Sichere Schulwege bremsen Eltern

Appelle und Verbote halten Eltern nicht ab, ihre Kinder zur Schule zu kutschieren. Zebrastreifen und Ampeln schon. Und Kinder, die Dampf machen.

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Standpunkt Barbara Haimerl

Kurz vor acht wird's ab Montag vor vielen Salzburger Schulen wieder hektisch zugehen. Beobachter kennen das Szenario: Ein Pkw nach dem anderen fährt vor, der Motor läuft, die Tür geht auf. Bepackt mit Schultasche oder Rucksack zwängen sich die Kinder aus dem Auto. Ihr Schulweg beträgt die paar Meter bis zur Schultür. Weil Parkplätze rar sind, halten die Autos auch in zweiter Spur oder stehen kreuz und quer. Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, müssen zwischen an- und abfahrenden Autos durch.

Alles in allem ein hektischer Start in den Tag - und ein gefährlicher dazu. Zu Mittag oder am Nachmittag wiederholt sich das Theater, diesmal in Form des elterlichen Abholservice.

Elterntaxis nehmen nicht nur vor Volksschulen überhand, sie sind genauso vor Mittelschulen oder Gymnasien in Stadt und Land anzutreffen. In Salzburg kommt mehr als jeder vierte Schüler zwischen sechs und 14 Jahren im Auto zur Schule. Direktoren berichten einhellig, dass die in Elternbriefen oder an Elternabenden geäußerte Bitte, die Kinder doch zu Fuß oder mit Öffis in die Schule zu schicken, ungehört verhallt. Sogar Fahrverbote vor Schulen werden ignoriert.  Gründe für die Fahrerei gibt es viele: Morgendlicher Zeitdruck. Für viel beschäftigte Eltern ist die Autofahrt vielleicht die einzige gemeinsame Zeit mit ihren Kindern. Das Wetter. Bequemlichkeit. Pragmatismus. Liegt die Schule auf dem Weg zur Arbeit, ist es verlockend, die Kinder ins Auto zu setzen und quasi im Vorbeifahren "abzuladen". Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn es die Ausnahme bleibt.

Manche Eltern treibt die Angst um, dass ihren Kindern auf dem Schulweg - unabhängig vom Verkehr - etwas zustoßen könnte. Erziehungswissenschafter sind sich einig: Vertrauen ins Leben macht Kinder stark, Überbehütung lässt sie zu unselbstständigen, ängstlichen Menschen heranwachsen.

Dann gibt es noch die Gruppe jener Eltern, die ihre Kinder notgedrungen fahren müssen, weil sie abgelegen wohnen, weil die Schule zu weit weg ist, weil gute Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fehlen oder auf dem Schulweg Gefahrenstellen lauern, die nicht umgangen werden können. Sie haben keine andere Wahl, als Taxi zu spielen.

Es ist Aufgabe von Gemeinden und Verkehrsplanern, den öffentlichen Raum für Schüler so zu gestalten, dass ihn die Kinder so gefahrlos wie möglich und auf eigene Faust erfahren können. Risiken im Straßenverkehr lassen sich nie völlig ausschalten. Sie lassen sich aber bei entsprechendem Willen minimieren. Und: Kinder können den Umgang damit lernen. Experten werden nicht müde zu betonen: "Eltern, traut euren Kindern zu, dass sie den Schulweg bei entsprechendem Üben allein bewältigen."

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit und die AUVA erstellen Schulwegpläne, mit deren Hilfe Gefahrenstellen aufgezeigt und nach Möglichkeit entschärft oder aus dem Weg geräumt werden. Dafür arbeiten die Schulleitung, Vertreter der Eltern und der Gemeinde, die Polizei und im Idealfall auch die Bezirkshauptmannschaft zusammen. Oft fehlen Ampeln, Zebrastreifen oder ein Gehweg. Oft ist es aber nur eine Hecke, die geschnitten werden muss, damit eine Stelle übersichtlicher wird. Die Zahl der Schulwegunfälle liegt seit Jahren auf niedrigem Niveau. Im Vorjahr kam es im Bundesland zu 45 Unfällen, bei denen 49 Kinder auf dem Schulweg verletzt wurden. Die Statistik sagt nichts darüber aus, ob die Kinder im Auto saßen oder zu Fuß gingen.

Raser vor Schulen gehören gnadenlos eingebremst. Das setzt Kontrollen voraus - nicht nur zu Schulbeginn. Man möchte meinen, dass es selbstverständlich ist, an Schutzstreifen anzuhalten, wenn Kinder sich anschicken, die Straße zu überqueren. Würden sich alle daran halten, bräuchte es keine Schülerlotsen und Schulwegpolizisten. Sie tragen dazu bei, dass Eltern ihre Kinder beruhigt zu Fuß in die Schule schicken können. Mit der Fahrt im Auto enthalten Eltern ihren Kindern wertvolle Erfahrungen vor. Sie lernen auf dem Schulweg, sich den Raum anzueignen, ihre Zeit zu planen und Selbstständigkeit. Außerdem lassen sich trefflich Freundschaften knüpfen und Schulerlebnisse verarbeiten. Genial ist die Idee, die einige Schulen bereits umsetzen. Sie statten den Schulweg mit Abenteuerstationen aus. Da kann die Autorückbank nicht mithalten.

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