Chronik

Starkregen: Tamsweg kam mit dem Schrecken davon

Ein Bach drohte über die Ufer zu treten und Teile des Ortes zu überfluten. Das Land verhängte Zivilschutzalarm, Einsatzkräfte verhinderten eine Katastrophe.

Anrainer Helmut Müller hat zuletzt 1966 einen vollen Leisnitzbach erlebt. SN/hannes perner
Anrainer Helmut Müller hat zuletzt 1966 einen vollen Leisnitzbach erlebt.

Am Dienstag hatte Helmut Müller noch im Leisnitzbach gebadet. Am Mittwoch drohte das Gewässer, das direkt an seinem Haus vorbeiführt, Teile Tamswegs zu überfluten. Der 77-jährige Pensionist kann sich erinnern, wann die Leisnitz zuletzt so voll gewesen war. "Das war 1966. Dass sie so schnell anschwillt, habe ich schon lange nicht mehr gesehen."

Anhaltende Starkregenfälle und Verklausungen an den vielen Brücken hatten zu einer bedrohlichen Situation geführt.

Zivilschutzalarm für Tamsweg

Am späten Mittwochvormittag gab das Land einen Zivilschutzalarm für Tamsweg, speziell für den unteren Marktbereich, aus. "80 Feuerwehrleute waren im Einsatz, sie mussten mehrere Wohnhäuser auspumpen. Uns wurden allein in Tamsweg 18 Schadensstellen gemeldet", sagte der stellvertretende Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Lungau, Daniel Mettnitzer, am Nachmittag.

Durch eine Regenpause entspannte sich die Situation rund um den Leisnitzbach, die Feuerwehr nutzte das Zeitfenster, um Geschiebematerial zu entfernen. Am Abend gab es eine erste Entwarnung, die Pegelstände gingen zurück, der Zivilschutzalarm wurde um 17.30 Uhr aufgehoben. Bürgermeister Georg Gappmayer (ÖVP): "Wir atmen vorsichtig durch, auch weil der weitere Wetterbericht ganz gut aussieht. Wir bleiben aber natürlich in Alarmbereitschaft." Von Personenschäden bzw. größeren Gebäude- und Flurschäden sei der Ort verschont geblieben.

Ramingstein ebenfalls stark betroffen

Die zweite stark von den Niederschlägen betroffene Lungauer Gemeinde war am Mittwoch Ramingstein. Eine Serie von Murenabgängen forderte die örtliche Feuerwehr und zur Unterstützung angerückte Kollegen aus den Nachbargemeinden. Zu einem folgenschweren Unfall kam es in den Morgenstunden. Ein Rüstlöschfahrzeug der freiwilligen Feuerwehr stürzte auf dem Weg zu einem Einsatz ab, überschlug sich und blieb am Ende einer rund 30 Meter hohen Böschung auf Höhe des Bahndamms der Murtalbahn liegen. Sechs Feuerwehrleute wurden verletzt, keiner lebensgefährlich. Der genaue Hergang wird ermittelt. Ein Alkotest beim Fahrer verlief negativ.

Schienenersatzverkehr auf der Murtalbahn

Die Murtalbahn musste nach dem Unfall gesperrt werden, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

In Göriach waren 16 Personen im sogenannten Hüttendorf durch eine Mure von der Außenwelt abgeschnitten. "Es besteht telefonischer Kontakt, alle sind wohlauf", sagte Mettnitzer. "Wir sind dabei, mit schwerem Gerät die Straße wieder freizuräumen", sagte Bezirksfeuerwehrkommandant Johannes Pfeifenberger. Dies werde zumindest bis Donnerstag dauern.

Erschwerend für die Einsatzkräfte im Lungau kam hinzu, dass am Aineck in St. Margarethen eine Almhütte nach einem Blitzschlag in Brand geriet. Auch diesen Löscheinsatz habe man gut bewältigt, sagt Pfeifenberger. "Ein Kompliment und Danke an alle, es halfen hier im Lungau wieder einmal alle zusammen", sagte der stellvertretende Katastrophenschutzreferent. Insgesamt waren rund 350 Feuerwehrleute im Einsatz.

Ein Feuerwehrauto stürzte in Ramingstein ab.  SN/privat
Ein Feuerwehrauto stürzte in Ramingstein ab.

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Von Ulrich Schlick
09. August 2022
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