Chronik

Übers Deutsche Eck geht's noch länger zäh

Die "Ewigkeitsbaustelle" in Schneizlreuth stellt Pendler auf eine harte Geduldsprobe. Jetzt ist zusätzlich die Straße über den Thumsee lange gesperrt - neben einer Ampel auf der anderen Route.

Drei Baustellen bei Schneizlreuth strapazieren die Nerven vieler Pendler.  SN/sw/Erwin Simonitsch
Drei Baustellen bei Schneizlreuth strapazieren die Nerven vieler Pendler.

Die Sommerwochen hatten es in sich: Auf der Bundesstraße 21 zwischen Schneizlreuth und der Grenze nach Österreich waren an den Wochenenden Wartezeiten zwischen 30 und 60 Minuten Standard. Dabei hatten die Autofahrer schon davor gute Nerven gebraucht. Schließlich existiert die Baustelle am Bodenberg seit vier Jahren. Heuer liefen die Bauarbeiten erstmals die Sommerferien hindurch.

Allerdings aus gutem Grund: Eine 120 Jahre alte Stützmauer aus Beton zerbröselte, die in den steilen Hang gebaute Straße senkte sich langsam ab. "Wir mussten das sofort sichern", erklärt Florian Paukner vom Staatlichen Bauamt Traunstein, der zuständigen Straßenbaubehörde. Mit Spritzbeton und Felsankern waren die Bauarbeiter im Juli und August zugange. Eigentlich hätte die Maßnahme bereits nach Ostern anlaufen sollen, doch weil die beauftragte Baufirma aus Österreich kam und die Grenze damals wegen Corona dicht war, verzögerte sich alles "um sechs bis acht Wochen", wie Paukner erläutert.

Die Stützmauer auf der Hangseite der Straße ist seit voriger Woche provisorisch gesichert, nun geht es auf der Bergseite weiter. "Wir sind gerade damit beschäftigt, die Felsmauer zu vernetzen", erklärt Thomas Zumbrunnen vom Staatlichen Bauamt Traunstein. Das Sicherungsnetz soll Steinschläge und Lawinenabgänge verhindern. "Kurz vor Weihnachten soll die Maßnahme abgeschlossen sein", so Zumbrunnen. Immerhin stünden die Ampeln jetzt an einer übersichtlicheren Stelle. "Darum sollte es weniger Stau geben", ergänzt Paukner.



In der Saison fahren die Strecke bis zu 20.000 Fahrzeuge täglich

Dass die Bauarbeiten am Bodenberg eine Herausforderung sein würden, war den Bauamt-Mitarbeitern von Anfang an klar. Denn das Kleine Deutsche Eck ist schon immer ein verkehrliches Nadelöhr. Für viele Pendler aus dem Pinzgau ist es deutlich günstiger, über deutsches Staatsgebiet nach Salzburg zu fahren, als im eigenen Land über den Pongau und die Tauernautobahn. So drängeln sich täglich zwischen 8000 und 9000 Fahrzeuge auf der teilweise begradigten "Schlängelstrecke" bei Schneizlreuth. Im Sommer und Winter, wenn die Urlauber dazukommen, spitzt sich die Situation noch mal zu. "Dann sind es fast 20.000 Fahrzeuge täglich", weiß Thomas Zumbrunnen.

Der viele Verkehr ist nicht das einzige Problem der Straßenbauer. Das zweite ist, dass eine Totalsperrung undenkbar ist; denn es fehlt eine brauchbare Umleitungsstrecke. Ob über Zell am See und die Tauernautobahn oder das Große Deutsche Eck bei Kufstein - der Umweg beträgt beide Male rund 150 Kilometer.

