Chronik

Stöckl: "Dränge mich nicht auf"

Christian Stöckl spricht im Interview mit den Tennengauer Nachrichten über die Muskeln zeigende ÖVP, das Halleiner Spital, Nachfolger-Sorgen der Ortschefs und seine Rolle im Halleiner Wahlkampf.

LH-Stv. Christian Stöckl und Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei der Angelobung. SN/sw/LMZ/Neumayr/SB
LH-Stv. Christian Stöckl und Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei der Angelobung.

LH-Stv. Christian Stöckl ist vergangene Woche für eine zweite Periode als Landesrat für Finanzen sowie für Gesundheit und Spitäler angelobt worden. Die TN haben ihn zum Gespräch gebeten.

Redaktion: Die grüne Handschrift war in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen klar erkennbar. Wird die ÖVP in der neuen Regierung ihre Muskeln deutlicher spielen lassen?
Christian Stöckl:Aufgrund des Wahlergebnisses wird die ÖVP mehr von ihrem Programm umsetzen können als früher. Das ist auch so gewollt von der Bevölkerung, sonst hätten wir nicht so stark zugelegt.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Grünen und NEOS?
Ein sehr gutes. Mit den Grünen habe ich jetzt jahrelang gut zusammengearbeitet, speziell Heinrich Schellhorn kenne ich schon seit unserer Zeit als junge Stadträte in den 90ern in Hallein. Aber auch mit NEOS kann ich sehr gut.

Bei der Wahl der Landesregierung im Landtag hat Ihnen die FPÖ in der Vorwoche mit Verweis auf Ihr Auftreten beim Hearing die Zustimmung verweigert. Sie sollen dabei keinen guten Eindruck gemacht haben ...
Das war reine Taktik der FPÖ, um auf sich aufmerksam zu machen - was sie ja auch geschafft hat. Das Argument mit dem Hearing ist vorgeschoben. Nachdem ich in den vergangenen fünf Jahren in meinen beiden großen Ressorts die Finanzen saniert und große Reformen auf die Beine gestellt habe, habe ich bei dem Hearing nicht die Spur von Nervosität verspürt.

Eine Frage an Sie als Bezirksparteiobmann der Tennengauer ÖVP: Sechs der ÖVP-Landtagsabgeordneten sind aus der Stadt Salzburg, obwohl die ÖVP dort verhältnismäßig schwach abschneidet. Der Tennengau ist mit nur einem Abgeordneten vertreten. Das passt auch auf die Bevölkerungszahl gerechnet nicht wirklich. Ist das eine faire Verteilung?
Wir haben eine Nationalratsabgeordnete, mit mir ein Mitglied in der Landesregierung und einen Landtagsabgeordneten. Ich glaube, die ÖVP Tennengau ist da gut aufgestellt. Dazu kommt, dass nicht alle Stadt-Abgeordneten auch wirklich Städter sind. Der ÖVP-Klub hat einen guten Mix aus altgedienten und neuen Abgeordneten.

Wie kann es sein, dass die mit Abstand stärkste und am besten vernetzte Partei im Tennengau gleich in mehreren Gemeinden Schwierigkeiten hat, geeignete Bürgermeister-Nachfolger zu finden?
Es ist sicher so, dass die Menschen allgemein weniger dazu bereit sind, öffentliche Ämter zu übernehmen - das geht beim Sportverein los und geht bis hin zur Politik. Dazu kommt, dass das Bürgermeisteramt mit immer mehr Verantwortung verbunden ist. Man muss deshalb früh genug beginnen, Nachfolgekandidaten aufzubauen und als langjähriger Bürgermeister auch einmal zugunsten eines jüngeren potenziellen Nachfolgers zurückstehen. Wenn man die zu lange vertröstet, gehen sie wieder verloren.

