Chronik

Stadtpolitik debattiert über Fußball-Fanmärsche bei Red Bull-Spielen

Die Neos hätten gern ein Fanmarschkonzept für die Stadt Salzburg gesehen. Denn nicht immer sind in der Vergangenheit ausländische Fangruppen friedlich durch die Altstadt gezogen. Am Mittwoch haben auch etliche Fußballfans im Gemeinderat darüber diskutiert.

Fanmarsch der Anhänger von Roter Stern Belgrad durch Salzburg im August 2018.  SN/robert ratzer
Fanmarsch der Anhänger von Roter Stern Belgrad durch Salzburg im August 2018.


Red Bull Salzburgs spielt heute, Mittwoch, ab 21 Uhr in der Champions League vor vollem Haus gegen SSC Napoli im Stadion in Kleßheim. Am 10. Dezember wird mit dem FC Liverpool sogar der Titelverteidiger in Salzburg gastieren. Aus diesem Anlass hat der Salzburger Gemeinderat Mittwochvormittag in der aktuellen Stunde über die Fanmärsche in der Salzburger Innenstadt debattiert.

Neos fordern ein Fanmarschkonzept

Die Neos haben das Thema aufs Tapet gebracht. Sie wollen ein Fanmarschkonzept. Gemeinderat Lukas Rößlhuber sagte, es sei erfreulich, dass Salzburg nun im internationalen Fußball angekommen ist. "Es gibt aber auch ein paar Dinge, über die wir als Gastgeber diskutieren sollten." Denn bei Fanmärschen in der Vergangenheit habe es Sachbeschädigungen, Tumulte und Brandstiftungen gegeben. ÖVP-Gemeinderat Harald Kratzer weiß das aus eigener Erfahrung. Der Gastronom blieb auf einem Schaden von mehreren Tausend Euro sitzen, nachdem Marseille-Fans 2018 einen Teil seines Gastgartens zerstört hatten. "Diese Situationen brauchen wir nicht mehr und wir könnten sie auch vermeiden", sagt Neos-Gemeinderat Rößlhuber deshalb. Der Treffpunkt für Fans müsse nicht immer mitten in der Stadt sein. "Bei Auswärtsspielen gibt es Vorgaben von Städten. Und darum geht es", sagt Rößlhuber.

SPÖ: Fangruppen aus Altstadt auszusperren, ist falsches Signal

SPÖ-Gemeinderat Sebastian Lankes reagierte darauf, dass es nicht das richtige Signal sei, Fußballfangruppen aus der Altstadt auszusperren. Alle Sportfans seien herzlich willkommen in Salzburg. Und dass Lankes Fußballfan ist, durfte der Gemeinderat dann auch wissen: "Hurra, Hurra, die Salzburger sind da!", meinte Lankes.
Auf Einladung von Bürgermeister Harald Preuner war Red-Bull-Geschäftsführer Stephan Reiter und für die Polizei Bernhard Rausch zur Sitzung eingeladen. Reiter schilderte, dass man vor jedem Spiel mit Polizei und Vereinen in Kontakt sei.

Die Fans von Napoli würden Mittwochabend mit Shuttlebussen vom Hanuschplatz zum Stadion gebracht. Nicht alles könne der Verein beeinflussen, etwa wenn es Ultra-Bewegungen bei Fans der Gastmannschaften gebe. "Die Abstimmung selbst läuft immer mit dem Fanbetreuer direkt zum Verein. Es wird ein Treffpunkt und eine Route vorgeschlagen. Es ist aber natürlich oft schwer absehbar, wie brisant ein Spiel für einen Verein ist. Da passiert vieles kurzfristig."

Bei den Liverpool-Fans würde im Dezember sogar die Exekutive mitreisen. "Unsere Fans sind sehr kultiviert. Vereine, die wir zu Gast haben, sind leider nicht immer so aufgesetzt. Die lassen sich von uns auch nicht immer so leicht beeinflussen", sagt Reiter. Generell gelte, dass maximal 1500 Tickets (fünf Prozent der Stadion-Kapazität) für den Gästesektor vorgesehen seien. "Ich würde mich freuen, wenn man auch die positiven Dinge von solchen Fanmärschen über Red Bull Salzburg bringen würde. Es gibt ja auch viele positiven Bilder", sagt Reiter.

