Chronik

Tourismus zwischen virtuellen Welten und realem Pistenspaß

Augmented Reality kennt man vielleicht von der Pokemon-Jagd. In Zukunft soll sie eine große Rolle im Tourismus spielen, am wichtigsten bleibt in den Alpen und speziell in Österreich das Skifahren.

Seit 1. Dezember läuft die neue Schlossalmbahn. Ein Teil der Finanzierung erfolgte über ein Bürgerbeteiligungsmodell, die Inbetriebnahme wurde von vielen Einheimischen herbeigesehnt. Brinek
Seit 1. Dezember läuft die neue Schlossalmbahn. Ein Teil der Finanzierung erfolgte über ein Bürgerbeteiligungsmodell, die Inbetriebnahme wurde von vielen Einheimischen herbeigesehnt.

Der Gesundheitstourismus im Speziellen und die Zukunft des Tourismus in den Alpen im Allgemeinen standen im Mittelpunkt des Fachkongresses "Heilkraft der Alpen" zum alpinen Gesundheitstourismus. Welcher Platz wäre dafür besser geeignet gewesen als der Bad Hofgasteiner Kursaal, wo die Veranstaltung am vergangen Donnerstag und Freitag über die Bühne ging. Dabei wurde ein sehr weites Feld belichtet: vom klassischen Skitourismus und speziellen gesundheitsspezifischen Angeboten bis hin zu Ausblicken auf eine sehr nahe, hoch technisierte Zukunft. Dann werden Urlaubsziele schon vom Heimatort aus durch Virtual-Reality-Brillen erkundet. Am Urlaubsort angekommen, wird die Realität digital ergänzt. Das funktioniert jetzt schon: Es gibt Apps fürs Smartphone, bei denen die Umgebung mit der Kamera gescannt wird, Augmented-Reality-Funktionen zeigen dann auf dem Display Informationen zu Highlights oder den Weg zum nächsten Restaurant, zum nächsten Lift, Hallenbad etc. Auch Datenskibrillen, die den Sportlern den kürzesten Weg zur Hütte, Wetterdaten, Pisten- und Liftstatus liefern, sind schon Realität, etwa bei Ski amadé.

Allen Innovationen zum Trotz, das Wintererlebnis mit Schnee ist weiterhin unersetzbar. Der klassische Skitourismus werde auch weiterhin eine enorm wichtige Rolle im Wintertourismus in den westlichen österreichischen Bundesländern spielen, Deutschland sei und bleibe der wichtigste Herkunftsmarkt, erläuterte Gerhard Vanzi, Forscher am Südtiroler Forschungszentrum EURAC. Der finanzielle und technische Aufwand, um ein perfektes Skierlebnis zu bieten, wird indes - auch bedingt durch den Klimawandel - immer höher. Seine Schlussfolgerung für die Skigebiete: "Entweder man wird groß und schließt sich zusammen, um Kosten zu verteilen, oder man flieht in den Sommer."

Denn im Sommertourismus gibt es noch Potenzial, zudem ist die Bereitstellung von touristischer Infrastruktur für den Sommer nicht so kostenintensiv. Ein Beispiel dafür ist der klassische Wandertourismus, interessant dabei: Auch das Thema Winterwandern werde laut Einschätzung von Vanzi massiv an Bedeutung gewinnen. Das liege auch daran, dass die Gästeschichten älter werden und Wandern als sehr gesund empfunden wird. Das Ziel muss generell sein, ein 365-Tage-Angebot zu schaffen. Wichtig dabei ist, dass die (infrastrukturellen) Maßnahmen und Bemühungen auf Akzeptanz in der heimischen Bevölkerung stoßen. Als positives Beispiel nannte er die neue Schlossalmbahn, an der sich viele auch mittels Crowdfunding finanziell beteiligt haben. Eine Einschätzung, die von Eva Irnberger, der Geschäftsführerin des Kur- und Tourismusverbandes Bad Hofgastein, geteilt wurde: "Die Vorfreude war riesengroß, das zeigt sich auch daran, dass es am ersten Betriebstag der neuen Bahn über 5000 Bergfahrten gab. Die Einheimischen waren ganz heiß darauf, mit der Bahn zu fahren."



Die digitale Entwicklung

verändert den Tourismus

Ein Blick in die Zukunft bot Marco Sacco, Wissenschafter an einem italienischen Forschungscluster. Er schilderte die schon anfangs beschriebenen Möglichkeiten von Virtual und Augmented Reality. Durch zunehmende Vernetzung, immer genauere Datenerhebungen und sich im rasanten Tempo entwickelnde Geräte (Augmented-Reality-Brillen) werden Urlauber - so sie denn wollen - mithilfe digitaler Technologie zu den für sie interessanten Zielen, wie eben Gesundheitsangeboten, geführt. AR-Brillen der modernsten Generation haben zahlreiche Sensoren verbaut, unter anderem Tiefenkameras, mit denen sie die Umgebung ähnlich dreidimensional sehen können wie das menschliche Auge. Damit scannen sie die Umwelt in Echtzeit und können so digitale Objekte (dies können Wegweiser und Ähnliches oder bis hin zu virtuellen Gesundheitstrainern sein) perspektivisch korrekt in den Raum platzieren. Ziel ist es, diese digitalen Objekte so lebensecht zu gestalten, um eine authentische Durchmischung von realer und virtueller Welt zu erreichen.

Franz Naturner, Geschäftsführer der Gasteinertal Tourismus GmbH, betonte die Rolle des Gasteinertals als führende Gesundheitsregion in den Alpen. In der von Marco Sacco erläuterten Verbindung von digitaler Technik und Tourismus sieht er ein Riesenpotenzial und erklärt: "Der Vortrag zeigt uns, wo es hingehen kann. Schon jetzt zeigen Angebote wie Skiline, dass digitale Angebote bestens angenommen werden und die Skisportler gerne ihre Leistungen vergleichen."

Aufgerufen am 04.12.2020 um 12:47 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/tourismus-zwischen-virtuellen-welten-und-realem-pistenspass-62461486

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