kneift die Augen zusammen, um besser sehen zu können. Tatsächlich! Nur wenige Meter entfernt von ihrem Würstelstand auf dem Universitätsplatz nimmt ein Motorradfahrer den Helm ab und schüttelt die Frisur zurecht: Es ist Tobias Moretti, der Jedermann der Salzburger Festspiele. "So früh schon Würstel essen?", ruft er der Wirtin und ihren Gästen zu. Alle lächeln, Tobias Moretti verschwindet zwischen den Marktständen.

<strong>Würstelstand-Wirtin Martina Verma</strong> reibt sich die Augen: Ist das der Moretti<strong>?</strong> SN/STEFANIE SCHENKER
Würstelstand-Wirtin Martina Verma reibt sich die Augen: Ist das der Moretti?

"Jetzt ist er da, der Festspielsommer", sagt Martina Verma. Für sie bedeutet das mehr Arbeit und länger offen zu halten, denn manche Festspielgäste verschlägt es während einer Vorstellungspause oder auch davor an ihren Würstelstand. "Die Festspielzeit ist aber eine nette Zeit. Die Arbeiter, die die "Jedermann"-Bühne aufgebaut haben, kommen jedes Jahr wieder zu mir. Und auch sonst sind viele kuriose Gestalten unterwegs. Straßenkünstler und elegante Menschen."

Fiaker Walter Borrmann fuhr schon eine Prinzessin. SN/STEFANIE SCHENKER
Fiaker Walter Borrmann fuhr schon eine Prinzessin.

Die Prominenz und ihre Mode beschäftigen Fiaker Walter Borrmann. "Up to date sein gehört da für mich dazu." Er hatte schon eine thailändische Prinzessin und den früheren Bundespräsidenten Heinz Fischer in seiner Kutsche. Walter Borrmann nimmt sich beim Fest zur Festspieleröffnung jedes Jahr frei. Dabei gebe es viel zu sehen, so viel zu erleben, "da bin ich mittendrin".

Verkäuferin Bettina Egger SN/STEFANIE SCHENKER
Verkäuferin Bettina Egger

Den Rummel in der Stadt und dass vor allem abends mehr los ist, findet Verkäuferin Bettina Egger schön - auch wenn sie selbst nicht mittendrin ist. "Den ,Jedermann' würde ich mir schon gern einmal anschauen", sagt sie. Nur: Man bekomme keine Karten, und wenn, dann seien sie zu teuer.

Kunstmaler Igor Zindovic zeichnete schon viele der Salzburg-Stars: von Ben Becker über Veronika Ferres bis Peter Simonischek. SN/STEFANIE SCHENKER
Kunstmaler Igor Zindovic zeichnete schon viele der Salzburg-Stars: von Ben Becker über Veronika Ferres bis Peter Simonischek.

Sozusagen Tür an Tür mit dem "Jedermann" lebt Kunstmaler Igor Zindovic. Seit 26 Jahren verbringt er acht Monate im Jahr vor den Dombögen. Er hat schon viele Schauspieler gezeichnet - Veronika Ferres, Peter Simonischek, Cornelius Obonya, Ben Becker oder Nicholas Ofczarek - und auch die Szenen aus dem "Jedermann" inspirieren ihn immer wieder. Bilder, die von Festspielkünstlern signiert werden, wandern in das Atelier des Kunstmalers. Und das sind gar nicht so wenige. Den Text von Hugo von Hofmannsthal kennt er schon fast auswendig. "Gott sei Dank gibt es die Festspiele, diese Zeit ist eine wunderschöne Zeit", sagt er.

Jennifer Szolga versuchte sich als &#8222;Jedermann&#8220;-Ruferin. SN/STEFANIE SCHENKER
Jennifer Szolga versuchte sich als „Jedermann“-Ruferin.

Als "Jedermann"-Ruferin versucht hat sich Kellnerin Jennifer Szolga schon einmal. Im Haus der Musik in Wien könne man messen, wie laut die eigene Stimme zu schreien vermag. Neben Auto und Flugzeug ist der ",Jedermann'-Rufer" eine eigene Kategorie. "Ich war nicht weit entfernt", erklärt Jennifer Szolga. Viele würden glauben, dass der "Jedermann"-Ruf aufgenommen ist, Jennifer Szolga klärt ihre Bekannten dann auf. An ihrem Arbeitsplatz in einem Kaffeehaus beim Hauptbahnhof ist der Festspielrummel kaum spürbar. "Es ist Hauptreisezeit, aber die Prominenz kommt bei uns nicht an."

Mit "jeder Art von Menschen" kommen die beiden Rikscha-Fahrer Frederik Kieninger und Jan Huber während der Festspielzeit in Kontakt. Auch solche, die aufgrund ihrer eleganten Kleidung oder manchmal auffälliger Hüte eindeutig als Festspielgäste erkennbar sind. "Sie freuen sich, wenn sie in die Rikscha steigen, wollen eine entspannte Fahrt genießen und vielleicht eine Opernaufführung Revue passieren lassen", sagt Jan Huber. "Für uns ist die Festspielzeit nett, die Stadt ist viel belebter, vor allem abends", ergänzt Kieninger.

Raphael Ornetsmüller: &#8222;Arnold Schwarzenegger lieh sich bei mir ein Rad.&#8220; SN/STEFANIE SCHENKER
Raphael Ornetsmüller: „Arnold Schwarzenegger lieh sich bei mir ein Rad.“

Hochsaison bedeutet die Zeit der Salzburger Festspiele für Raphael Ornetsmüller vom Fahrradverleih auf dem Mozartplatz. Seinen Betrieb verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit mit der bis 2016 gezeigten "Jedermann"-Inszenierung. "Wir haben alle rund 15 Fahrräder gewartet, die auf der Bühne eingesetzt worden sind", berichtet Raphael Ornetsmüller. Auch abseits der Bühne hat der junge Mann interessante Festspielbegegnungen. "Arnold Schwarzenegger hat bei mir einmal Räder ausgeliehen - für sich und seine Leibwächter. Das war schon besonders."

Taxifahrer Mohsen Dhifalli: &#8222;Viele Touristen, Polizei, mehr Kontrollen.&#8220; SN/STEFANIE SCHENKER
Taxifahrer Mohsen Dhifalli: „Viele Touristen, Polizei, mehr Kontrollen.“

"Viele Touristen, Polizei, mehr Kontrollen und immer wieder prominente Fahrgäste wie zum Beispiel Opernsängerin Cäcilia Bartoli" - so beschreibt Taxilenker Mohsen Dhifalli "seinen" Festspielsommer.

"Es ist schön, dass es die Festspiele gibt", sagt Cornelia Buttinger vom gleichnamigen Bahnhofsfotogeschäft. Privat fährt sie zwar lieber an den See. Aber: "Wenn ich in der Stadt bin, dann schaue ich mir gern die Promis und ihre Outfits an." Selbst würde sie sich kein Ticket kaufen. Ihre Schwester Johanna Rettenbacher ergänzt: Wenn sie gemütlich im Garten liege, bringe auch die Festspielprominenz sie nicht mehr dazu, in die Stadt zu fahren.

&#8220;Cornelia Buttinger und Johanna Rettenbacher sind im Sommer lieber gemütlich im Garten oder an einem See als bei der Festspielprominenz. SN/STEFANIE SCHENKER
“Cornelia Buttinger und Johanna Rettenbacher sind im Sommer lieber gemütlich im Garten oder an einem See als bei der Festspielprominenz.

Aufgerufen am 30.11.2021 um 01:14 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/so-erleben-salzburger-die-festspielzeit-36724891

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