Chronik

Trockenheit: Tennengau mit blauem Auge unterwegs

Angespannt, aber noch nicht dramatisch: So beschreiben Landwirte und Fischer die aktuelle Situation im Tennengau. Einig sind sie sich aber auch darüber, dass baldiger Regen dringend notwendig ist.

Mancherorts stellt die Trockenheit die Bauern vor große Herausforderungen. SN/sw/wikimediacommons/franzfoto
Mancherorts stellt die Trockenheit die Bauern vor große Herausforderungen.

Die Meldungen überschlugen sich in den vergangenen Tagen: Der heurige Sommer zählt zu den heißesten der Geschichte; Ozonbelastung nahe am Grenzwert; Fische drohen in den aufgeheizten Gewässern zu ersticken; Gemeinden rufen zu reduziertem Wasserverbrauch auf; Bauern haben zu wenig Heu. Besonders im Flachgau stöhnen die Landwirte unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit. Ein Blick in den Tennengau zeigt, dass es aber auch bei dieser Hitzewelle und ihren Auswirkungen regional große Unterschiede gibt.

"Es wäre dreist, bei uns von einer Dürre zu sprechen." Rupert Quehenberger, Bezirksbauernkammer

"Noch sind wir mit einem blauen Auge unterwegs", sagt Rupert Quehenberger, Obmann der Bezirksbauernkammer Hallein. So habe es im Tennengau in diesem Jahr bis zur aktuellen Hitzewelle immer wieder Niederschlag gegeben. "Der erste Schnitt war heuer sehr gut, der zweite gut bis sehr gut. Abgerechnet wird im Herbst", betont Quehenberger und meint: "Es wäre dreist, bei uns von einer Dürre zu sprechen. Es ist trocken, aber keine Dürre." Eine weitere Woche ohne Niederschläge würde aber auch die Tennengauer Bauern vor große Probleme stellen, so Quehenberger.

Johann Neureiter, Obmann des Fischereivereins Kuchl, hat von "seinen" Fischern noch keine Meldungen über größere Probleme bekommen. "Wir setzen aber im Sommer auch so gut wie keine Fische aus. Die meisten der im Frühjahr ausgesetzten Saiblinge und Bachforellen sind schon wieder herausgefischt", sagt Neureiter. Jene Fische, die noch in den Gewässern im Tennengau seien, würden über die kalten Stellen Bescheid wissen und sich dorthin zurückziehen. "Wenn es aktuell ein größeres Problem gäbe, hätte uns der Landesverband bereits informiert", sagt Neureiter. Problematisch könne es werden, wenn es noch eine weitere Woche unverändert heiß und trocken weitergehe, pflichtet Neureiter Quehenberger bei.

Ein problematische Entwicklung ortet Manfred Deutenhauser vom Fischereiverein Hallein. "Die Wassertemperaturen steigen. Je höher die Temperatur, desto mehr verändert sich der Lebensraum. Damit kämpfen auch wir im Tennengau." Eine Konsequenz daraus sei eine Veränderung der Fischregionen. So manche frühere Forellenregion ist jetzt eine Äschenregion.

"Bei uns ist noch kein Fischsterben zu verzeichnen." Manfred Deutenhauser, Fischereiverein Hallein

Von einem Fischsterben will auch Deutenhauser nicht sprechen. "Wir haben es noch im Griff. Wir haben mit der Erwärmung gerechnet und unsere Fischzucht und Bewirtschaftung darauf ausgerichtet", so Deutenhauser: "Als dramatisch würde ich die Situation derzeit noch nicht sehen." Eine Abkühlung sei aber dringend nötig. "Die Alm hat noch 20 Grad, der Wiestal-Stausee schon 25. Ein Regentag allein reicht da nicht für eine Abkühlung." Schwierig sei die Lage in manchen kleineren Nebengewässern, die teilweise austrocknen. "Der Schaden für die Fischer ist dabei aber auch gering, weil der Otter ohnehin bereits alles leergefressen hat", so Deutenhauser.

Was den Niederschlag betrifft, gibt es auch innerhalb des Tennengaus beträchtliche Unterschiede. Laut Österreichischer Hagelversicherung gab es im Frühjahr im Salzachtal ein Niederschlagsdefizit gegenüber dem langjährigen Mittel von teilweise 50 bis 70 Prozent. Im Lammertal gab es im Frühjahr dagegen nur ein geringes bis gar kein Niederschlagsdefizit. Die derzeitige Trockenheit führt allerdings auch im Tennengau zu erhöhter Waldbrandgefahr.

Die Ozonbelastung näherte sich in den vergangenen Tagen an der Messstelle Hallein-Winterstall mehrmals dem Grenzwert. Erreicht oder gar überschritten wurde er allerdings (bis Redaktionsschluss am Dienstag) nicht.

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