Chronik

Terrorverdächtiger wurde aus der U-Haft entlassen

Laut Gericht besteht gegen einen 25-jährigen Marokkaner kein dringender Tatverdacht mehr, einen Anschlag in Salzburg geplant zu haben. Jetzt ist er in Schubhaft.

Festnahme im Dezember in Fuschl. SN/berthold schmid
Festnahme im Dezember in Fuschl.

Paukenschlag im Fall des 25-jährigen Marokkaners, der Mitte Dezember wegen des Verdachts, in Salzburg einen Terroranschlag geplant zu haben, in Untersuchungshaft genommen worden war: In einer außerplanmäßigen Haftprüfungsverhandlung hob eine Richterin des Landesgerichts (LG) am Freitag die U-Haft auf. Begründung laut LG-Sprecherin Martina Pfarrkirchner: "Angesichts der neuen Ermittlungsergebnisse sieht das Gericht keinen dringenden Tatverdacht mehr in Richtung Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung."

Die Staatsanwaltschaft prüfe jetzt, ob man gegen die Enthaftung Beschwerde beim Oberlandesgericht Linz einlege, so deren Sprecher Robert Holzleitner.

Laut Rechtsanwalt Kurt Jelinek - Verfahrenshelfer des am 19. Dezember in seinem Flüchtlingsquartier in Fuschl festgenommenen Marokkaners - waren bei diesem drei Handys und ein Laptop sichergestellt worden: "Die Auswertung zweier Handys und auch des Laptops brachte nicht den geringsten Hinweis auf eine terroristische Aktivität." Ein altes Handy des Marokkaners wird von der Polizei noch geprüft. Auch wenn kein dringender Tatverdacht mehr besteht: die Ermittlungen gehen vorerst weiter.

Der Cobra-unterstützten Festnahme des 25-Jährigen ging eine mehrwöchige Observierung durch das Landesamt für Verfassungsschutz voraus. Auch seine acht Mitbewohner - Asylbewerber aus Afghanistan, dem Irak und Iran - wurden damals abgeführt und verhört. Auch sie werden von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführt.

Die Verdachtslage gegen den nun aus der U-Haft entlassenen 25-Jährigen basiert im wesentlichen auf einer E-Mail einer in Palästina lebenden Frau an die Salzburger Polizei. Die 23-Jährige lernte den 25-Jährigen vor fünf Jahren kennen. Sie habe regelmäßig mit ihm via Skype (Internettelefonie, Anm.) kommuniziert und sich in ihn verliebt.

Am 18. November schrieb die Frau an die Landespolizeidirektion das besagte Mail: Sie gab an, beim Skypen mit ihrem Freund in der Nacht vom 16. auf den 17. November mitgehört zu haben, wie dieser mit anderen Personen (den Mitbewohnern, Anm.) über einen "Sprengstoffanschlag zu Weihnachten oder zu Neujahr in der Stadt Salzburg" gesprochen habe. Sie habe das Gespräch verfolgen können, weil ihr Freund vergessen habe, die Internet-Telefonie zu beenden. Weiters sagte sie, dass sich ihr Freund in jüngerer Zeit verändert habe. Beim Polizeieinsatz in Fuschl wurden keine Hinweise auf Sprengstoff gefunden. Die Verfassungsschützer stellten beim Marokkaner nur die besagten drei Handys und den Laptop sicher.

Der 25-Jährige - er war als einziger in U-Haft - bestreitet den Vorwurf massiv: Niemals habe er sich über einen Anschlag unterhalten. Die 23-Jährige sei schon länger nicht mehr seine Freundin: er habe sich von ihr getrennt. Sie belaste ihn wohl aus Eifersucht. Die Frau selbst schrieb übrigens später in einem weiteren Mail an die Polizei, dass sie fälschlicherweise Anzeige gegen ihren Freund erstattet habe.

Der Marokkaner hatte im Herbst 2016 einen bereits rechtskräftigen negativen Asylbescheid erhalten. Er sei daher laut Polizeisprecher Michael Rausch "unmittelbar nach der Entlassung aus der U-Haft von Polizisten übernommen und ins Polizeianhaltezentrum Salzburg überstellt worden. Der Mann wird jetzt in Schubhaft genommen."

Aufgerufen am 23.09.2018 um 08:02 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/terrorverdaechtiger-wurde-aus-der-u-haft-entlassen-508822

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