Chronik

St. Koloman: Anfang März sperrt der "Goldene Stern" zu

Wirt Matthias Rettenbacher schließt das Wirtshaus und damit auch den einzig verbliebenen großen Veranstaltungssaal des Ortes. Hintergrund ist das jahrelange Tauziehen um sein Steinbruchprojekt am Sommeregg-Riedl.

Für Matthias Rettenbacher gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang, für die Gemeinde sind es zwei paar Schuhe und für die Gegner des Steinbruchs ist es Erpressung: Seit Monaten hatte der Wirt vom "Goldenen Stern" mit der Schließung des Gasthauses gedroht, wenn die Gemeinde ihn nicht bei seinem Steinbruchprojekt am Sommeregg-Riedl unterstütze. Ihm zufolge hätten ihm Bürgermeister Willi Wallinger (ÖVP) und Vizebürgermeister Herbert Walkner (ÖVP) dies zugesagt, wenn das Gasthaus offenbleibe.

Ende November aber ging eine geheime Abstimmung in der Gemeindevertretung mit 10:4 gegen das Projekt aus (konkret ging es um eine Umwidmung von rund 100 Hektar der Alpinen Ruhezone für den Steinbruch) - nicht zuletzt deshalb, wie Rettenbacher sagt, weil Vize-Bgm. Walkner der ÖVP-Mehrheitsfraktion bei Befürwortung des Projekts gedroht habe, seine Bürgermeisterkandidatur wieder zurückzuziehen. Weitere Gespräche mit der Gemeinde über eine mögliche Pacht des Saales scheiterten, nun macht Rettenbacher ernst - nach dem Feuerwehrball am 2. März wird zugesperrt, nur bereits zugesagte Hochzeiten und Feiern finden noch statt. Weitere Pläne für das Haus gebe es bereits, dazu wolle er sich aber frühstestens in ein paar Monaten äußern, so Rettenbacher im TN-Gespräch.

"Gasthaus, Erdbewegungsfirma und Steinbruch sind ein Unternehmen"

Für ihn sind das Gasthaus und die Erdbewegungsfirma, die er ebenfalls betreibt, zwei Standbeine eines Unternehmens: "Ich muss das Haus sanieren und viel investieren, das kann ich mit dem Gasthaus nie erwirtschaften, deshalb muss ich anders das Volumen erhöhen." Der geplante Steinbruch als dritter Teil der Firma hätte das erreichen sollen.

"Da machen wir uns ja lachhaft"

Sowohl Bgm. Wallinger als auch Vize-Bgm. Walkner betonen dagegen, eine Zusage auf Abänderung der Alpinen Ruhezone habe es nie gegeben: "Da gab es von uns von Anfang ein klares Nein, sonst machen wir uns ja lachhaft. Damit will er aus meiner Sicht nur die Schließung des Gasthauses rechtfertigen können und uns den Schwarzen Peter zuschieben", sagt Wallinger im TN-Gespräch. Walkner meint: "Wir haben gesagt, wir können die zwei Sachen nicht miteinander verbinden, wir können nicht die Ruhezone ändern, um Gasthaus zu erhalten. Er sieht das als Einheit, weil er es finanziell als Einheit braucht, aber wir können das nicht so sehen. Wir würden auch den Erhalt des ,Stern' irgendwie unterstützen, z. B. mit Saalmiete, aber der Steinbruch und die Ruhezone, das ist eine ist eigene Sache."

Druck auf die Gemeindevertreter habe es nicht gegeben, sagt Bgm. Wallinger: "Ich habe jedem freie Hand gelassen, deswegen war es nicht einstimmig. Prinzipiell habe ich gewusst, dass einige aus dem Wirtschaftssektor ihm die Freiheit lassen wollten. Es hat schon mehrfach Abstimmungen gegeben, bei denen in der Fraktion jemand dagegen war." Vize-Bgm. Walkner betont diesbezüglich im TN-Gespräch: "Ich habe nur gesagt, es ist schwierig, eine Änderung der Alpinen Ruhezone unterstützen, und dann als Bürgermeister zu kandidieren. Dann überlege ich mir eine Kandidatur noch einmal."

Das Gasthaus ist seit mehr als 50 Jahren in Familienbesitz. Matthias Rettenbachers Vater hatte das alte Gasthaus abgerissen, neu gebaut und um Gästezimmer erweitert. Rettenbacher hatte das Haus 1998 übernommen. Im TN-Gespräch Mitte 2018 hatte er erklärt: "Die Sanierung des Hauses kostet grob geschätzt 1,5 Millionen Euro, allein die Brandschutzmaßnahmen würden 250.000 bis 300.000 Euro kosten, damit es genehmigungsfähig ist. Das kann ich mit meiner Firma, so wie sie jetzt ist, nie erwirtschaften." Die drohende Schließung des Gasthauses, wenn das Steinbruchprojekt nicht vorangetrieben werde, sei daher auch keine Erpressung, wie manche meinten, sondern schlicht unternehmerische Notwendigkeit: "Wenn jemand ein anderes Konzept hat, wie ich das Gasthaus erhalten kann, bitte gern."

Aufgerufen am 19.08.2019 um 02:05 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/st-koloman-anfang-maerz-sperrt-der-goldene-stern-zu-64212046

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