Trauen Sie Maximilian Klappacher als designiertem Nachfolger des Halleiner Bürgermeisters zu, die in den vergangenen Jahren entstandenen Gräben zwischen Tourismusverband, Altstadtkaufleuten und der Stadtpolitik zuzuschütten?
Klappacher kommt aus der Wirtschaft, ist in Hallein integriert und kennt alle Akteure persönlich. Dazu kommt, dass er ein sehr ausgleichender Mensch ist. Ich traue ihm zu, das Bürgermeisteramt sehr gut zu führen.

Bis kurz vor der Abstimmung im Parteivorstand galt es als so gut wie fix, dass Theo Steidl auf Anzengruber folgt. Dann gab es plötzlich die Abstimmung zwischen drei Kandidaten. Was war da los?
Ich weiß nichts davon, dass Theo Steidl als fix galt. Es war so, dass sich drei Kandidaten zur Verfügung gestellt haben. Wir haben dann im Parteivorstand lange diskutiert und dann abgestimmt. Das Ergebnis haben alle akzeptiert.

Klappacher tauchte nur wenige Tage nach seiner Wahl auf einem Foto einer Presseaussendung Ihrer Aktion "Salzburg - Freiwillig rauchfrei" auf. Er war selbst überrascht, als wir ihn darauf ansprachen. Werden Sie sich vermehrt in den Halleiner Wahlkampf einmischen?
Grundsätzlich ist es Aufgabe jeder Ortspartei, einen möglichst guten Wahlkampf zu führen. Nachdem ich aber drei Perioden lang erfolgreich Bürgermeister in Hallein war, bin ich gerne dazu bereit, mein Engagement einzubringen. Ich dränge mich aber nicht auf.

Den Raucher Klappacher auf einem Salzburg-rauchfrei-Foto zu präsentieren war eine gute Idee?
(lacht) Vielleicht wird er ja durch die Aktion selber zum Nichtraucher.

Kritik gibt es immer wieder am Krankenhaus Hallein, z. B. wegen der eingeschränkten Unfallambulanz-Zeiten. Ist die Kritik berechtigt oder ist es eher so, dass die Halleiner froh sein müssen, so nah an der Stadt Salzburg ein eigenes Krankenhaus zu haben?
Es ist extrem schwer, kleine Krankenhäuser zu erhalten. Die gesetzlichen Vorschriften werden immer strenger, etwa was die fachärztliche Anwesenheit betrifft. Wegen des Ärztemangels ist das eine große Kraftanstrengung. Umso mehr freut mich, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Landeskrankenhaus die Unfallambulanz während des Tages offen halten können. Die Kritik empfinde ich deshalb als nicht berechtigt.

Der grüne Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn hat im TN-Interview sinngemäß gesagt, die Halleiner Kulturstadträtin habe sich beim Thema ,Autonomes Kulturzentrum' nicht gegen den Bürgermeister durchsetzen können. Agiert Bürgermeister Anzengruber tatsächlich als Bremsklotz?
Ich glaube, es ist nicht Sache des Kulturlandesrates, sich in die lokale Politik einzumischen. Meine persönliche Meinung dazu ist, dass es in Hallein im Grunde genügend Einrichtungen für die Kulturszene gibt. Es muss nicht immer ein zentrales Gebäude sein, in dem alles untergebracht ist. Die Kulturstadträtin erlebe ich als extrem engagiert. Auch finde ich erfreulich, wie der Verein Sudhaus aufgestellt ist. Es war nicht leicht, den Übergang von Friedl Bahner auf neue Strukturen zu schaffen.

Was haben Sie im Tennengau für die Zukunft auf dem Radar?
Die weitere Stärkung des Halleiner Krankenhauses ist wichtig. Weiters muss das Netzwerk der niedergelassenen Mediziner mit anderen Gesundheitsberufen gestärkt werden. Dazu kommt eine Straßenbauoffensive, etwa im Lammertal. Weitere Ziele sind die Erhaltung der kleinen Skigebiete im Tennengau sowie die Fertigstellung des Hochwasserschutzes.

Für all das wird ausreichend Geld vorhanden sein?
Wir werden es versuchen, auch wenn das gar nicht so einfach ist. Wir werden die Budgets von Jahr zu Jahr neu verhandeln.


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