ÖVP-Bgm. Preuner: Gästefans wollen mitten in die Stadt

Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) argumentierte, dass man regelmäßig in Kontakt stehe mit dem FC Red Bull und der Polizei. In der Vergangenheit habe es mehrfach Fangruppen gegeben, die ganz unterschiedlich reagiert hätten. Je nach Fußballclub müsse man das differenzierter betrachten. "Wir haben vor einigen Jahren bereits geprüft, ob es möglich wäre, für die Fans fixe Plätze zu definieren, beim Volksgarten oder Mirabellplatz. Aber die Fans wollen einfach mitten in die Stadt, sie wollen sich die Stadt Salzburg ansehen."

FPÖ: Es gibt wichtigere Themen zu diskutieren

FPÖ-Klubchef Andreas Reindl "outete" sich am Mittwoch als Austria-Salzburg-Fan. Allerdings stellte Reindl die Wichtigkeit des Themas in Frage. "Es gäbe wirklich wichtigere Themen, die wir hier in der Stadt zu diskutieren hätten, etwa die hohen MIeten, den Pflegemangel, die direkte Demokratie, aber nicht die Fanmärsche." Fankultur sei wichtig, keine Frage. "Ich habe das größte Vertrauen in unsere Vereine und Sicherheitsbehörden. Ich halte nichts davon, dass wir zu einer Verbotsstadt mutieren und alles verbieten und regeln." Wenn es möglich sei, kürzere und sicherere Marschrouten anzubieten und diese zu kontrollieren, dann sei wohl allen geholfen, meinte Reindl.

Auch die anderen Parteien sahen keine Probleme mit Fanmärschen durch die Stadt. "Die Stadt ist ein öffentlicher Raum, da haben auch Sport- und Fanmärsche Platz. Wenn es den Festspielen erlaubt ist, die Stadt wochenlang in Beschlag zu nehmen, dann ist auch Platz für Fanmärsche. Die Altstadt ist ein öffentlicher Raum, kein Friedhof", sagte Kay-Michael Dankl (KPÖplus).


Dass die Polizei im Vorfeld genug ausgearbeitete Pläne für Fans habe, fand auch Christoph Ferch (Liste SALZ). Als einzige Frau in der Fußballdebatte argumentierte Bürgerlisten-Klubchefin Inge Haller. Das Problem seien wohl nicht die Fanmärsche an sich, sondern der Alkoholkonsum. Dass es Risiko-Fans gebe, sei bekannt. "Und ich gehe davon aus, dass Stadt, Polizei und Red Bull dafür gerüstet sind", sagte Haller.

Polizei: Was die Fans genau vorhaben, ist nicht beeinflussbar


Bernhard Rausch von der Salzburger Polizei schilderte den Gemeinderäten, wie sich die Polizei auf solche internationalen Fußballspiele vorbereite. "Sobald wir wissen, welche Mannschaften und Fans nach Salzburg kommen, kontaktieren wir den ausländischen Verein. Wir haben Kontakte zu szenekundigen Beamten. Von diesem Bereich bekommen wir die besten Informationen. Da lässt sich viel ausloten - welche und wie viele Fans kommen und was sie planen", sagt Rausch. Man könne nicht beeinflussen, was die Fans vorhaben.

Fanmärsche zu untersagen ist rechtlich gar nicht möglich

"Wir können auch nicht unterbinden, dass sie in die Stadt gehen. Das sind ganz normale Touristen", sagt der Polizeibeamte. "Wir versuchen aber immer, herauszufinden, ob es einen Fanmarsch gibt. Eine rechtliche Möglichkeit, den Fanmarsch zu untersagen, gibt es aber nicht. Wir können nur das Beste daraus machen und sind hier auch in sozialen Medien aktiv, um herauszufinden, wo sich die Fans treffen", sagt Rausch. Einfluss nehmen könne die Polizei dann, wenn es Sicherheitsbedenken gebe. Teilweise sei es aber sehr schwierig, mit den Fans von Gastmannschaften in Kontakt zu treten. "Wir evaluieren jeden Einsatz auf Routenführung, Verkehrsplanung und Personaleinsatz. Wir gehen mit den Fans den kürzesten Weg zum Stadion. Und das ist aus unserer Sicht gar nicht so schlecht", sagt der Polizeibeamte.

Aufgerufen am 29.11.2021 um 12:22 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/stadtpolitik-debattiert-ueber-fussball-fanmaersche-bei-red-bull-spielen-78128404

Kommentare

Schlagzeilen