Chronik

Steinbruchprojekt St. Koloman: Alle Klarheiten beseitigt?

Viele fragende Gesichter hinterließ vergangene Woche die eigens angesetzte Sitzung der St. Kolomaner Gemeindevertretung zum Steinbruchprojekt. Viele fragten sich, worüber hier eigentlich genau abgestimmt wurde.

Es war aber auch ziemlich kompliziert: "Die Gemeindevertretung möge beschließen, dem Projekt Steinbruch am Sommeregg-Riedl unter Berücksichtigung des Ergebnisses des Bürgerbeirats zum durchgängigen Ausbau der Tauglbodenstraße positiv gegenüberzustehen." Aufgrund dieses Antrags von Goldener-Stern-Wirt Matthias Rettenbacher war die Gemeindevertretung (GV) eigens am vergangenen Donnerstag zusammengekommen.

Rettenbacher verfolgt seit fast zehn Jahren ein Steinbruchprojekt am Sommeregg-Riedl. Das Problem: Das Areal liegt in einer alpinen Ruhezone und im Wasserschongebiet, hat mit der engen Tauglbodenstraße nur eine mangelhafte Verkehrsanbindung und sämtliche betroffenen Anrainer sind strikt dagegen - auch nach einem Jahr gemeinsamer Sitzung aller Beteiligten in einem Bürgerbeirat.

Gemeinde stimmte zu - aber was heißt das eigentlich?

Mit elf Stimmen der ÖVP gegen zwei der SPÖ nahm die GV den erwähnten Antrag an. Aber was hatte man da eigentlich zugestimmt? Die Entscheidung sei keine grundsätzliche Zustimmung für den Steinbruch, betonte Bürgermeister Willi Wallinger (ÖVP). Sie bedeute lediglich, dass Rettenbacher den Steinbruch unter den im Bürgerbeirat besprochenen Bedingungen weiterplanen könne. Ursprünglich hatte der Antrag an die GV gelautet, sie möge den Steinbruch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen - auch mit Verweis auf Rettenbachers Gasthaus "Goldener Stern", das er mit dem Steinbruch querfinanzieren will. Manche hatten das im Vorhinein als Erpressung gesehen, da der "Goldene Stern" wegen seiner zentralen Lage und dem einzig verbliebenen großen Veranstaltungssaal eine wichtige Infrastruktur für die Gemeinde darstellt.

Kurzfristig hatte Rettenbacher den Text aber auf eine moderatere Version geändert.

Er selbst freut sich über die Entscheidung: "Für mich heißt das, die Gemeinde kann sich den Steinbruch unter gewissen Umständen vorstellen, diese Umstände sind ausgebaute Verkehrswege, und die sind ja schon so gut wie auf Schiene." Er gibt sich aber keinen Illusionen hin: "Es war ein positives Signal, aber ich habe noch einen sehr weiten Weg vor mir."

Straßensanierung ist geplant - aber kein zweispuriger Ausbau

Der Verkehr war von Anfang ein Knackpunkt des gesamten Projekts. Der Ausbau seitens der Gemeinde, den Rettenbacher ansprich, ist lediglich eine Sanierung der Straße sowie eine sogenannte Lichtraumerweiterung - kein zweispuriger Ausbau zwischen Gmainbauer und der Abzweigung zum Sommeregg-Riedl. Diesen hatten die AnrainerInnenvertreter im Schlussprotokoll des Bürgerbeirates zur Bedingung für ihre Zustimmung zu dem Projekt gemacht, was aber in der Realität einer klaren Ablehnung gleichkommt - finanziell und umwelttechnisch ist der zweispurige Ausbau auch laut Expertenmeinung kaum machbar, noch dazu gehört der nötige Grund fast ausschließlich Gegnern des Steinbruchprojekts.

"Wir nehmen das einfach hin und müssen uns wieder an einen Tisch setzen"

Die betroffenen Anrainer sind vom Ausgang der Abstimmung vergangene Woche naturgemäß wenig begeistert: "Viele rufen mich an, sie kennen sich nicht aus und fühlen sich vor den Kopf gestoßen", sagt Sprecher Peter Böhm, der das Ganze aber auch nicht als Niederlage sehen will: "Wir sind nicht am Boden zerstört, wir nehmen das einfach hin und müssen uns wieder an einen Tisch setzen, auch mit dem Bürgermeister. Auch eine Fortsetzung des Bürgerbeirates wäre eine Option, aber nur eine von vielen."

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