Chronik

Sonnenfinsternis: Salzburger pilgerten zu ihrer Sternwarte

Hunderte Salzburger pilgerten zur Sternwarte am Voggenberg, um unter fachkundlicher Anleitung die partielle Sonnenfinsternis zu erleben. Das Interesse war österreichweit ein großes.

"Als Jugendlicher wollte ich gern Astronomie studieren, die Weiten des Universums haben mich immer fasziniert und faszinieren mich heute noch. Daher beobachtete ich soeben das seltene Spektakel der partiellen Sonnenfinsternis am Heldenplatz. Ein tolles Erlebnis, das wir so schnell nicht wieder erleben werden." Das postete Freitagmittag niemand Geringerer als Bundespräsident Heinz Fischer auf Facebook. Und unser Staatsoberhaupt war nicht allein. Österreichweit harrten zahlreiche Menschen im Freien, viele ausgerüstet mit Schutzbrillen und Folien vor ihren Fotoobjektiven, auf das Naturschauspiel. Der vor der Sonne vorbeiziehende Mond verdeckte letztlich bis zu zwei Drittel der Sonne.

"Die Bedingungen waren perfekt", sagte Helmut Windhager, Leiter der Arbeitsgruppe Astronomie des Hauses der Natur in Salzburg. Der ÖBB-Manager moderierte am Vormittag vor der kleinen Sternwarte am Voggenberg in Bergheim vor rund 300 interessierten Besuchern das Geschehen, darunter auch viele Kinder der Volksschule Mödlham. Während die Kinder augenscheinlich bald das Interesse an dem "In-die-Sonne-Schauen" verloren und lieber Fangen spielten, versuchten viele Fotografen die teilweise Sonnenfinsternis festzuhalten. Perfekte Bilder dürfte Rochus Heß angefertigt haben. Die Kamera mit einem 480-Millimeter-Objektiv, verbunden mit einer aus zwei Autobatterien betriebenen Mechanik, die die Erd-, Mond- und Sonnenbewegung genau nachverfolgte, "schoss" etwa 400 Fotos.

"Wir werden daraus eine Animation, die 20 Sekunden dauern soll, anfertigen", erklärte er unmittelbar vor dem Maximum der partiellen Sonnenfinsternis. Zu diesem Zeitpunkt starrten viele durch ihre Brillen in den Himmel, einige hatten gar Schweißerschutzbrillen aus Werkstätten mitgebracht, die ebenso ein gefahrloses Betrachten der Sonne ermöglichten, wenn auch in einem gefärbten Licht. Ähnliches berichteten Mitarbeiter des Hauses der Natur auch von ihrer Terrasse in der Stadt: "Es waren einige Hundert Leute da, wir waren voll", erzählten sie.

Die vielen Beobachter waren offenbar gut geschützt: "Wir haben bislang keinen einzigen Einsatz wegen Augenschäden bekommen", bestätigte am Nachmittag auf Anfrage ein Mitarbeiter Rotkreuz-Leitstelle in Salzburg. Manche Volksschulen haben einen Ausflug ins Freie zum Sonnenfinsternis-Schauen von vorhinein verboten, weil aufgrund fehlender Schutzbrillen nicht für die Sicherheit der Kinder gesorgt werden konnte.

Wer am Freitag dieses Naturschauspiel verpasst hat, muss nun einige Jahre warten: Die nächste von Österreich aus zu sehende partielle Sonnenfinsternis findet am 10. Juni 2021 statt. Wer in Zukunft eine totale Sonnenfinsternis, wie zuletzt 1999, erleben will, muss sich bis ins Jahr 2081 gedulden. Eine totale Sonnenfinsternis am gestrigen Freitag hat es im Bereich Nordatlantik gegeben. Doch die Tausenden Menschen, die extra auf die Färöer-Inseln gereist waren, wurden bitter enttäuscht: Eine dichte Wolkendecke verhinderte jeglichen Anblick. Wer nicht bis 2081 auf eine totale Sonnenfinsternis warten möchte, müsste am 9. März 2016 in Indonesien sein. Dort stehen die Chancen auf einen wolkenfreien Himmel etwas besser.

Am Voggenberg bei Bergheim waren die Gäste rund um das Naturschauspiel zufrieden. Helmut Windhager bekam auch mehrmals Applaus. "Ein bisserl kühler ist es aber schon geworden, aber das muss man gesehen haben", sagte dann eine ältere Dame, die sich anschließend beim nahen Windischgut an der Hausmauer in der dann voll strahlenden Sonne wieder etwas aufwärmte.

Aufgerufen am 20.06.2018 um 09:00 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/sonnenfinsternis-salzburger-pilgerten-zu-ihrer-sternwarte-2640535

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