Chronik

Stoppschild gegen Mobbing im Betrieb

Mobbing geschieht nicht von heute auf morgen, passiert in einer Gruppe und richtet sich immer gegen eine einzelne Person. Der Ansatz "Shared Responsibility Approach" holt alle an einen Tisch.

Mobbing schädigt Menschen und in weiterer Folge auch Unternehmen. Markus Hopf und Barbara Wick bieten Lösungsmöglichkeiten in einem Seminar.  SN/sw/Ricky Knoll
Mobbing schädigt Menschen und in weiterer Folge auch Unternehmen. Markus Hopf und Barbara Wick bieten Lösungsmöglichkeiten in einem Seminar. 

Mobbingdynamiken fordern und überfordern meist alle Beteiligten. Wegschweigen ist keine Lösung, sondern fügt Menschen und Unternehmen mitunter schweren Schaden zu. Mit einem Seminar für Führungskräfte und Personalverantwortliche bietet das Friedensbüro mit Partnern Lösungsmöglichkeiten.


Redaktion: Wie entsteht Mobbing im Betrieb?
Barbara Wick: Vor allem durch schlechte Kommunikation im Team, wenn Entscheidungen für die Belegschaft nicht nachvollziehbar sind.

Markus Hopf: Es hat oft mit mangelnder Transparenz zu tun, warum welche Entscheidungen getroffen wurde, wie etwas zu machen ist. Das ergibt einen großen Unsicherheitsfaktor, ebenso, dass Konflikte oft nicht behandelt, sondern unter den Teppich gekehrt werden.
Wick: Auch Unzufriedenheit, zu viel Druck oder Stress, Konkurrenz untereinander sind Faktoren, genauso mangelnde Wertschätzung und Anerkennung für die erbrachten Leistungen.
Hopf: Genauso kann es sein, dass jemand permanent unterfordert und deswegen frustriert ist. Dann wird nach einem Schuldigen gesucht. Mobbing richtet sich immer gegen eine einzelne Person, die ist das personifizierte Problem. Die anderen glauben, wenn diese Person weg ist, ist auch das Problem weg. Was natürlich ein Irrglaube ist.

Das alles passiert innerhalb der Belegschaft. Aber es gibt ja auch den Druck von oben?
Hopf: Genau, das nennt sich dann Bossing, wenn Chef oder Führungskraft gezielt, aber nie direkt angesprochen, zu verstehen geben, "du bist hier nicht mehr willkommen, warum bewirbst du dich nicht in dieser oder jener Abteilung?" Oder es werden Gerüchte gestreut, die über mehrere Personen laufen und schließlich dem Betroffenen enorm schaden.
Wick: Generell läuft Mobbing sehr im Geheimen ab, wird weggeschwiegen, deshalb kommt man auch schwer zu den Unternehmen hin.
Hopf: Manchmal waren die Mobbing-Ausführenden früher schon mal selbst Betroffene und handeln nach dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung. Also schlag ich zu, bevor es mich trifft."

Was sind die Folgen bzw. Auswirkungen?
Wick: Meist sind es Krankenstände, die Arbeit kann nicht mehr bewältigt werden, es kommt zu innerer Kündigung bis hin zur Selbstaufgabe. Das ist für das Klima sehr belastend, aber auch für den Betrieb, denn die Arbeit bleibt ja unerledigt.

Wie ließe sich gegensteuern?
Hopf: Wenn gute Konfliktkultur sowie Transparenz im Betrieb eingeführt wird, es zu nachvollziehbaren Entscheidungen kommt oder gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, wo alle gleichwertig eingebunden sind.

Sie haben gemeinsam mit dem Friedensbüro und Ihrem Partner Christoph Burmann nun ein Seminar entwickelt, das Hilfe für Unternehmen anbietet, für den Fall des Falles?
Wick: Wir arbeiten mit dem so genannten "Shared Responsibility Approach" (SRA), d.h. geteilte Verantwortung, um die Mobbingsituation ganz schnell zu stoppen, weil sie für alle schädigend ist. Die Methode macht keine Schuldzuweisungen. Hier sind die Führungskräfte gefordert, in deren Verantwortung es liegt, das Team wieder zusammen zu bringen. Genauso, wie sich Mobbing lange aufgebaut hat, braucht es wieder viele kleine Schritte, um den Betroffenen, der ja verletzt und geschädigt ist, wieder ins Team hereinzuholen.
Hopf: SRA ist ein Stoppschild gegen Mobbing, aber noch keine Aufarbeitung. Da muss schon noch einiges passieren. Aber: Die Methode ist sehr einfach zu lernen, es ist keine Vorbildung nötig.

Workshops: Mobbing lösen

Ein lösungsorientiertes Handlungsmodell für Führungskräfte und Personalverantwortliche "Shared Responsibility Approach".
Seminare starten im Mai in Salzburg und Koppl.
Infos und Anmeldung: wick@friedensbüro.at

Aufgerufen am 24.10.2020 um 08:20 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/stoppschild-gegen-mobbing-im-betrieb-26826688

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