Chronik

Stau-Chaos in Salzburg: Pannenstreifen wird geöffnet

Die Stadt will Busspuren, der ÖAMTC Parkhäuser, das Land die Stadtbahn. Die Asfinag will Pannenstreifen öffnen, um das Stauchaos in und um Salzburg zu lösen.

Stau in und rund um Salzburg: Ein tägliches Ärgernis.  SN/robert ratzer
Stau in und rund um Salzburg: Ein tägliches Ärgernis.

Es waren nur zwei schadhafte Betonfelder mit je 3,75 mal fünf Meter, die Montagabend ab 20 Uhr auf der Westautobahn erneuert wurden. Aber weil der Beton unweit der Betriebsumkehr Hallwang zwei Stunden später hart wurde als geplant, standen Dienstag früh Tausende Pendler, auch auf den Zubringerstrecken, im Stau. Asfinag-Projektleiter Nico Hosp rätselt über die Ursachen: "Solche Baustellen gab es seit August von Mondsee bis Salzburg einige. Die sind alle problemlos abgelaufen."

Bis Ende Oktober sollen weitere Schäden an der Betondecke behoben werden. Dass die Kälte in der Nacht auf Dienstag das Problem war, glaubt Hosp nicht: "Für die Witterungsverhältnisse werden Vorkehrungen getroffen. Da hat aber bei der Baufirma die Dosierung der Beton-Rezeptur nicht gepasst."

Die Minibaustelle, die den Megastau verursacht hat, zeigt, wie anfällig das Straßennetz rund um die Landeshauptstadt ist. Sobald nur eine Kleinigkeit aus dem Ruder läuft, ist die Gefahr hoch, dass alles steht. Nur: Welche Lösung die beste gegen das Stauchaos ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Weil für Bgm. Heinz Schaden (SPÖ) die Stadtregionalbahn aus Kostengründen nicht infrage kommt, setzt er neuerdings lieber auf Busspuren. Beim ÖAMTC stößt man damit auf wenig Gegenliebe. Pressesprecherin Aloisia Gurtner sagt, sie fahre täglich mit dem Obus zur Arbeit und habe eine Öffi-Jahreskarte. "Es ist fast ein Akt der Hilflosigkeit der Stadt, jetzt mehr Busspuren zu fordern. Damit wird nichts Generelles geändert. Im Gegenteil: Es kann dazu führen, dass es noch mehr Staus gibt." Auch eine Citymaut, mit der Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) liebäugelt, sei keine Lösung, sagt Gurtner: "Das wäre ein Aussperren der Leute und kein gutes Signal." Denn eine Citymaut würde viele treffen, die dafür sorgten, dass es Salzburg gut gehe - wie Pendler und Touristen.

Gurtner fordert, dass Stadt und Land eine gemeinsame Lösung finden müssten: "Aber wir haben nicht den Eindruck, dass man das möchte." Sie betont aber, dass auch leistungsfähige Öffi-Verbindungen wichtig wären - wie etwa eine Stadtregionalbahn. Die allein sei aber nicht genug: "Was man auch braucht, ist der Ausbau der Park-&-Ride-Plätze auf allen Zufahrtsrouten." Wenn die Öffi-Anbindung aus der Region gut sei, sollten diese Gratis-Parkplätze in der Region sein. "Wenn nicht, sollte es Parkhäuser am Stadtrand geben - wie in Wien-Hütteldorf. Und von dort sollte es gute Anbindungen in die Innenstadt geben - also Busse, Obusse oder die S-Bahn." Ihrer Meinung sollte es ein Parkhaus zwischen B156 und S-Bahn in Bergheim geben; eines unweit der Abfahrt Salzburg-Nord sowie eines in Anif.

Bei Verkehrslandesrat Hans Mayr (SBG) rennt Gurtner damit offene Türen ein: "Wir werden zwischen 2013 und 2018 landesweit mindestens 600 neue Park-and-Ride-Plätze gebaut haben. Im Idealfall sind es sogar 1000", sagt er. Allein 2017 würden fix 350 neue Abstellplätze gebaut; weitere 120 befänden sich in Planung. 2018 sollen fix 180 Plätze errichtet werden, weitere 360 seien in Planung.

Dass es Dienstag früh wegen einer Minibaustelle zu einer Megabaustelle kam, hat auch Mayr geärgert: "Es gibt auch mangelnde Sensibilität im Beamtenbereich, was geht und was nicht. Unser Hauptproblem ist aber, dass es viel zu viele Autos für das Salzburger Straßennetz gibt. Und die Autos werden in den nächsten sechs bis acht Jahren noch mehr werden." Er denkt laut darüber nach, dass die Stadt Salzburg das Parken verteuern solle: "Ich schaue mir an, was passiert, wenn das Parken pro Stunde drei Euro kostet." Mayr will aber auch die Bürger besser informieren: "Viele rufen bei uns an, beschweren sich, wissen aber gar nicht, dass es Bus und Bahn als Alternative gibt." Die geplante Busspur-Offensive der Stadt greift für ihn zu kurz: "Denn wir planen auch Busspuren für die Regionalbusse vom Flachgau in die Stadt. Das sollten wir zusammenführen."

In eine ganz andere Richtung plant hingegen die Asfinag: Hier geht man davon aus, dass man ab Herbst 2019 auch den Pannenstreifen zwischen Salzburg-Nord und Wallersee für den Verkehr freigeben kann - als eines von drei Pilotprojekten in Österreich. Asfinag-Projektleiterin Martina Schumacher: "Wir sind gerade bei der Planung. Die Pannenstreifen-Freigabe soll aber, je nach Bedarf, auf wenige Stunden in der Morgen- und der Abendspitze begrenzt werden." Man erwarte sich davon, "den Pendlerverkehr sicherer und entspannter zu machen", sagt Schumacher. Pilotprojekte dazu gebe es bereits in der Schweiz, in Holland und in Bayern - wo in der Stoßzeit der Pannenstreifen von München hinaus zum Flughafen für den gesamten Verkehr geöffnet wird.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 09:12 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/stau-chaos-in-salzburg-pannenstreifen-wird-geoeffnet-984292

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