Chronik

Sterbende und Trauernde ein Stück weit begleiten

Die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiter der Hospizinitiative stehen Schwerkranken und Trauernden in einer schwierigen Zeit zur Seite. Die Angebote der Ehrenamtlichen sind kostenlos.

Birgit Rettenbacher vor den „Säulen der Stille“ auf der Pernerinsel SN/sw/strübler
Birgit Rettenbacher vor den „Säulen der Stille“ auf der Pernerinsel

Manche Fälle gehen auch erfahrenen Sterbebegleitern besonders nah. Todkranke Kinder etwa. Oder die unheilbare ALS-Erkrankung eines jungen Familienvaters aus dem Tennengau. "Zwei kleine Kinder, Schulden nach dem Hausbau und jetzt diese erschütternde Diagnose", sagt Birgit Rettenbacher, Leiterin der Hospizinitiative Tennengau. Zwei Stunden pro Woche ist sie für den 33-Jährigen da, während Frau und Kinder andere Dinge unternehmen - Dinge, die sonst nicht möglich wären.

Oft würde sich Rettenbacher wünschen, dass Patienten - so wie die erwähnte Familie - früh den Kontakt zur Hospizbewegung suchen. "Die Menschen kommen leider oft sehr spät zu uns. Wenn es aber schon ganz dem Ende zugeht, braucht es uns eh nicht mehr wirklich. Da geht ohnehin jeder seinen Weg. In der Zeit davor lässt sich aber oft noch viel tun, auch mit einer schweren Erkrankung", sagt Rettenbacher.

"Die Menschen kommen leider oft sehr spät zu uns. Es wäre mehr möglich." Birgit Rettenbacher, Hospizinitiative Tennengau

Als hauptamtliche Leiterin der Hospizinitiative Tennengau koordiniert sie die Einsätze der zwölf ehrenamtlichen Hospizbegleiter im Bezirk - elf davon sind Frauen. "Unsere Arbeit wird immer mehr angenommen", freut sich Rettenbacher. "Wir sind ein tolles Team und tun viel, sind aber alle sehr ausgelastet. Weitere Ehrenamtliche wären nötig." 2500 Stunden ehrenamtliche Arbeit leistet ihr Team pro Jahr.

Acht Hospizbegleiterinnen haben neben dem Basislehrgang auch die Zusatzausbildung zur Trauerbegleiterin gemacht. Die Zahl derartiger Begleitungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Mit der steigenden Nachfrage wurde auch das Angebot vielfältiger. In der Stadt Salzburg gibt es mittlerweile auch eine Trauergruppe speziell für junge Eltern, die ein Kind verloren haben, sowie eine Gruppe für junge Erwachsene, von denen ein Elternteil Suizid begangen hat. "Das sind oft ganz verschiedene Arten von Trauer, auf die dann besonders gut eingegangen werden kann", sagt Rettenbacher, der es wichtig ist zu betonen, dass die Hospizbegleiter keine Psychologen sind.

Jeden dritten Montag im Monat trifft sich Birgit Rettenbacher im Halleiner Krankenhaus mit der offenen Trauergruppe. Eine Handvoll Teilnehmer - meist sind es auch hier Frauen - trifft sich in vertraulichem Rahmen, um miteinander zu sprechen oder einander einfach nur zuzuhören. "Niemand muss dabei etwas sagen, aber jeder kann erzählen, was er möchte. Viele kennen sich bereits, jeder ist am anderen interessiert. Für viele wird es leichter, wenn sie sehen, dass es anderen ähnlich geht, dass sie nicht alleine mit ihrem Problem sind", sagt Rettenbacher.

Als eine von drei Frauen im Tennengau hat Birgit Rettenbacher auch die Ausbildung zur Kinderhospizbegleitung gemacht. "Das ist schon noch einmal ganz etwas anderes, das geht schon sehr nahe. Ich habe mir schon damals bei der Ausbildung gedacht, drehe ich jetzt wieder um oder mache ich es", erzählt Rettenbacher im TN-Gespräch.

Auch Institutionen rufen die Hospizbegleiter um Hilfe

Über belastende Fälle tauscht sich das Team der Hospizinitiative Tennengau bei der monatlichen Dienstbesprechung aus. Ebenfalls ein Mal pro Monat steht eine Supervision, eine unterstützende Beratung, auf dem Programm. Auch Einzelsupervisionen sind jederzeit möglich. "Ich selbst bin natürlich immer für meine Ehrenamtlichen erreichbar. Oft gibt es akut etwas zu klären, das nicht bis zur nächsten Supervision warten kann", sagt Rettenbacher.

Immer wieder wenden sich auch Institutionen wie das Halleiner Krankenhaus oder Seniorenheime an die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiter der Hospizinitiative. Als kürzlich Birgit Rettenbachers Telefon klingelte, war am anderen Ende der Leitung ein Mitarbeiter des Halleiner Krankenhauses. "Die rufen nicht oft an, aber wenn, dann weiß ich, dass es wirklich wichtig ist", sagt Rettenbacher. An jenem Tag war es ein Patient, der sehr unruhig war und ständig aufsprang. "Eine Nachtschwester ist für so viele Patienten zuständig, die kann unmöglich die ganze Nacht bei einer Person verbringen. Darum habe ich zwei meiner Ehrenamtlichen organisiert, die jeweils die halbe Nacht bei dem Patienten verbracht haben", sagt Rettenbacher. Da die Hospizbewegung von etwaigen Besuchsverboten in Krankenhäusern und Seniorenheimen ausgenommen ist, dürfen die Sterbebegleiter auch in Zeiten des Lockdowns und strenger Besuchsregeln zu den Patienten.



Lockdown verursacht bei manchen eine innere Not

Die Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr hat Rettenbacher als eine schwierige in Erinnerung. "Damals durften ja viele ältere Patienten nicht einmal mehr ihre Kinder und Enkelkinder sehen. Das hat bei vielen eine innerliche Not verursacht, die teilweise sogar zu Suizidgedanken geführt hat. Zu wissen, dass niemand kommt, diese Einsamkeit war für viele eine psychische Belastung."

In der Vorwoche bekam Rettenbacher ihren ersten Anruf mit der Bitte um eine Trauerbegleitung nach einem Covid-19-Todesfall. "Die Dame wollte schon eine Sterbebegleitung für ihren Gatten. Das ist dann leider nicht mehr zustande gekommen, weil er so schnell verstorben ist. Jetzt möchte die Witwe die Trauerbegleitung in Anspruch nehmen", erzählt Rettenbacher.

So wie im geschilderten Fall sind es auch sonst meist Frauen, die zum Hörer greifen und die Hospizinitiative kontaktieren. Auch für den an ALS erkrankten 33-jährigen Tennengauer hat seine Frau den ersten Schritt gemacht. "Er freut sich jetzt total, dass ich da bin, aber selbst hätte er, glaube ich, nicht angerufen", meint Rettenbacher.

Kontakt Birgit Rettenbacher: 0676/848 21 05 58 oder per Mail an tennengau@hospiz-sbg.at


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