Chronik

Steinbruchprojekt in St. Koloman spaltet das Dorf

Seit einem Jahr wird wieder über das Steinbruchprojekt von Goldener-Stern-Wirt Matthias Rettenbacher verhandelt. Am Donnerstag, 26. Juli, wird das kontroverse Thema in der Gemeindevertretung diskutiert.

Fünf Mal hat der Bürgerbeirat in St. Koloman zum Thema Steinbruch getagt. Externe Experten hatten die Beteiligten bei Bedarf beraten, zum Beispiel über einen möglichen zweispurigen Ausbau der Tauglbodenstraße oder die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Das Gesprächsklima zwischen Projektbetreiber, Anrainern und Gegnern, Almbauern sowie den Gemeindevertretern war sehr gut, da sind sich alle einig. Beide Seiten näherten sich an, Rettenbacher belegte die Wirtschaftlichkeit des Projekts, reduzierte die Zahl der Lkw-Fahrten und die Betriebszeiten. Eine endgültige Einigung kam aber nicht zustande. Vor allem der Ausbau der Tauglbodenstraße ab Gmainbauer bis zur Abzweigung zum geplanten Steinbruch am Sommeregg-Riedl blieb ein Streitpunkt.

"Es geht nicht um Steinbruch ja oder nein"

Nun hat Rettenbacher wieder einen Gang zugelegt: Auf seinen Antrag hin muss sich die Gemeindevertretung am Donnerstag, 26. Juli (19.30 Uhr), noch einmal mit dem Thema beschäftigen. "Es geht nicht um Steinbruch ja oder nein, das wird völlig falsch dargestellt, das kann die Gemeinde ja gar nicht entscheiden, dafür sind sie ja gar nicht zuständig", betont der Unternehmer. "Es geht darum, ob die Gemeinde bereit ist, den letzten Wirt in St. Koloman zu unterstützen." Denn Rettenbacher sieht den Steinbruch lediglich als Expansion seiner Geschäftstätigkeit (er betreibt das Gasthaus Goldener Stern sowie eine Erdbewegungsfirma), als einzige Möglichkeit, das Gasthaus weiter zu betreiben - und damit auch den letzten großen Veranstaltungssaal des Dorfes. "Die Sanierung des Hauses kostet grob geschätzt 1,5 Millionen Euro, allein die Brandschutzmaßnahmen würden 250.000 bis 300.000 Euro kosten, damit es genehmigungsfähig ist. Das kann ich mit meiner Firma, so wie sie jetzt ist, nie erwirtschaften." Die drohende Schließung des Gasthauses, wenn das Steinbruchprojekt nicht vorangetrieben werde, sei daher auch keine Erpressung, wie manche meinten, sondern schlicht unternehmerische Notwendigkeit: "Wenn jemand ein anderes Konzept hat, wie ich das Gasthaus erhalten kann, bitte gern."

Schon vor acht Jahren wurde das Projekt verhandelt und heiß diskutiert

Die Argumente der Gegner haben sich seit der ersten Verhandlung des Projekts vor rund acht Jahren nicht verändert: die Lage des Steinbruchs in einer "Alpinen Ruhezone" und im Wasserschongebiet, mangelnde Verkehrsanbindung und Lärmbelästigung durch die Lkw-Fahrten. Damals stimmte die Gemeindevertretung gegen das Projekt und auch die Bezirkshauptmannschaft als zuständige Behörde lehnte das Steinbruch-Ansuchen in erster Instanz in den Bereichen Wasserrecht und Mineralrohstoffrecht ab. Das Land als übergeordnete Instanz hob den Bescheid kurz darauf wegen verfahrensmängeln wieder auf. Matthias Rettenbacher ließ das Verfahren aber einige Zeit auf sich beruhen und startete erste 2017 einen neuen Anlauf - unter verbesserten Bedingungen für die Anrainer, wie er betont, mit eingeschränkten Arbeitszeiten und weniger Lkw-Fuhren.

"Außer Rettenbacher hat niemand etwas von dem Projekt"

Das besänftigt die Betroffenen aber nicht in ihrem Widerstand gegen das Projekt: "Außer Herrn Rettenbacher hätte keiner einen Vorteil von dem Projekt, aber viele hätten gravierende Nachteile zu tragen", sagt Peter Böhm. Als Anrainer an der Tauglbodenstraße ist er gemeinsam mit dem Vitalhotel Sommerau einer der Hauptleidtragenden. "Das Dorf ist in zwei Lager gespalten, durch die Drohung, das Gasthaus zu schließen, hat sich die Lage noch verschärft. Wir sind sehr unglücklich, dass das Thema nach so vielen Jahren wieder hochkommt, jeder ist dessen schon müde."

Bürgermeister: "Die Neuabstimmung als Gemeinde tut mir sehr weh"

Auch Bürgermeister Willi Wallinger ist wenig glücklich mit der Situation: "Es hat ein Schlussprotokoll des Bürgerbeirats gegeben, das beide Seiten akzeptiert haben, und das sollte eigentlich die Richtschnur für die Gemeinde sein, das war der ursprüngliche Gedanke des Bürgerbeirats. Da tut mir die Neuabstimmung als Gemeinde sehr weh."

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