Chronik

Tempo 80 ist in Salzburg in Kraft - es blitzte heftig

Auf der Salzburger Stadtautobahn gilt jetzt Tempo 80. Einige Hundert Lenker dürften am Donnerstag geblitzt worden sein. Sonstige Zwischenfälle blieben aber aus.

Kann das sein? Ist über Nacht die Straße breiter geworden? Solcher Gedanke mag manchen beschlichen haben, der am Donnerstag auf der Westautobahn bei der Stadt Salzburg unterwegs war. Der Eindruck täuschte freilich. Einziger Unterschied zum Vortag: Der Verkehr floss langsamer. Denn die Landesregierung hatte um Mitternacht ihre Verordnung in Kraft gesetzt und aus Luftgütegründen die erlaubte Geschwindigkeit von 100 auf 80 km/h gedrosselt. Da entsteht schon einmal das Gefühl, plötzlich sehr viel Platz auf dem Beton zu haben.

Wobei beim SN-Check freilich kaum ein Lenker wirklich Tempo 80 fuhr. Vielmehr schien sich der Verkehr auf der rechten Spur bei 90 km/h eingependelt zu haben, in der Straßenmitte bei 100 km/h. Auf der linken Spur fuhr so mancher Lenker ungehemmt, quasi wie in "alten Zeiten". Tatsächlich exakt 80 km/h zu fahren, das bedeutete am Donnerstag weiterhin: überholt werden. Von Pkw. Von Zustellern in ihren Kleinlastern. Auch von einem schweren Sattelschlepper mit fünfzehn Meter langen Baumstämmen auf der Ladefläche.

Immerhin: Als der SN-Redakteur vor einigen Wochen versucht hatte, auf der Stadtautobahn mit 80 km/h zu fahren, hatte das noch zu einem Hupkonzert, hektischem Aufblenden und eigenwilligen Fingergesten seitens anderer Lenker geführt. Am Donnerstag waren Tempo-80-Streber geduldet, milieubedingte Unmutsäußerungen blieben weitgehend aus. Radarbox ist stark gefordertPositionswechsel: Die einzige stationäre Radarbox auf der Teststrecke kam am Donnerstag nicht zur Ruhe. Sie steht in Fahrtrichtung Wien unmittelbar nach dem Lärmschutztunnel Liefering. Um 9.35 Uhr wurde das Radar von der Polizei "scharf" gestellt und auf die Überwachung von Tempo 80 programmiert. Fortan blitzte das Gerät permanent.

Bei einem Lokalaugenschein von 10.30 Uhr bis 10.50 Uhr zeigte sich: 14 Mal schoss der Kasten ein Foto, also etwa alle 90 Sekunden ein Mal. Etliche Lenker werden demnächst unerfreuliche Post bekommen. Mindestens 30 Euro sind fällig - bei einer Überschreitung um bis zu 15 km/h. Der Magistrat hatte im Vorfeld mit 200 Strafen pro Tag gerechnet. Rechnet man den 20-minütigen Lokalaugenschein hoch, dürften es viel mehr werden: 30 bis 40 Tempolimit-Überschreitungen pro Stunde sind denkbar.

Tempo 80 war in den vergangenen Wochen auch eines der umstrittensten lokalpolitischen Themen. Die Facebook-Seite "Gegen Tempo 80 auf der sechsspurigen Autobahn" hat knapp 37.000 Unterstützer.

Einzelne Gegner der Geschwindigkeitsdrosselung verkündeten frustriert, sie seien etwa "im dritten Gang gefahren" - "ich hoffe, mein Auto war lauter und hat mehr gestunken als ein Lkw mit 3300 Touren". Peter Harlander, Initiator der Protestbewegung, will kommende Woche großflächig Autoaufkleber gegen Tempo 80 verteilen. 20.000 Aufkleber sind in Druck. An einer Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof arbeitet der Rechtsanwalt bereits.

Entspannter sah die Lage Salzburgs oberster Verkehrspolizist: Alles sei ruhig verlaufen, sagte Oberst Friedrich Schmidhuber. Es gebe weniger Stau als vorher, weil Straßen zwischen 60 und 80 km/h die höchste Kapazität aufweisen würden.

Quelle: (sn-rr, Hei, Resch).

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