So bleibt dem Staatlichen Bauamt nichts anderes übrig, als immer eine Fahrspur offen zu lassen und den Verkehr mit Ampeln zu regeln. Um zu verhindern, dass sich "die Autos zurück bis Zell am See stauen", entschied sich die Behörde, die knapp 900 Meter lange Strecke in mehreren Abschnitten zu sanieren. "Wir haben uns immer 100 bis 150 Meter vorgenommen", erläutert Zumbrunnen. Um die Stauspitzen im Sommer und Winter abzufedern, pausierten die Bauarbeiten in der Vergangenheit in den Ferien. "Und so erstreckt sich die Bauzeit schon über vier Jahre."

Immerhin soll Ende des Jahres erst mal Schluss sein, vielleicht sogar für ein ganzes Jahr. Allerdings nicht ganz freiwillig. Denn für den letzten Bauabschnitt fehlt noch die Genehmigung. Geplant ist, ein Stück der Straße in Richtung Bergseite zu verlegen - an der Stelle, an der sich die marode und inzwischen provisorisch gesicherte Stützmauer befindet. Da der Bereich aber in einem geschützten Feuchtgebiet liegt, zieht sich das naturschutzrechtliche Genehmigungsverfahren. "Die Bauarbeiten werden wohl erst 2022 über die Bühne gehen können", glaubt Thomas Zumbrunnen.

Zu früh brauchen sich die Pendler nicht freuen: Es warten zwei weitere Baustellen. Wer die B 21 in Richtung Bad Reichenhall weiterfährt, steht an der Abzweigung nach Unterjettenberg wieder an einer Ampel. Dort entsteht eine neue Linksabbiegespur, außerdem wird die Brücke über den Schwarzbach saniert. Die Bauarbeiten würden "in jedem Fall über den Herbst laufen", so Florian Paukner.

Zu allem Überfluss ist nun zusätzlich die Straße über den Thumsee am sogenannten Weinkaser dicht, die viele als Ausweichstrecke für die Hauptverbindung zwischen Schneizlreuth und Bad Reichenhall benutzen. Auch dort sind Stützmauern marode, durch Unwetter Anfang Juli verschlechterte sich der Zustand der Bauwerke weiter. Das Staatliche Bauamt ließ den Abschnitt zunächst halbseitig sperren und installierte eine Ampelanlage, seit dieser Woche ist die Strecke komplett gesperrt - und das mindestens bis Ende 2021. Eine außerplanmäßige Bauwerksprüfung habe ergeben, dass die Standsicherheit nicht mehr gegeben sei, so die Behörde.

Florian Juritsch, Bürgermeister von Unken (ÖVP), sagt, dass an einem klassischen Werktag aus dem Oberen und Unteren Saalachtal sowie dem angrenzenden Pillerseetal ca. 1500 Personen (Erwerbstätige und Schüler) über das Kleine Deutsche Eck pendeln würden. "Die vielen Baustellen sind eine Riesenherausforderung für die gesamte Region. Für die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen habe ich ja ein Grundverständnis. Das Zeitmanagement ist aber schon zu hinterfragen", sagt der Ortschef. An manchen Tagen habe der Stau bis Reith (zwischen Unken und Lofer) zurückgereicht, Pendler hätten teils über eine dreifache Fahrzeit nach Salzburg geklagt, ungünstig geschaltete Ampeln hätten ihren Teil dazu beigetragen. Letztgenannter Punkt habe sich mittlerweile gebessert.

Glücklich ist man auch im Staatlichen Bauamt Traunstein nicht darüber, dass mehrere Baustellen jetzt zusammenfallen. "Aber es geht ja nicht darum, die Leute zu ärgern", sagt Paukner. Vielmehr habe man mit dem Wissen um eine fehlende Umleitungsstrecke und in dem guten Glauben gehandelt, "dass es schon noch gehe", so der Behördenmitarbeiter.

"Und jetzt geht es eben nicht mehr."

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Aufgerufen am 28.09.2020 um 06:33 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/uebers-deutsche-eck-geht-s-noch-laenger-zaeh-92694685

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