Chronik

Tierischer Notfall am Berg brachte Menschen in Gefahr

Bayerische Bergretter flogen zwei junge Frauen und einen Hund vom Hochstaufen.

Einsatz am Hochstaufen SN/brk bgl/markus leitner
Einsatz am Hochstaufen

Am Sonntagnachmittag gegen ging im benachbarten Bayern ein Notruf wegen eines rund 40 Kilo schweren Retrievers mit Lähmungserscheinungen in rund 1300 Metern Höhe am Goldtropfsteig auf der Südseite des Hochstaufens ein. Zwei 21-jährige Frauen brachen den weiteren Aufstieg ab und versuchten den Hund zunächst noch selbst talwärts zu bringen, wobei die Besitzerin nach über zwei Stunden und etwa 100 Höhenmetern laut einem Bericht des Bayerischen Roten Kreuzes körperlich und psychisch völlig am Ende war.

Ein Rettungswagen brachte eine Frau in die Kreisklinik Bad Reichenhall

Der zunächst nur tierische Notfall habe sich - wie schon bei ähnlichen Einsätzen zuvor - zu einem menschlichen Notfall entwickelt, weshalb gegen 17.15 Uhr der Traunsteiner Rettungshubschrauber "Christoph 14" seinen Notarzt und einen Reichenhaller Bergwacht-Hundeführer im Schwebeflug auf einem Felskopf in 1250 Metern Höhe aussteigen ließ. Die Einsatzkräfte kümmerten sich um die 21-jährige Patientin und flogen sie, ihre Begleiterin und den Hund in zwei Anflügen in die Hochstaufen-Kaserne aus. Während der Versorgung an der Einsatzstelle landete "Christoph 14" am Mittelstaufen. Eine Rettungswagen-Besatzung des Roten Kreuzes brachte die 21-Jährige nach ärztlicher Versorgung zur weiteren Behandlung in die Kreisklinik Bad Reichenhall.

"Einsätze mit Hunden polarisieren die Öffentlichkeit"

"Einsätze mit Hunden polarisieren die Öffentlichkeit, sind aber für uns nicht so einfach lösbar, da ein tierischer Notfall oft direkt mit einem menschlichen Schicksal verknüpft ist. Für viele ist der Hund ein Familienmitglied und sie würden ihn nie am Berg zurücklassen - solche Einsätze entwickeln ohne Hilfe der Bergwacht dann eine Eigendynamik, bei der sich Hundebesitzer selbst in große Gefahr begeben und in Bergnot geraten. Eine Tierrettung ist damit indirekt oder direkt auch immer eine Menschenrettung", betont der Leiter der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel, Stefan Strecker. Die Bergwacht betreibe bei all ihren Einsätzen immer ein Risiko-Management, wobei ein bodengebundener Abtransport mit einer Trage und Seilversicherungen im absturzgefährlichen Gelände des Goldtropfsteigs für die eingesetzten Kräfte im Verhältnis zu riskant und aufwändig gewesen wäre. Auf einem befestigten Wanderweg wäre ein Abtransport per Radtrage wesentlich einfacher möglich gewesen.

Amtstierärztin appelliert an die Eigenverantwortung

Tierärztin Stefanie Schmeiduch vom Landratsamt Berchtesgadener Land verweist auf das Tierschutzgesetzes): "Es ist verboten, einem Tier - außer in Notfällen - Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen." Die Amtstierärztin appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen, ihr Tier beim Wandern richtig einzuschätzen und es nicht im zu extremen alpinen Gelände zu überfordern. Sie hält aber nichts von Verallgemeinerungen und Schuldzuweisungen aus der Öffentlichkeit.

"Bestimmte Hunderassen sind für Bandscheiben-Probleme anfälliger"

"Jedes Tier ist anders und bestimmte Situationen sind auch nicht wirklich vorhersehbar," sagt Schmeiduch. Grundsätzlich müsse man bei der Tourenplanung am Berg immer auf den Schwächsten in der Gruppe Rücksicht nehmen, wobei das auch der Hund sein könne. Im Zweifelsfall solle man rechtzeitig umkehren. "Bestimmte Rassen sind für Bandscheiben-Probleme anfälliger, wobei sich das steile Gelände negativ auswirkt. Wie oft ein Hund am Berg unterwegs sein darf und soll, kann im Einzelfall aber nur ein Tierarzt abschätzen," heißt es.

Quelle: SN

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